Der erste Mord in diesem Jahr ist schon wieder ein Femizid. Ein Cobra-Polizist und Kampfsportler gestand, seine geheime Affäre - die er auf Tinder kennengelernt hatte - getötet zu haben. Mit einer Ausrede, die ihresgleichen sucht.
Stmk. Es begann, wie es geendet hat: Ende des Vorjahres schockte der Fall rund um die Influencerin Stefanie P., die von ihrem On-Off-Freund in ihrer Wohnung in Graz-Geidorf erwürgt wurde. Danach karrte der 31-Jährige die Leiche mit seinem Auto in seine Heimat nach Slowenien und vergrub sie im Wald.
Auch Elite-Cop Manuel S . verscharrte sein Opfer in einem Erdloch in einem Wald - im Raabtal im Bezirk Feldbach gleich hinter dem Grundstück seiner Eltern. Bei der Toten handelt es sich um die gelernte Friseurin, Fitnesstrainerin und Wellnesscoach Johanna G. Auch ihr Fall mit dem erneut so traurigen Ende begann zunächst mit der Vermisstensuche. Ihre besorgte Mutter hatte Alarm geschlagen, weil ihre Tochter seit dem Abend des 9.Jänner nicht auf Anrufe reagierte.
- Influencerin getötet - Das zeigte ihr Ex am Tatort
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Der beschuldigte Steirer (hier im Paintball-Outfit) sitzt in Graz-Jakomini in U-Haft.
Des Kriminalrätsels Lösung, wer hinter dem Verschwinden stecken konnte, war dann einfacher als gedacht: Manuel M., ein Kollege der Ermittler (der 30-jährige Sohn einer Polizistenfamilie ist seit 2016 bei der Exekutive und seit 2021 als Cobra-Mann im Einsatz). Der angeblich absolut zuverlässige Vorzeige-Beamte, bei dem später allerdings zwei von Kollegen gestohlene Pistolen gefunden wurden, hatte auf Tinder die, wie er, sehr sportliche Johanna - Eisbaden und Kickboxen waren ihre Leidenschaft - kennengelernt. Und ging mit ihr, obwohl er in einer Beziehung mit einer anderen war, eine geheime Affäre ein, von der außer ihm nur zwei weitere Menschen gewusst haben sollen: Johannas Mutter sowie ihre beste Freundin.
WhatsApp überführte Verdächtigen: "Er ist bei mir"
Letztere überführte den mutmaßlichen Täter, indem sie den Ermittlern eine WhatsApp-Nachricht vorlegen konnte, die etwas ganz anderes an den Tag brachte als Manuel M.- anfangs in den Vernehmungen aussagte, wonach er sie schon länger nicht mehr gesehen habe. In der WhatsApp, datiert vom Freitag ihrer Abgängigkeit schrieb Johanna: "Er ist bei mir". Damit konfrontiert legte der "Halbgott" - wie der Cobra-Cop sich beim Finaleinzug zur TV-Show "Ninja Warrior Austria" bezeichnet hatte - ein Geständnis ab. Mit der unfassbaren und wenig glaubhaften Einschränkung, das Ganze wäre ihm passiert - bei einem Sex-Unfall in seinem Auto bei einem mit entgleistem Würgespiel. Mit seinem Uniformgürtel, den er Frau um den Hals gelegt und an der Nackenstütze seines Wagens befestigt, habe sich das Opfer quasi selbst erwürgt. Daraufhin sie er in Panik verfallen und habe die Leiche entsorgt - statt davor etwa die Rettung zu rufen, um etwaige Wiederbelebungsnahmen zu setzen.
An Ausreden und haarsträubenden Erklärungen bis hin zu Täter-Opfer-Umkehrungen mangelt es (mutmaßlichen) Femizid-Tätern nie.
Lebensfroh, reisefreudig, sportlich, beliebt - so bleibt Johanna G. den meisten in Erinnerung.
Was tatsächlich passiert ist, wird, so hoffen alle, die Obduktion der Toten ans Licht bringen. Dabei wird sich auch zeigen, ob M. nicht auch noch ein zweites (ungeborenes) Leben auf dem Gewissen hat: Die Fitnesstrainerin soll schwanger gewesen sein. Das hat hat sie zumindest gegenüber ihrem engsten Umfeld angegeben. War der Polizist auch der Vater, der, wie gesagt, mit einer anderen Frau zusammen war, wäre hier wohl ein Motiv zu suchen.
Seit Donnerstagnachmittag sitzt der Cobra-Mann in U-Haft.