Vor Winter: Letzte Chance auf Flucht

Flüchtlings-Drama

Vor Winter: Letzte Chance auf Flucht

Eine halbe Million Menschen, darunter viele Kinder, wollen vor dem Winter nach Europa.

In Mitteleuropa hat längst der Herbst Einzug gehalten, nachts sinken die Temperaturen meist schon unter 10 Grad. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Nächte am Balkan und in Griechenland kühl werden – und das hat eine direkte Auswirkung auf die Flüchtlingsbewegung.

Karte: 500.000 wollen in die EU

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Türkei: 500.000 warten auf die Weiterreise
Fabrice Leggeri, der Chef der EU-Grenzschutzagentur Frontex, schätzt, dass in den nächsten Wochen „so viele Familien mit Kindern die Gefahren des Fluchtwegs auf sich nehmen wie nie zuvor“.

Die Flüchtlinge wollen so schnell wie möglich nach Europa – möglichst noch vor dem Winter.

Laut Frontex sollen derzeit 500.000 (!) Menschen an der türkischen Westküste rund um Izmir auf die Überfahrt nach Griechenland warten. „Die Geschwindigkeit und Dynamik des Flüchtlingsstroms bleibt außergewöhnlich hoch“, sagt Frontex-Experte Leggeri.

Österreich: 21.000 neue Migranten am Wochenende
Zehntausende Familien mit Kindern haben bisher auch Österreich erreicht (siehe rechts). Allein am Wochenende kamen 21.000 Flüchtlinge an. 8.700 Menschen, darunter viele Kinder, mussten die Nacht auf Montag in Notunterkünften verbringen, Tausende schlafen noch in Zelten.

Ungarn: 18.000 Flüchtlinge in den letzten 72 Stunden
Der Ansturm wird sich in den nächsten Tagen fortsetzen: In den letzten drei Tagen erreichten 18.000 Migranten Ungarn, die fast alle nach Österreich wollen. Die Behörden rechnen deshalb mit täglich 6.000 neuen Flüchtlingen an den Hotspots Nickelsdorf, Heiligenkreuz (Bgld.) und Spielfeld (Stm.)

Österreich: Auf der Flucht mit Kindern

Diese Bilder berühren uns zutiefst: Seit dem Beginn der Flüchtlingskrise kamen Zehntausende Familien mit Kindern, oft sogar mit Babys, in Österreich an.

Eine der rührendsten Geschichten kommt aus Graz: Dort haben Mitarbeiter des Arbeitersamariterbunds einen sechs Wochen alten syrischen Buben betreut, der auf der Flucht zur Welt gekommen ist. Mittlerweile ist die Familie weitergereist, Einsatzleiter Wolfgang Krenn erinnert sich aber: „Der Bub war richtig lieb.“

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Erschöpft. Eine Flucht mit Kindern ist beschwerlich, das weiß Faisa (36) aus Syrien am besten: ÖSTERREICH traf sie in Nickelsdorf, wo sie mit ihren vier (!) Kindern (im Alter von zwei bis sechs Jahren) gestrandet ist. „Meine Kleinen sind erschöpft und schlecht gelaunt, sie können einfach nicht mehr.“ Die Familie hat gerade noch 12 Euro, sie müssen auf den Transfer mit Bussen warten. Warten muss auch Ibrahim (35), der seine Tochter Mirna im Arm hält: „Wir wollen nach Deutschland.“

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