Ein Pole, der im Sommer des Vorjahres in Wien auf eine Straßenbahn feuerte, stand jetzt wegen versuchten Mordes vor Gericht. Der spindeldürre Angeklagte mit der Körperhaltung eines Fragezeichens sprach von einer "depperten Aktion", für die er - nicht rechtskräftig - 10 Jahre Haft kassierte.
Wien. Mit von einem Gutachter berechneten 2,5 bis 3 P Promille im Blut hatte der mittlerweile 37-Jährige Anfang Juli von seinem Balkon aus mit einer Kleinkaliber-Langwaffe vorsätzlich einen Schuss auf eine Garnitur der Wiener Straßenbahnlinie 52 abgefeuert. Die Polizei fand den Verdächtigen, der die Waffe legal besessen hatte, in einem nahe gelegenen Kaffeehaus, von wo er den Wega-Einsatz amüsiert beobachtete.
Der 36-Jährige wurde zunächst aufgrund einer Festnahmeanordnung der Staatsanwaltschaft Wien wegen Mordversuchs mitgenommen und saß jetzt ein halbes Jahr in U-Haft. Dem Mann bisher nur wegen Suchtmittelmissbrauchs amtsbekannten, ansonsten aber unbescholtenen Mann drohten bis zu 20 Jahre bzw. lebenslängliche Haft, er kassierte 10. Zudem hatte die Staatsanwaltschaft zunächst aufgrund seiner Suchterkrankung und einer Persönlichkeitsstörung zusätzlich eine Einweisung in ein forensisch-therapeutisches Zentrum beantragt. Diese Maßnahme sei jedoch nicht mehr erfüllt, führte der psychiatrische Sachverständige, Siegfried Schranz, in seinem Gutachten aus. Der Mann sei seit einem halben Jahr in Behandlung und sein Zustandsbild habe sich deutlich verbessert.
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Vor der Polizei und U-Richter gab der Pole immer an, es habe sich nur um eine "depperte Aktion" gehandelt, er habe niemanden verletzen wollen. Das wiederholte er auch vor dem Richter: ""Ich war besoffen, es tut mir leid. Ich bereue es, ich wollte niemanden töten oder verletzen!" Der Angeklagte hatte Waffe rechtmäßig erworben und besessen. Am 4. Juli soll er in der Linzer Straße in Hütteldorf die mit 10 bis 15 Fahrgästen besetzte Straßenbahn-Garnitur ins Visier genommen und abgedrückt haben, nachdem er davor dreimal in die Luft geballert hatte. Das Sniper-Projektil auf die Bim durchschlug eine Glasscheibe und dürfte wohl nur dank glücklicher Fügungen keine Fahrgäste getroffen haben.
Es sei ein "Impuls" gewesen, sagte der Beschuldigte mehrfach. "Ich war blöd. Ich bereue es." Nachdem er sieben Jahre abstinent war, begann er 2024 wieder zu trinken und Cannabis zu konsumieren. Mehrfach holte er sich bei Suchtberatungen Hilfe, im Februar war er deshalb sogar stationär in einem Wiener Spital. Dennoch kaufte er sich im April 2025 das Kleinkalibergewehr, weil er sich seit geraumer Zeit von einem Bekannten, der angeblich zur polnischen Mafia gehört, bedroht gefühlt habe.