1. Foto vom Freigang

Hier geht Strasser 
zur Arbeit

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Trotz OGH-Urteil darf Ex-Minister jeden Tag aus dem Häfen und inszeniert dabei einen Thriller.

Dienstag, 7.38 Uhr früh, am Ostende Wiens. Ernst Strasser beginnt seinen zweiten Arbeitstag. Mit Jeans, blauem Schal und dunkler Daunenjacke verlässt Österreichs bekanntester Freigänger die Justiz­anstalt Wien-Simmering. Die Kappe tief ins Gesicht ­gezogen. Er will keine Aufmerksamkeit.

Äußerste Geheimhaltung auf dem Weg zur Arbeit
Es wird gerade erst hell, als der ehemalige ÖVP-Innenminister über das Pflaster eilt. Einen Stoß Akten unter den Arm geklemmt, steigt er in einen dunklen Kombi 
mit niederösterreichischem Kennzeichen. Eine blonde Frau am Steuer braust mit Strasser davon. Und der Minister fühlt sich offenbar verfolgt. Im zweiten Bezirk wechselt Strasser plötzlich das Auto, verschwindet in ­einem silbernen SUV Richtung City.

Freigänger Strasser auf dem Weg zur Arbeit

Strasser arbeitet jetzt für 
seine Lebensgefährtin
Eine James-Bond-Inszenierung für Arme. Offenbar soll niemand wissen, wo er arbeitet. ÖSTERREICH-Recherchen ergeben aber: Strassers Lebensgefährtin, die Partnervermittlung und Beratertätigkeiten anbietet, ist seine neue Chefin. Noch dementiert sie im Telefonat 
mit ÖSTERREICH („Ich gebe dazu keinen Kommentar ab. Dass er bei mir arbeitet, ist völliger Blödsinn“). An mehreren ihrer Bürostandorte in Wien öffnet derzeit niemand die Tür.

Neue Ufer
Acht Wochen hat Strasser bisher hinter Gittern verbracht, nachdem er im Oktober wegen Bestechlichkeit zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. Seit Montag ist er nun offiziell Freigänger. Er darf von Montag bis Freitag für je acht Stunden zum Arbeiten raus, schläft aber im Freigänger-Haus.

Er ist in guter Gesellschaft: Kärntens Ex-ÖVP-Chef Josef Martinz, ebenfalls Freigänger, spazierte zeitgleich mit Strasser aus dem Gefängnis.

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