Die Zahl der Morde hat sich in Wien 2025 beinahe halbiert. Auch bei Einbrüchen und Diebstählen erwartet die Polizei markante Rückgänge. Einziger Wermutstropfen bleibt der Anstieg bei Körperverletzungen, für den Landespolizeipräsident die Jugendkriminalität verantwortlich macht.
Die Kriminalstatistik für das Jahr 2025 liegt naturgemäß noch nicht vor, erste Trends aus internen Analysetools lassen den Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl aber einen leichten Rückgang der Strafanzeigen im letzten Halbjahresvergleich erwarten. Deutlicher dürfte das Minus in bestimmten Deliktbereichen liegen. "Zum Beispiel dürften wir beim Kfz-Einbruch einen Rückgang um 30 bis 40 Prozent haben, beim Kfz-Diebstahl um 20 Prozent. Der Wohnraumeinbruch blieb etwa gleich (gegenüber 2024; die Trends leiten die Kriminalisten aus Vergleichen der Halbjahre 2024 und 2025 ab, Anm.), leite ich von der Analyse her. Wobei man sagen muss, dass das Niveau im Vergleich zur Zeit vor 15, 20 Jahren viel niedriger ist. Da reden wir heute von einem Viertel bis einem Drittel jener Zahlen, die wir damals hatten. Dasselbe im Taschendiebstahl, wobei die Zahlen jetzt im Halbjahrestrend um 20 Prozent unter denen des Vorjahres liegen dürften."
Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl.
Deutlich weniger Morde
Erfreulich sei die niedrige Zahl der als Mord angezeigten Tötungsdelikte. "Da haben wir im Jahr 2025 14 Morde gehabt, im Jahr davor waren es 26", so Pürstl. "Natürlich ist aber jeder Mord einer zu viel." Ein 15. wäre das Tötungsdelikt an Jennifer S., das Anfang Dezember 2025 geklärt wurde. Allerdings lag die eigentliche Tat schon sieben Jahre zurück. "Wesentlich ist, glaube ich, bei den Morden immer das Thema Gewalt in der Privatsphäre, Gewalt im Familienbereich und dabei die Tötungen von Frauen." Auch dabei seien die Zahlen in Wien am unteren Ende der langjährigen Skala gelegen. Nach dem Maßstab der Polizei fielen drei Frauen typischen Gewalttaten im häuslichen Bereich zum Opfer, bei zwei Taten. Im Jahr 2000 seien etwa noch 15 Frauen bei Gewalttaten in der Familie getötet worden.
Zahlreiche Maßnahmen gegen Gewalt in der Privatsphäre
Pürstl wies auf die zahlreichen Maßnahmen hin, die gegen die Gewalt in der Privatsphäre in den vergangenen Jahren gesetzt wurden: unter anderem der Ausbau des Gewaltschutzgesetzes, die sich ändernde Einstellung der Gesellschaft - von "was beim Nachbarn passiert, geht mich nichts an" hin zu mehr Sensibilisierung und Zivilcourage -, Maßnahmen bei Interventionsstellen und Frauenhäusern und letztlich auch polizeiliche Mittel wie die Betretungs- und Annäherungsverbote, deren ständige Überprüfung und die zwingende Regel, dass der Gefährder binnen einer gewissen Zeit eine Beratungsstelle für Gewaltprävention aufsuchen muss. "Das hat einiges gebracht, und wir sehen, dass die Betretungs- und Annäherungsverbote in den letzten Jahren doch rückläufig sind. Wir haben vor drei, vier Jahren im Monat noch rund 360 Betretungs- und Annäherungsverbote aussprechen müssen. Jetzt sind es rund 330 pro Monat."
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Der Polizeipräsident sprach auch die internen Maßnahmen wie das Opferschutzzentrum und den "GIP (Gewalt in der Privatsphäre)-Support" an: Letzteres ist ein Journaldienst, der die Beamtinnen und Beamten bei ihren Amtshandlungen im Bezug auf Gewalt in der Privatsphäre unterstützen und gemeinsam mit ihnen eine Gefährdungsanalyse, gleich einer Risikoeinschätzung erstellt, nach der sich die Maßnahmen richten, die "draußen" gesetzt werden. "Da müssen wir unbedingt weiterarbeiten", betonte Pürstl.
Tendenz: mehr Körperverletzungen und Firmeneinbrüche
Steigerungen sind bei Körperverletzungen und beim Einbruch in Geschäfte und Firmen zu erwarten. "Das führe ich vor allem auf die Kinder- und Jugendkriminalität zurück", sagte Wiens höchster Polizeibeamter. Diese dürften zum Teil tatsächlich vom Auto- auf den Firmeneinbruch umgestiegen sein. Man habe im Bereich des Kfz-Einbruchs "viele Präventionsmaßnahmen" gesetzt. Viele der aufgebrochenen Fahrzeuge waren ja Taxis. "Dass wirklich kein Bargeld drinnen bleibt und nichts zu holen ist. Die Menschen werden auch durch die öffentliche Aufklärung vorsichtiger und lassen den Laptop und Wertgegenstände nicht mehr offen im Wagen liegen."
Zudem seien die Täter auch älter geworden: "Einige dieser Täter, die zwölf, 13 Jahre alt waren, sind mittlerweile 14 (und damit strafmündig, Anm.) geworden. Sind sie wieder straffällig geworden, wurden sie festgenommen und teilweise auch zu Haftstrafen verurteilt", erläuterte Pürstl. Das betreffe "Intensivtäter", die in den vergangenen beiden Jahren um die 1.400 Straftaten pro Kopf verübt hätten. "Ein bisschen Sorgenkind sind die Unmündigen natürlich nach wie vor", betonte der Polizeipräsident. Da könne man nur im Präventionsbereich mitmachen.