Künstliche Intelligenz beschäftigt nicht mehr nur Tech-Konzerne, sondern auch das Kirchenoberhaupt. Wien will hier weltweit Maßstäbe setzen – und fand im Vatikan überraschend viel Zuspruch für einen neuen Weg.
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und der Präsidenten der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Ruck, haben am Mittwoch im Rahmen der Generalaudienz im Vatikan Papst Leo XIV. getroffen. Nach der Audienz auf dem Petersplatz konnten Ludwig und Ruck den Papst persönlich begrüßen und sich mit ihm kurz austauschen. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen insbesondere die geopolitische Lage in Europa, die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit aber auch ethische Fragen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung.
"Bereits 2019 haben wir uns in Wien intensiv mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Gesellschaft beschäftigt. Unter dem Leitgedanken des Digitalen Humanismus verfolgen wir das Ziel, den Menschen wieder ins Zentrum technologischer Innovation zu stellen – und nicht umgekehrt. Hier gibt es viele gemeinsame Ansätze mit den Überlegungen des Papstes", erklärte Ludwig.
"Fortschritt nicht auf Kosten der Menschenwürde"
Wien verfüge mit seinen Universitäten, Forschungseinrichtungen, internationalen Organisationen und kirchlichen Institutionen über hervorragende Voraussetzungen, um eine führende Rolle bei ethischen Fragen rund um Digitalisierung und KI einzunehmen. "Technologischer Fortschritt darf niemals auf Kosten von Menschenwürde, sozialer Gerechtigkeit oder demokratischer Teilhabe gehen. Wien wird auch künftig daran arbeiten, Innovation und Verantwortung miteinander zu verbinden", so Ludwig.
Im Austausch mit Papst Leo XIV. wurde auch die Bedeutung des interreligiösen Dialogs für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Frieden thematisiert. Bürgermeister Ludwig verwies in diesem Zusammenhang auf den Wiener Religionsrat als europaweit beachtetes Modell für das respektvolle Miteinander der Religionsgemeinschaften in einer pluralistischen Stadtgesellschaft. Der Wiener Religionsrat leiste einen wichtigen Beitrag dazu, den Austausch zwischen Religionsgemeinschaften zu stärken und gemeinsame Verantwortung für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Solidarität und Frieden sichtbar zu machen.