Harte Worte vom Ryanair-Chef: Michael O'Leary sieht seine Airline voll auf Kurs, prophezeit der Konkurrenz wegen des Iran-Kriegs aber einen schweren Herbst und reihenweise Pleiten.
Der Geschäftsführer von Ryanair, Michael O'Leary, ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Diese Woche hat sich der 65-jährige Manager in einem Fernsehinterview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg gewohnt meinungsstark zu seiner eigenen Airline und dem Zustand der gesamten Flugbranche in Zeiten des Iran-Kriegs geäußert.
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Seine Prognose für die Konkurrenz fällt dabei extrem düster aus.
Schwere Pleitewelle im Herbst
Der irische CEO sieht vor allem dann schwarz, wenn die Krise im Nahen Osten nicht rasch gelöst wird. „Wenn der Konflikt bis im September anhält, werden einige der unseriösen Airlines Konkurs gehen“, prophezeit O'Leary im Interview. Er rechne zwar damit, dass die Straße von Hormus, die wichtige Meerenge im Nahen Osten, bald wieder öffne. Sollte diese aber bis im Herbst geschlossen bleiben, sieht er für die Mitbewerber am Himmel kein Land mehr. „Dann werden in ganz Europa Fluggesellschaften in die Knie gehen“, doppelt O'Leary nach. Vor allem der ungarische Konkurrent Wizzair – der auch für viele Reisende aus Österreich eine wichtige Rolle spielt – und die Swiss-Schwester Air Baltic seien extrem gefährdet. Aber auch für Easyjet sieht er schwarz: Die Airline werde dieses Jahr keinen Gewinn einfahren.
Treibstoff als entscheidender Nachteil
Der Grund für den Vorteil von Ryanair liegt in der geschickten Absicherung der Treibstoffpreise, dem sogenannten „Hedging“. Die irische Billigairline kann dadurch bis im März nächsten Jahres 80 Prozent des Treibstoffs zu einem festgelegten Preis einkaufen und ist gegen Schwankungen beim Ölpreis geschützt. Die Konkurrenz hat hier schlecht vorgesorgt. Wizzair hat bis Ende Jahr nur 55 Prozent abgesichert und ist dem instabilen Ölmarkt stark ausgesetzt. Noch schlimmer steht es um Air Baltic, wo lediglich 10 Prozent abgesichert sind. Die lettische Regierung half im April zwar bereits mit einem Notkredit von 27 Millionen Franken aus, das Darlehen muss aber bereits im August zurückgezahlt werden. Wie gefährlich das ist, zeigt ein Blick in die USA: Anfang Mai stellte die Billigairline Spirit nach 34 Jahren den Flugbetrieb ein – 15.000 Angestellte verloren ihren Job.
Kaum Spielraum bei Preisen
Die steigenden Kerosinkosten an die Passagiere weiterzugeben, ist für die Anbieter kaum möglich. Laut dem Aviatik-Experten und HSG-Dozenten Andreas Wittmer ist das ein riesiges Problem für Unternehmen wie Wizzair. „Preiserhöhungen widersprechen dem Geschäftsmodell der Billigairlines“, so der 52-jährige Experte. Da diese ihre Kunden primär mit Tiefpreisen anlocken, gibt es kaum Spielraum für teurere Tickets. Erhöhen die Airlines die Preise zu stark, bleiben die Fluggäste sofort weg. Genau dann droht die finanzielle Schieflage, vor der der Ryanair-Chef nun warnt.