Er soll Verbindungen zum montenegrinischen Kavač-Clan haben. Die Anklage wirft ihm schweren Raub in zwei Fällen sowie Drogenhandel vor.
Wien. Am Dienstag ist ein 57-jähriger mutmaßlicher Mafioso in Wien vor Gericht gestanden. Der Tatzeitraum reicht ins Jahr 2020 zurück. Der Angeklagte soll Dealern unter anderem Kokain entwendet haben. Der 57-Jährige sah darin allerdings keinen Raub, sondern einen "Betrug". Der Prozess fand unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt.
So war der Gerichtssaal von Polizisten abgesperrt. Besucher der öffentlichen Verhandlung wurden durchsucht und mit Metalldetektoren abgetastet. Der Angeklagte wurde bereits in Frankreich und Belgien zu Haftstrafen in der Höhe von insgesamt 15 Jahren verurteilt. Im Februar dieses Jahres wurde er in Wien im Zweifel freigesprochen. Ihm war vorgeworfen worden, an einer Entführung des Kavač-Clans mitgewirkt zu haben. Das konnte ihm aber nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. "Wir gehen davon aus, dass Sie zu der Partie gehören", stellte der Richter damals fest.
Bereits verurteilte Männer als Zeugen
Bereits verurteilte Bekannte des Angeklagten wurden heute als Zeugen per Video aus den Justizanstalten Simmering und Stein zugeschaltet. Große Erkenntnisse brachten deren Befragungen für Richter und Staatsanwalt allerdings nicht. Ein 41-jähriger Kroate stützte die Verteidigungslinie des Angeklagten: "So wie ich das weiß, war das kein Raub, sondern ein Betrug." Am 19. Juli 2020 hatte der Angeklagte einem Drogenkurier drei Kilo Kokain entwendet. "Genommen, aber nicht bezahlt", umschrieb der Zeuge den Sachverhalt.
Durch zahlreiche Chatverläufe ließ sich das Geschehen teilweise rekonstruieren. Einmal bat der Angeklagte einen weiteren Mann eindringlich um eine Waffe: "Ich habe eine Arbeit, für die ich eine Pistole brauche", schrieb er. Die Pistole soll "unbedingt" über ein größeres Kaliber als 6,35 verfügen, betonte er mehrmals. "Mit einem größeren Kaliber bringen Sie jemanden um, warum brauchen Sie so eine Waffe um Gottes Willen?", wollte der Staatsanwalt wissen. "Ich musste nicht mal meinen seligen Eltern Rechenschaft ablegen", kommentierte der Angeklagte und beließ es bei dieser Antwort. Die Verhandlung wird am Nachmittag fortgesetzt.