Die Bezirksvertretung Mariahilf hat am Donnerstag Maßnahmen gegen die Lage rund um die Gumpendorfer Straße beschlossen und richtet klare Forderungen an Stadtrat Hacker. Ein Sicherheitsdienst in der U6-Station und ein die Prüfung eines Alkoholverbots wurden eingefordert.
Wer bei der U6-Station Gumpendorfer Straße aussteigt, blickt dem Elend direkt ins Gesicht. Nur zwei Minuten dauert es, bis man die ersten Suchtkranken beobachten kann, die sich neben der Gürtel-Fahrbahn eine Nadel in den Arm jagen. Direkt vor dem U-Bahn-Eingang wechseln Pillen und Pulver in Sekundenschnelle die Besitzer. Die Situation rund um das Suchthilfezentrum Jedmayer ist für die Mariahilfer längst unerträglich geworden.
Die Berichte der Anrainer zeichnen ein düsteres Bild vom Alltag im Grätzel. Benutzte Spritzen auf Fensterbänken und offener Drogenhandel in den Stiegenhäusern gehören für viele Bewohner zur Tagesordnung. Viele Menschen meiden die U-Bahn-Station mittlerweile komplett und nehmen lieber weite Umwege in Kauf, um nicht durch die Menschentrauben vor dem Suchthilfezentrum zu müssen. Mit den steigenden Temperaturen verlagert sich die Szene immer stärker in den öffentlichen Raum und zieht weite Kreise bis nach Rudolfsheim-Fünfhaus.
Druck auf Stadtrat Hacker steigt
Doch nun kommt Bewegung in die verfahrene Lage. "Die Bezirksvertretung Mariahilf hat gestern ein klares Signal gesetzt: Es reicht, wir wollen endlich konkrete Verbesserungen im Jedmayer-Grätzel sehen“, erklärt ÖVP Bezirksparteiobmann Gerhard Hammerer. Mit Erfolg wurden mehrere Initiativen durchgesetzt, die nun die Stadtregierung unter Zugzwang setzen.
Besonders brisant sind zwei einstimmig beschlossene Anträge, die direkt an den zuständigen SPÖ-Gesundheitsstadtrat Peter Hacker gerichtet sind. Gefordert werden ein runder Tisch mit allen Fraktionen sowie ein Vor-Ort-Termin direkt im Brennpunkt-Grätzel. "Wir freuen uns auf das Gespräch mit SPÖ-Stadtrat Peter Hacker, weil wir damit die Möglichkeit haben, die Anliegen der Anrainerinnen und Anrainer direkt anzusprechen und den Handlungsdruck im Jedmayer-Grätzel unmissverständlich deutlich zu machen“, betont Hammerer.
ÖVP-Bezirksparteiobmann Gerhard Hammerer: "Jetzt ist die Stadtregierung am Zug."
Für die Volkspartei ist klar, dass Sucht- und Drogenkoordinator Ewald Lochner nun gemeinsam mit der Stadtregierung liefern muss. "Wir wollen nicht länger warten", stellt der ÖVP-Klubobmann unmissverständlich fest.
Mehrheitlich wurde ebenfalls die Prüfung eines Alkoholverbots rund um die Station Gumpendorfer Straße beschlossen. Auch das Ersuchen an die Wiener Linien, in der Station einen permanenten Sicherheitsdienst einzurichten, fand Zustimmung. Damit soll das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste und Anrainer endlich wieder gestärkt werden.
Bürgerversammlung im Haus der Begegnung fixiert
Ein kleiner Lichtblick für die geplagte Bevölkerung ist die Zusage der neuen SPÖ-Bezirksvorsteherin Julia Lessacher. Noch im Frühjahr 2026 soll eine große Anrainerversammlung im Haus der Begegnung stattfinden. Damit wird eine langjährige Forderung der Anrainerinnen und Anrainer sowie der ÖVP Mariahilf endlich umgesetzt. Laut Hammerer ist es höchste Zeit, dass die Menschen vor Ort eingebunden werden und ihre Erfahrungen direkt einbringen können.