Sargnagel

Nach Sex-Belästigung von Autorin

Nächste #MeToo-Welle rollt an

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Hohe Wellen schlägt derzeit das Posting von Stefanie Sargnagel, die in einem Zug bedrängt wurde. Dies löst eine neue Debatte aus.

 

Damit hätte selbst die Kult-Autorin und Satirikerin Stefanie Sargnagel, die dafür bekannt ist, sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen, nicht gerechnet: Nach einem Posting, in dem es um sexuelle Belästigung in einem ÖBB-Zug während einer Fahrt nach Graz geht (siehe unten), melden sich via Social Media Dutzende Frauen mit ähnlichen Erlebnissen zu Wort. „Mir ist es mindestens drei- oder viermal passiert“, heißt es etwa.

Es geht um die längst fällige Debatte zum Thema sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum. Eine neue #MeToo-Welle rollt an. Wie die Kommentare dokumentieren, sind vor allem junge Mädchen den Belästigungen ausgesetzt. Sie fühlen sich von ihren Peinigern in Öffis eingeschüchtert, bedrängt, trauen sich aber nicht zur Polizei.

Userin ist wütend: "Keine Sau hat reagiert"

Die Schilderungen der Opfer sind beklemmend: „Hab mitbekommen, wie sich in der U4 ein Typ ein paar Reihen weiter zu zwei Frauen gesetzt hat, dann den Zipp aufgemacht hat und sein Zumpfi betrachtete.“ Die Frauen haben geschockt aus dem Fenster gestarrt. Denn: „Keine Sau hat reagiert. Ich begann, laut zu schimpfen, er packte zamm und stieg aus“, schreibt die Userin Julia Z. Cornelia M. schreibt: „Ich war 12 oder 13. Der Typ in der Bim zog in der Bim seinen Sch ... raus und fragt mich, ob ich kosten will“ (siehe unten). Dutzende dieser Schilderungen gibt es im Netz bereits.

Polizei

Seit der Novellierung des Paragrafen 218 StGB (Sexuelle Belästigung und öffentliche geschlechtliche Handlungen) ist die Sensibilität gestiegen, weiß Polizeisprecherin Michaela Rossmann: „Frauen reagieren indem sie heimlich fotografieren oder filmen. Sie stellen das Material der Polizei zur Verfügung. Wichtig ist, derartige Vorfälle unverzüglich der Polizei zu melden.“Larissa Eckhardt

"Öffi-Wi***er" schlägt auf Facebook hohe Wellen

So beschreibt Autorin Stefanie Sargnagel, was ihr im Zug nach Graz passiert ist.

„Ok, also ich sitz im eher locker gefüllten Zug nach Graz und hab meine Reisetasche am Nachbarsitz, da setzt sich ein Mann neben mich und schon in der ersten Sekunde is mir das suspekt. Gibt es nicht eventuell noch leere Doppelsitze? [...] Er legt seine Jacke auf den Schoß. Bin ich paranoid oder warum muss man als Mann seine Jacke unbedingt aufgebauscht auf seinen Unterleib legen? [...]

Er atmet bissl schwer, aber na gut, er ist alt und vielleicht eilig zum Zug gegangen.

Meine Körpersprache wird jedenfalls automatisch irgendwie dominant, bereit zur Attacke, trotzdem noch zweifelnd an meiner Wahrnehmung, und ich setz die Kopfhörer auf und will ein Video anschaun. Ich spür was Kaltes meinen Schenkel streifen, schau runter und seh seine Hand viel zu weit an meiner Seite aus dem Jackengetürm hervorkriechen, daraufhin meint er gleich aufgeregt defensiv, als müsste er das ständig sagen, ohne dass ich überhaupt irgendwas geäußert hab: „ICH HAB GAR NICHTS GEMACHT!“ Ich so: „Was soll das?“ Er zieht die Jacke vom Schoß, um zu beweisen, dass sein Glied schlaff und gut verpackt ist. „Schau, gar nix!“ [...] Ich: „Setzen sie sich sofort weg!“ Er: „Ich hab gar nix gemacht.“ – Und springt auf und geht schnell weg durch den ganzen Zug.

Wäh oida.

Nach ein paar Sekunden denk ich mir, so einfach kommt der jetzt aber nicht davon, und gehe ihm laut schimpfend nach. [...] Ein Mann bietet mir Hilfe an und ich sag, ich will nur zum Schaffner. Der Schaffner is leiwand, sagt, ich soll weg von den Typen, und ruft die Polizei, die ihn in Wiener 
Neustadt abpasst. [...]“

Frauen klagen im Internet die Sex-Täter an

Dutzende Postings im Internet beweisen: Die Zahl der sexuellen Belästigungen in Öffis ist trauriger Alltag. Der Fall von Stefanie Sargnagel hat viele Frauen in einer Welle der Solidarität veranlasst, ihre Erlebnisse via Social Media zu schildern. Eine neue #MeToo-Bewegung.

Nächste #MeToo-Welle rollt an
© oe24

Opfer wird im Netz beschimpft

Stefanie Sargnagel erhielt viel Mitgefühl und Solidarität nach der Belästigungs-Attacke. Von einigen schlägt ihr jedoch offener Hass entgegen, der sich in untergriffigen Kommentaren in sogenannten sozialen Medien entlädt. So wird Sargnagel durch die massiven Anfeindungen ein zweites Mal zum Opfer.

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