Die ÖBB setzen verstärkt auf Technik und jagen Sprayer in und um Wien mit spezialisierten Kameratürmen. Diese Eigenentwicklung soll Vandalen abschrecken und die teuren Reinigungskosten senken. Trotz mehr Vorfällen fällt die Schadensbilanz der Bundesbahnen überraschend positiv aus.
Die Bundesbahnen blasen zum Halali auf illegale Sprayer. Besonders im Großraum Wien setzen die ÖBB seit 2023 auf eine Geheimwaffe aus eigener Entwicklung. Videotürme bewachen die Abstellgleise und neuralgischen Punkte in und um die Bundeshauptstadt. Diese mobilen Festungen sind mit Weitwinkelkameras und Lautsprechern bestückt, um ungebetene Gäste sofort zu vertreiben.
Wo genau die Türme in Wien stehen, bleibt ein gut gehütetes Betriebsgeheimnis. "Wir verraten nicht, wie viele Videotürme wir haben und wir sagen auch nicht, wo genau wir sie im Einsatz haben", sagte Thomas Kreiter, der Geschäftsführer der ÖBB-Operative Services gegenüber "Wien heute". Bekannt ist nur, dass bereits eine zweistellige Anzahl dieser Hightech-Wächter im Wiener Stadtgebiet und im Umland patrouilliert. Die Kameras speichern ihr Material für maximal 120 Stunden.
Mehr Fälle, aber Putz-Rechnung schrumpft
Die Strategie scheint aufzugehen, denn die Bilanz der ÖBB zeigt eine kuriose Entwicklung. Zwar stieg die Zahl der Vorfälle von 2.710 im Jahr 2024 auf zuletzt 2.859 Fälle an, doch der finanzielle Schaden halbierte sich fast. Mussten 2024 noch satte 4,5 Millionen Euro für die Reinigung ausgegeben werden, waren es im Vorjahr nur noch 2,2 Millionen Euro. Die Sprayer weichen offenbar auf kleinere Flächen aus.
Auffallend ist laut den ÖBB, dass die Graffitis immer öfter im unteren Bereich der Züge landen. Die Schmierereien finden sich verstärkt bei den Rädern und technischen Bauteilen. Warum die Szene plötzlich tiefstapelt, können sich die Verantwortlichen nicht genau erklären. Für die Reinigungstrupps ist das jedoch ein Segen, da die zu säubernde Gesamtfläche von über 52.000 Quadratmetern auf rund 37.700 Quadratmeter geschrumpft ist.
Videoüberwachung und Wildkameras bundesweit
Nicht nur in Wien wird aufgerüstet. Österreichweit setzen die Bundesbahnen auf einen Mix aus Technik und Personal. Neben den Videotürmen kommen auch Wildkameras zum Einsatz. Zudem durchforsten Spezialisten die Sozialen Medien nach Beweisfotos der Sprayer. Im Jahr 2024 konnten so 28 Täter überführt werden. Für 2025 rechnet man mit einer ähnlich hohen Erfolgsquote bei der Jagd nach den Sachbeschädigern.
Lebensgefährliche Risiken für Sprayer
Die ÖBB warnen eindringlich vor den Folgen der illegalen Malerei. Jede beschmierte Garnitur muss sofort aus dem Verkehr gezogen werden, was zu Zugausfällen und weniger Platz für die Pendler führt. Oft werden lebenswichtige Sicherheitshinweise übersprüht, was einen schnellen Einsatz der Putztrupps erzwingt. Noch gefährlicher ist das Hobby für die Sprayer selbst. Zwischen 15.000 Volt starken Oberleitungen und herannahenden Zügen herrscht für die Täter oft akute Lebensgefahr.