Grünes Licht

Baustart für Verbindungsbahn-Upgrade steht nach langem Streit fest

Das Ende der lästigen Bahnschranken in Hietzing rückt näher. Mit dem Baustart im September 2026 verschwindet die Verbindungsbahn auf eine Hochstrecke. Wegen der Bauarbeiten wird die S80 zeitweise eingestellt.

Lange wurde gestritten und verhandelt, doch jetzt herrscht im Westen endlich Gewissheit. Nach einem rund 1.300 Tage dauernden Rechtsmittelverfahren liegt die behördliche Genehmigung für die Attraktivierung der Verbindungsbahn vor. Die Bagger rollen im September 2026 an. Das Mega-Projekt soll den Nahverkehr verbessern und eine leistungsstarke Achse zwischen West und Ost schaffen.

Vorständin Judith Engel (ÖBB Infrastruktur) und Geschäftsführerin Karin Zipperer (Verkehrsverbund Ost-Region) bei der Pressekonferenz zur Attraktivierung der Verbindungsbahn. 

Vorständin Judith Engel (ÖBB Infrastruktur) und Geschäftsführerin Karin Zipperer (Verkehrsverbund Ost-Region) bei der Pressekonferenz zur Attraktivierung der Verbindungsbahn. 

© ÖBB / Andreas Scheiblecker

"Wir sind erleichtert und freuen uns, dass wir nun endlich starten können“, betont ÖBB-Infrastruktur-Vorständin Judith Engel. Das Projekt bringe für die Bahnkunden einen Viertelstundentakt auf der S80 sowie zwei völlig neue Haltestellen. Zudem profitieren die Anrainer laut Engel von modernem Lärmschutz entlang der gesamten Strecke und dem Wegfall mühsamer Wartezeiten an den Eisenbahnkreuzungen.

S80-Teilausfall und dichter Ersatzverkehr

Die umfangreichen Bauarbeiten haben direkte Auswirkungen auf den gewohnten Fahrplan. Pendler müssen sich ab dem 4. Juli auf Einschränkungen einstellen, da die S80 vorerst nur noch zwischen Aspern und dem Hauptbahnhof verkehrt. Ab dem 7. September wird die Strecke zumindest bis Meidling bedient. Um die Lücken im Westen zu schließen, wird ein intensiver Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

"Wir haben ein richtungsweisendes Ersatzangebot mit Bussen entwickelt, mit dem wir bereits heute die zukünftige Haltestelle Hietzinger Hauptstraße anbinden“, erklärt Karin Zipperer, Sprecherin der VOR-Geschäftsführung. Obwohl die Busse im Straßenverkehr länger brauchen als die Züge, profitieren die Fahrgäste von einer Verdoppelung der Frequenz. In den Stoßzeiten fahren die Ersatzbusse an Werktagen sogar alle 15 Minuten.

Freie Fahrt ohne Bahnschranken

Herzstück des Abschnitts Nord von Hütteldorf bis etwa Höhe Schrutkagasse ist die Neuerrichtung der Haltestelle Hietzinger Hauptstraße. Die Trasse befindet sich hier künftig in Hochlage, welche sich über 800 Meter von den Wientalbrücken bis etwa zur Beckgasse erstreckt. Hier verschwinden die Gleise von der Straße. Das hat enorme Vorteile für den Straßenverkehr, da die Eisenbahnkreuzungen in der Auhofstraße und der Hietzinger Hauptstraße ersatzlos gestrichen werden. Stattdessen entstehen offene und barrierefreie Unterführungen. 

Die Haltestelle Wien Speising wird modernisiert und Richtung Osten verlegt, um den barrierefreien Einstieg in die Züge zu ermöglichen, welcher in der derzeitigen Lage der Station in einem engen Gleisbogen nicht möglich ist.

Die Visualisierung zeigt die Haltestelle Speising. 

Die Visualisierung zeigt die Haltestelle Speising. 

© ÖBB / Feuchtenhofer

"Das Verbindungsbahn-Upgrade wird tausenden Wienern und Pendlern jeden Tag spürbare Zeit- und Komfortgewinne bringen“, unterstreicht Zipperer die Bedeutung der Maßnahme. Die neue Haltestelle Wien Hietzinger Hauptstraße soll voraussichtlich Ende 2029 in Betrieb gehen. Auch im 14. Bezirk werden die Durchfahrten der Zehetnergasse, Guldengasse und Hackinger Straße verbreitert, um mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten.

Vorbereitende Maßnahmen im Laufen

Bevor der eigentliche Hochbau startet, widmen sich die Experten dem Naturschutz. Bereits im Frühjahr wurde Bewuchs entfernt und nun werden streng geschützte Arten wie Reptilien und Schnecken auf eine spezielle Ersatzfläche im Bereich Wolf in der Au umgesiedelt. Diese Maßnahmen sichern den Fortbestand der lokalen Lebewesen trotz der großen Baustelle.

Gleichzeitig startet die ÖBB eine Informationsoffensive für die Anwohner. In der Speisinger Straße 3 öffnet ab Mitte September eine runderneuerte Infobox ihre Pforten. Dort können sich Interessierte über den genauen Bauablauf und die Auswirkungen auf das Grätzel informieren. Eine eigene Ombudsstelle steht zudem telefonisch für alle Anliegen der Bürger zur Verfügung. Bis der geplante Viertelstunden-Takt der S80 auf der gesamten Strecke Realität wird, dauert es allerdings noch. Aufgrund der Verzögerungen im Vorfeld wird dies voraussichtlich erst im Jahr 2036 der Fall sein.

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