16 Premieren

Volkstheater Wien: Die Highlights der neuen Saison

Auf "Spürst dich noch?" folgt "Nah, wie geht's?": In seiner zweiten Spielzeit am Wiener Volkstheater setzt Jan Philipp Gloger mit dem Wortspiel "Wie nah geht's?" auf Publikumsnähe. 

Die 16 geplanten Premieren spannen den Bogen zwischen politischen Stoffen und Komödien, in den Bezirken setzt man mit fünf Stücken auf Tuchfühlung mit lokalem Publikum. Zum Saisonstart inszeniert Hausregisseurin Rieke Süßkow Shakespeares "Macbeth", gefolgt von Gloger mit einem Jelinek-Abend.

Macbeth in der Gaming-Welt, Zeitreise mit Jelinek

Am Montagvormittag stellte Gloger das Programm für seine zweite Wiener Saison vor. Süßkow, die in der aktuellen Saison Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" inszeniert hat, widmet sich zum Auftakt am 10. September "Macbeth" und versetzt die Handlung "in die Gewaltspirale einer Gaming-Welt", wie es im Programmbuch heißt. Vier Texte, die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek zwischen 1988 und 2025 geschrieben hat, kombiniert Gloger zu einem Theaterabend unter dem Titel "Die Ankunft", wobei er eine Zeitreise "von den toxischen Ursprungsmythen völkischen Denkens über die Naziverbrechen in Rechnitz, den Terror des NSU bis zum Rechtsruck hierzulande" verspricht (Premiere am 26. September).

Historisch wird es auch, wenn das Kollektiv Nesterval das gesamte Theater 100 Jahre in die Vergangenheit schickt und sich in gewohnt immersiver Weise der Ereignisse im Jahr 1927 annimmt. Dabei gehe es "um nichts Geringeres als die Verteidigung der Demokratie", wie es heißt (8. April). Ein Bild von "kriechenden Krisen" zeichnete Hans Magnus Enzensberger in seiner Komödie "Der Untergang der Titanic", die der Hausherr am 12. Dezember zur Premiere bringt. Felicitas Brucker, die Glogers erster Saison mit "Caché" gleich zu Beginn ein Glanzstück beschert hat, kehrt mit "Hedda" nach Henrik Ibsen (mit Texten von Gerhild Steinbuch) ans Haus zurück und zeigt ein "Zerrbild von Rollenerwartungen und Abstiegsängsten unserer Zeit" (21. Jänner).

Patriarchinnen in der Menstruationshygiene-Branche

Ins Komödienfach fällt ab 12. Februar die Österreichische Erstaufführung von "Der Liebling" nach Svenja Viola Bungarten: Milena Mönch inszeniert den "wahnwitzigen Machtkampf zweier ziemlich patriarchalisierter Unternehmerinnen, die mit Menstruationshygiene-Artikeln Wirtschaftsimperien aufgebaut haben". Nach ihren Volkstheater-Erfolgen mit "humanistää!" und "Krankheit oder Moderne Frauen" unter Glogers Vorgänger Kay Voges kehrt die deutsche Regisseurin Claudia Bauer zurück ans Haus und bringt mit Daniil Charms' "Jelisaweta Bäm" ein Frühwerk des absurden Theaters auf die Bühne (18. März).

Den Abschluss am Haupthaus bildet schließlich im Mai die belgische Theaterkünstlerin Lies Pauwels, die in "What if I fall" gemeinsam mit Ensemblemitgliedern und Menschen mit psychischen Leiden die Lebenswelt von Menschen erkundet, "die in dieser Zeit der Verunsicherung und rasenden Veränderung" zu zerbrechen drohen.

Fünf Premieren in den Bezirken

Breit gefächert ist auch das Programm in den Bezirken. Den Auftakt bildet Mechthild Harnischmachers "Woyzeck"-Inszenierung (18. September), gefolgt vom Familienstück "Die kleine Hexe" nach Otfried Preußler (Regie: Danielle Strahm-Fend, Premiere: 27. September). Martina Gredler, die in der laufenden Saison "The Boys Are Kissing" am Haupthaus inszeniert hat, ist für die Österreichische Erstaufführung von Lauren Gundersons "Anthropologie" verantwortlich (13. November).

Eine Regiearbeit von Sarah Victoria Frick und Martin Vischer, die jüngst die Intendanz von Marie Rötzer am Landestheater NÖ erfolgreich beschlossen haben, steht mit Molières "Die Schule der Frauen" auf dem Bezirke-Spielplan (19. Februar). Und Arman T. Riahi inszeniert sein neues Stück "Eine schutzwürdige Person" gleich selbst (9. April). Nur zwei Premieren gibt es unterdessen in der Dunkelkammer: Barbara Weber bringt "Lamento" von Madame Nielsen am 22. Oktober zur Uraufführung, Süßkow zeigt das Ergebnis ihres Projekts "Das Wiener Volksohr" Ende April.

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