Die Debatte um die S-Bahn-Sperre in Wien spitzt sich weiter zu. Während der ÖAMTC längere Parkzeiten und eine Tagespauschale für Pendler fordert, kommt aus dem Rathaus deutlicher Gegenwind. SPÖ-Urgestein Omar Al-Rawi warnt vor falschen Signalen und verweist auf fehlende Parkplätze.
Der ÖAMTC will Pendler aus Niederösterreich während der 14-monatigen Sperre der S-Bahn-Stammstrecke entlasten. Konkret fordert der Mobilitätsclub eine befristete Ausnahme von der Höchstparkdauer in den Außenbezirken sowie günstigere Parkgebühren, etwa in Form einer Tagespauschale. So sollen Betroffene ihr Auto länger als zwei Stunden stehen lassen können, ohne im Minutentakt umparken zu müssen.
Verkehrsexperte Matthias Nagler argumentiert, viele Park & Ride-Anlagen am Stadtrand seien bereits stark ausgelastet. "Vielen Pendlern wäre bereits sehr geholfen, wenn sie ihr Fahrzeug auch länger als die erlaubten zwei Stunden in einem Außenbezirk stehen lassen könnten", so Nagler. Die Maßnahme soll bis Ende Oktober 2027 gelten. Gebührenpflicht und Beschränkungen in Geschäftsstraßen könnten aus Sicht des ÖAMTC bestehen bleiben.
"Wien kann Versäumnisse in Niederösterreich nicht kompensieren"
Im Rathaus regt sich Widerstand. Omar Al-Rawi, SPÖ-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des gemeinderätlichen Ausschusses für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke, verteidigt die geltenden Parkregelungen gegenüber oe24. "Wien hat aus gutem Grund 2022 das flächendeckende Parkpickerl eingeführt, um Platz zu schaffen für die Wienerinnen und Wiener." Besonders in den Außenbezirken habe sich die Situation dadurch spürbar verbessert.
Eine Sonderregel lehnt er klar ab. "Für die Autos aller Pendler, die bislang täglich mit der Schnellbahn nach Wien kommen, gibt es schlichtweg keinen Platz in der Stadt." Zusätzlicher Individualverkehr könne daher nicht die Antwort auf Baustellen im Öffi-Netz sein.
Stattdessen verweist Al-Rawi auf den gescheiterten Ausbau grenzüberschreitender Verbindungen. "Für die Linie 72 gab es fix und fertige Planungen der Wiener Linien, zugesagte 50 Prozent Förderungen vom Bund - einzig Niederösterreich hat sich quer gestellt." Die Verbindung von Schwechat bis Simmering hätte rechtzeitig zur Stammstreckensperre starten können. Wien könne Versäumnisse beim Öffi-Ausbau in Niederösterreich nicht kompensieren. "Eine Einladung an alle, mit dem Auto nach Wien zu kommen, kann nicht die Lösung sein und wäre das völlig falsche Signal."