Wiener IS-Kämpferin Camp Roi

Anwalt möchte sie zurückholen

Streit um IS-Braut, die mit Baby nach Wien will

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Eine österreichische IS-Kämpferin will zurück. Ihre Großmutter kontaktierte die Behörden.

Im Hintergrund – diskret gelenkt aus dem Außenministerium – laufen die Kontakte auf Hochtouren. Die Geschichte ist brisant: Ein Teenager, damals 16 Jahre alt (heute 20), reist von Wien nach ­Syrien, um sich dem IS anzuschließen. Sie wird von einem Kämpfer aus Afghanistan schwanger, bekommt vor eineinhalb Jahren einen Buben.

Mittlerweile ist die Terrormiliz in Syrien fast ausgelöscht. Das Mädchen ist im Vorjahr von kurdischen Milizen festgenommen worden. Seitdem sitzt sie mit ihrem Baby im Camp Roj. In solchen Lagern sind mehrere Hundert IS-Kämpfer und viele Tausend Angehörige inhaftiert.

IS-Frau droht wegen 
Terror lange Haftstrafe

„Ende des ­vorigen Jahres wandte sich die Mutter der jungen Wienerin an uns. Sie will das Baby und ihre Tochter zurückholen“, erzählt Ercan Nik Nafs, Kinderanwalt der Stadt Wien. Zunächst suchte die Frau über das Rote Kreuz Kontakt zu ihrer Tochter, jetzt übernahmen Diplomaten das Verhandeln. FP-Außenministerin ­Karin Kneissl zu ÖSTERREICH: „Mir konkret bekannt ist ein Konsulatfall, den wir prioritär behandeln.“

EU gemeinsam

„Der beste Weg, Europäer aus dem Gebiet zu holen, wäre eine gemeinsame Aktion einiger EU-Länder. Die Franzosen sind z. B. vor Ort auch militärisch vertreten“, sagt Nik Nafs.

Die junge Frau landet – falls sie es nach Österreich schafft – höchstwahrscheinlich vor Gericht – wegen Mitgliedschaft in einer Terror-Organisation. Es droht eine mehrjährige Haftstrafe.

© APA/AFP/POOL/LAURA LEAN
Shamina Begum

Interview: "Ich sah abgehackten Kopf im Mistkübel auf der Straße"

Al Hasakeh: Shamima Begum (19) lief von ihrem bürgerlichen Leben in London weg, um in Syrien die Frau eines IS-Kriegers zu werden. Sie bestätigt auch den Tod der österreichischen Teenagerin Samra K. Sie soll zu Tode geprügelt worden sein, weil sie vor den IS-Schergen fliehen wollte. Begum gab der Times ein Interview:

Frage: Wie war Ihr Leben in Syrien zu Beginn?

Shamima Begum: Es war eigentlich normal. Ab und zu gab es Bombenangriffe.

Frage: Aber was ist mit den vielen Exekutionen?

Begum: Auch das war normal. Mein Mann kam ­öfters heim und erzählte, dass er eine Tötung auf der Straße gesehen hat.

Frage: Und Sie?

Begum: Ich sah nur einen abgehackten Kopf im Mistkübel auf der Straße.

Frage: Was ist jetzt Ihr Wunsch?

Begum: Ich will zurück nach Großbritannien. Und ich will mein Baby behalten.

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