Erlebnisräume

"Wien 1900" im MAK als Gesamtkunstwerk erlebbar

Mit der Neuaufstellung seiner Schausäle zu Wien 1900 bietet das MAK atmosphärische Erlebnisräume zu diesem Sammlungsbereich, der zu den international bedeutendsten Beständen dieses berühmten Kapitels der Kunstgeschichte zählt.

 "Wien 1900": Die Neuaufstellung der Schausammlung im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK) soll in "atmosphärischen Erlebnisräumen" neue Sichtweisen auf dieses Kapitel der Kunstgeschichte gewähren. Das sagte Generaldirektorin Lilli Hollein am Dienstag. Das von Künstler Markus Schinwald entwickelte Konzept bricht mitunter mit der chronologischen Präsentation und ermöglicht so Perspektivenwechsel. Er sprach von einem "ergänzenden, nicht ersetzenden Blick" auf die Epoche.

Schinwalds Intention war es, in einer an Themen orientierten Narration neue Anknüpfungspunkte zu schaffen und Brücken zur Gegenwart zu schlagen. Anhand von Möbeln, Gläsern, Geschirr, Schmuck, Keramik oder etwa Türbeschlägen erschließt sich die Entwurfsgeschichte von der ersten Secessionsausstellung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, hieß es bei einem Pressetermin. Die mehr als 700 Objekte in der auf etwa zehn Jahre ausgelegten Dauerausstellung stehen dabei nicht für sich allein - "sie erhalten eine Bühne". Sprich: Es wird verdeutlicht, wie sie aufeinander abgestimmt waren.

© kunst-dokumentation.com/MAK

Ausgangspunkt der Schau ist die rekonstruierte Fassade von Josef Hoffmanns Österreich-Pavillon für die Pariser Weltausstellung 1925. Davon ausgehend erwarten Besucherinnen und Besucher 20 Hauptthemen. Die Ausstellungsarchitektur ist abwechslungsreich - von Vitrinen, Zimmern, Screens, Sitzplätzen zum Verweilen unter Lustern (mit Musikbegleitung) bis zu verschiebbaren Wänden mit Stoffmustern der Wiener Werkstätte und Hörstationen. Von klein bis monumental: Miniaturwelten aus Spitzendecken sind ebenso Teil wie die Neupräsentation von Gustav Klimts neunteiliger Werkzeichnung für die Ausführung des Mosaikfrieses im Brüsseler Palais Stoclet.

Veränderte Blickwinkel

"Blickwinkel haben sich verändert", beschrieb Hollein einen Grund für eine Neuaufstellung einer Schausammlung. So habe es sich das MAK u.a. zur Aufgabe gemacht, die Rolle der Frau deutlich herauszuarbeiten. In "Wien 1900. Alltag. Gesamtkunstwerk" ist z.B. ein von Margarete Schütte-Lihotzky für Caroline Neubacher 1925 gestalteter, möblierter Ruheraum zu besichtigen. "Das erste zumindest erhaltene von einer Frau für eine Frau entworfene Zimmer", erläuterte Schinwald. Vertiefende Informationen zu Themen wie "Die Lederproduktion der Wiener Werkstatt", aber auch kritische Auseinandersetzungen wie mit dem Antisemitismus in Wien um 1900 oder mit dem Fall Adolf Loos liefern Texte in Schubladen unter Vitrinen mit Gegenständen zum jeweiligen Komplex.

© kunst-dokumentation.com/MAK

Über die Schau verteilte Querverweise sollen die Stimmung des 20. Jahrhunderts vermitteln: die Begeisterung für Diorama, Stereoskopie, Lentikular-Technik und Kino. "Über die Ausstellung sind ein paar Effekte und Tricks verstreut, aber nicht von heute, sondern wie man sie damals schon kannte", betonte Schinwald.

Josef Hoffmann und Science-Fiction

Auf einer Videowall laufen mittels KI und Farbreferenzen kolorierte Schwarz-Weiß-Fotos diverser von namhaften Protagonisten der Epoche gestalteter Räume. Die Darstellungen mögen vielleicht nicht ganz der Realität entsprechen, "aber man kann die Raumidee verstehen und sehen, wie farbenreich sie waren", erklärte der Schinwald. Dem Künstler gelingt es in der Neuaufstellung, umgesetzt in engem Austausch mit den Sammlungsleiterinnen und -leitern des Hauses, nicht nur (dank Spiegeltrick) eine Parallele von Otto Wagners Schreibtisch zum modernen Großraumbüro zu ziehen. Er zeigt sogar Verbindungen von Josef Hoffmann zu Science-Fiction auf.

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