Gerichtsurteil

Wegen schweren Raubes und Freiheitsentziehung

Wiener Schulbrüder überfallen - Zwölf Jahre Haft für Kroaten

Am Wiener Landesgericht für Strafsachen ist am Montag ein 49-jähriger Mann wegen eines Überfalls auf die Schulbrüder in Wien-Floridsdorf kurz nach Weihnachten 2018 verurteilt worden.  

Ein Schöffensenat verhängte über den Kroaten wegen schweren Raubes, Freiheitsentziehung und schwerer Nötigung eine zwölfjährige Freiheitsstrafe. Das bestätigte der Sprecher des Landesgerichts, Christoph Zonsics-Kral, am Montagnachmittag der APA.

Das Urteil - die verhängte Strafe war bei einem Strafrahmen von fünf bis zu 15 Jahren im oberen Drittel angesiedelt - ist nicht rechtskräftig. Der 49-Jährige bat um Bedenkzeit, der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab. "Er war im Wesentlichen tatsachengeständig", erklärte Zonsics-Kral. Das habe der Schöffensenat dem Mann auch mildernd angerechnet. Erschwerend war demgegenüber eine Verurteilung des Landesgerichts Traunstein in Deutschland, wo der Kroate in den frühen 2000er-Jahren wegen einer Geiselnahme mit schwerem Raub und Körperverletzung sieben Jahre ausgefasst hatte.

Auf die Fährte des nach dem Überfall auf die Schulbrüder untergetauchten Mannes war man aufgrund einer Wasserflasche gekommen, die er am Tatort zurückgelassen hatte. Darauf fand sich eine DNA-Spur, die ihm zugeordnet werden konnte - in Folge der Straftat in Deutschland waren seine genetischen Merkmale in der europäischen DNA-Datenbank eingespeichert. Am 11. Mai wurde der Kroate in seiner Heimat von Zielfahndern des heimischen Bundeskriminalamts festgenommen und Anfang Juni an die Wiener Justiz ausgeliefert.

Nach seiner Festnahme erklärte er zum Motiv, aus Hass auf die katholische Kirche gehandelt zu haben. Er habe einen angeblichen Missbrauchskandal bei den Schulbrüder aufdecken wollen, der vor etlichen Jahren für Schlagzeilen gesorgt hatte. Aus diesem Grund reiste er nach Österreich und kundschaftete die Örtlichkeiten in Floridsdorf aus. Einen persönlichen Bezug zu den Wiener Schulbrüdern hatte der Mann nicht.

Nach dem Überfall, bei dem er eine Faustfeuerwaffe, Bargeld, ein iPad, eine Fotokamera und Festplatten geraubt hatte, verschanzte er sich 300 Meter vom Tatort entfernt in einem Waldstück nahe dem Sportplatz, der noch zum Gelände der Schulbrüder gehört. Dort verharrte er einige Stunden versteckt im Gebüsch. Dann vergrub er dort die Waffe, eine SIG Sauer P226 mit sechs Patronen im Magazin, und trat die Flucht Richtung Innenstadt an. Nach einigen Tagen kehrte er wieder zurück in seine Heimat.

Der Überfall in die katholische Kirche Maria Immaculata in Strebersdorf sowie ins angrenzende Gebäude der von den Geistlichen betriebenen De La Salle-Schule sorgte damals für Aufregung. Die Geistlichen wurden brutal durch Schläge - u.a. mit einer Eisenstange - und Tritte zu Boden gebracht. Weitere Misshandlungen seien in einem nahe gelegenen Büroraum gesetzt worden. Alle Opfer wurden gefesselt und geknebelt. Fünf Schulbrüder sind schwer verletzt worden, einer der Kirchenmänner befand sich sogar einige Monate in Lebensgefahr. Erst nach rund vier Stunden konnte einer der Überfallenen seine Fesseln abstreifen und Hilfe holen.

Jahrelang fehlte vom Täter jede Spur. Auch eine Belohnung von 30.000 Euro, die Veröffentlichung eines Phantombildes und ein Fahndungsaufruf in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" brachten zunächst keinen entscheidenden Hinweis.
 



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