Tigermücken werden laut europaweiter Studie resistent gegen wirksame Pyrethroid-Insektizide.
Wien/Rom/Lissabon. In den vergangenen Jahren wurde die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) immer häufiger in Europa entdeckt. Die Überträger zahlreicher Virusinfektionen haben mittlerweile aber auch ein für ihre Bekämpfung ausgesprochen unangenehmes Merkmal entwickelt. Sie werden resistent gegen wirksame Pyrethroid-Insektizide, wie jetzt eine europaweite Studie belegt hat.
"Mit der weltweiten Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) steigt die Zahl autochthoner (nicht eingeschleppter; Anm.) Fälle exotischer Arbovirus-Erkrankungen wie Denguefieber oder Chikungunya in gemäßigten Klimazonen", schrieben Verena Pichler von der Sapienza Universität in Rom und ihre Co-Autoren, unter ihnen Jeremy Bouyer vom Labor für Insektenschädlingsbekämpfung der FAO und der IAEO in Wien, in "Parasites and Vectors" (doi: 10.1186/s13071-025-07130-1).
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Tigermücken seit Jahren in Österreich
Auch Gelbfieber- und West-Nil-Fieber-Erreger werden durch Aedes albopictus-Stiche weiter verbreitet, diskutiert wird das zudem für das Zika-Virus. Bereits im Jahre 2022 war das Vorkommen der Asiatischen Tigermücke in 23 Bezirken in Österreich registriert worden. 2024 waren es dann schon 29 Bezirke. Ein besonders betroffenes Gebiet dürfte der Großraum Graz sein, und auch in Wien und Linz und in den entsprechenden Regionen überwintern die Insekten, was die Etablierung einer Population belegt.
Aus Italien wurden bereits in den Jahren 2007 und 2017 zwei Chikungunya-Ausbrüche mit rund 700 Erkrankten gemeldet. Auch das Dengue-Virus verbreitet sich im Mittelmeerraum, offenbar durch Aedes albopictus als Vektor, immer weiter (mehr als 300 lokal erworbene Fälle in Italien, Frankreich und Spanien im Jahr 2024).
Beseitigung von Brutstätten
Die Bekämpfung konzentriert sich auf die Beseitigung von Brutstätten und speziell der Larven. Doch um das Aufkommen der Stechmücken zu dämpfen, muss bei Bedarf auch zu Insektiziden gegriffen werden. Die Wissenschafter schreiben: "In Europa sind Pyrethroide die einzigen zur Bekämpfung adulter Stechmücken zugelassenen Insektizide und daher entscheidend für die Eindämmung der Arbovirus-Übertragung."
Dabei handelt es sich um synthetische Substanzen, die ursprünglich aus Inhaltsstoffen von Chrysanthemen abgeleitet wurden. Sie finden auch Verwendung als Repellentien. In Form von Insektiziden blockieren sie das Nervensystem der Insekten, was zu deren Absterben führt.
Resistenzen aus dem Fernen Osten
Doch aus dem Fernen Osten wurden längst Resistenzen gegen die Pyrethroide gemeldet. Sie gehen auf Mutationen im Erbgut der Stechmücken zurück, wodurch die Wirkung der Insektizide an Natriumkanälen ihrer Zellen blockiert wird. Solche Knockdown-Resistenz-Mutationen (kdr) sind zum Beispiel I1532T und F1534C. Die Wissenschafter testeten daher gefangene Tigermücken im ganzen europäischen Raum, von Portugal im äußersten Westen bis in Georgien am Schwarzen Meer.
Für die Untersuchung wurden "Feldproben von Eiern, Larven und adulten Exemplaren von Aedes albopictus zwischen August 2015 und Oktober 2022 in 54 Gemeinden in 19 europäischen Ländern und Regionen (Abchasien, Albanien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Frankreich, Georgien, Griechenland, Italien, Malta, Montenegro, Portugal, Rumänien, Russland, Serbien, Slowenien, Spanien, Schweiz und Türkei) gesammelt. Die Genomuntersuchung erfolgte dann in Lissabon und in Rom.
Die Ergebnisse sprechen - noch - für ein relativ seltenes Vorkommen von Pyrethroid-resistenten Tigermücken in Europa. Allerdings gibt es dafür echte Hotspots. Die Wissenschafter berichteten: "Das kdr-Merkmal 1534C wurde an neun Standorten in sechs Ländern (Albanien, Zypern, Georgien, Griechenland, Rumänien und Spanien) mit Häufigkeiten zwischen 1,5 Prozent und 84 Prozent gefunden." Am häufigsten waren problematische Mutationen in Zypern und in Griechenland. Aus den Insekten-Fängen in Limassol wurde kein nicht mutiertes Genmaterial mehr identifiziert. "In Griechenland wurde die 1534C-Mutation an drei von vier Probestellen mit Häufigkeiten von zehn Prozent (Kavala), 12,5 Prozent (Chania) und 45 Prozent (Athen) nachgewiesen (...)."
Problem noch wenig bekannt
Auch das zweite Pyrethroid-Resistenzgen, nach dem gesucht wurde, fand sich in Europa bei den Aedes albopictus-Exemplaren. Die Autoren: "Insgesamt trugen 26 Proben von elf Standorten in sieben Ländern (Albanien, Frankreich, Griechenland, Italien, Rumänien, Spanien und Türkei) das Merkmal 1532T (...)." An zwei Standorten (Griechenland: Athen; Albanien: Durres) wurden beide Mutationen (F1534C und I1532T) nachgewiesen. Schließlich gab es auch Fälle, in denen das Resistenzgen 1016G festgestellt wurde.
"Obwohl die Ausbreitung der Pyrethroid-Resistenz unsere Fähigkeit bedroht, die Übertragung exotischer Arboviren durch Aedes albopictus schnell und effektiv zu unterbrechen, ist über das Ausmaß dieses Problems in Europa wenig bekannt", fassten die Wissenschafter ihre Ergebnisse zusammen. Zwar schienen die gesuchten Knockdown-Mutationen, welche die Resistenzen vermitteln, noch selten zu sein (im Gesamtdurchschnitt rund fünf Prozent). Es gebe aber bereits Hotspots in Europa.