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Elsners Tochter

"Habe Angst um meinen Vater"

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Die Tochter des inhaftierten Helmut Elsner bricht ihr Schweigen und erzählt im Interview mit ÖSTERREICH über ihre Sorge über ihren Vater.

ÖSTERREICH: Frau Kinsky, Ihr Vater wurde aufgrund eines Fotos in U-Haft genommen. Ist der Mann auf dem Foto nun tatsächlich Ihr Vater?
Marie-Therese Kinsky: Nein. Die Verhaftung basiert auf einer Lüge. Mein Vater hat seit seiner Herzattacke am 21. August kein Auto mehr gelenkt. Er hat auch das Haus nicht verlassen. Außer, wenn ihn seine Frau Ruth zum Arzt gefahren hat.

ÖSTERREICH: Apropos Wagen. Besitz Ihr Vater einen silber-blauen Porsche?
Kinsky: Mein Vater hat einen schwarzen Porsche und einen schwarzen Mercedes. Auf dem Foto von News trägt der Mann in dem silbernen Porsche optische Brillen. Mein Vater hat sich heuer im Februar einer Laseroperation unterzogen und trägt wenn überhaupt nur mehr Sonnenbrillen.

ÖSTERREICH: Sie waren am 11. September den ganzen Tag bei Ihrem Vater. Wie war der Tagesablauf?
Kinsky: Mein Vater, seine Frau Ruth, die Haushälterin Maria, meine Tochter Camilla und ich haben am Vormittag zusammen gefrühstückt. Dann hat Papi meiner Tochter aus einem Kinderbuch vorgelesen. Er musste sich jedoch wieder hinlegen, da er sehr erschöpft war. Er hat sich so auf unseren Besuch gefreut. Vor allem die Enkelkinder sind ihm so ans Herz gewachsen. Ich musste mich dann so um 16 Uhr von ihm verabschieden. Ruth brachte mich und Camilla zum Flughafen. Den ganzen Tag bis 16 Uhr hat von uns niemand, vor allem aber nicht mein Vater, das haus verlassen.

ÖSTERREICH: Aber es gibt noch ein anders Foto vom besagten Tag, auf dem ihr Vater neben seinem schwarzen Porsche steht. Wo und um wie viel Uhr wurde das aufgenommen?
Kinsky: Das Foto stammt auch vom 11. September. Allerdings ist es nicht vor einem Schicki-Micki-Lokal aufgenommen, sondern das Haus dahinter ist die Herzklinik Tzanck. Mein Vater hält ein Sackerl mit seinen Medikamenten in der Hand. Da seine Blutwerte äußerst schlecht sind, musste er nochmals zur Blutabnahme für eine geplante Operation. Ich versteh überhaupt nicht, wie sich jetzt Politiker aller Couleurs darüber freuen können, dass ein schwerstkranker Mann jetzt inhaftiert worden ist. Meinem Vater geht es tatsächlich äußerst schlecht. Ich mache mir größte Sorgen um seine Gesundheit.

ÖSTERREICH: Wie schlecht geht es ihm? Woran laboriert Ihr Vater?
Kinsky: Josef Taus hat meinen Vater am 12. September noch auf dem Weg zum Flughafen zu Hause besucht und war über den Gesundheitszustand meines Vaters schockiert. Mein Vater hat sich indes sehr über diesen Besuch gefreut, obwohl Taus aufgrund des schlechten Zustand meines Vater nach 15 Minuten wieder abreisen musste. Das alles hatte am 21. August angefangen. Mein Vater erlitt am Morgen im Bad eine schlimme Herzattacke und schrie vor Schmerzen auf. Ruth war gerade in der Küche und eilte ihm zur Hilfe. Da lag er bereits am Boden und rang um Luft. Papi wurde daraufhin in die Clinique Tzanck bei Nizza in die Reanimationsabteilung der Intensivstation eingeliefert. Ihm musste ein Herzkatheter gelegt werden, obwohl er sich dagegen wehrte, da er jemanden kannte, der an dieser Prozedur gestorben ist. Als ich von seinem Anfall erfuhr, bin ich am 23. August zu ihm geflogen. Auch meine Tante, seine 87-jährige Schwester, flog zu ihm.

ÖSTERREICH: Wie haben Sie Ihren Vater nach seiner schweren Herzattacke vom 21. August erlebt?
Kinsky: Es war entsetzlich. Ich habe meinen Vater noch nie in einem Spital besuchen müssen, geschweige, dass ich ihn überhaupt einmal krank gesehen habe. Er war immer vital und voller Kraft. Am 23. August hatte er nach meiner Ankunft das Spital bereits verlassen und lag zu Hause. Als ich an sein Krankenbett trat, erkannte ich ihn nicht mehr. Mein Vater war apathisch und deprimiert. Er konnte teilweise gar nicht mehr spreche und war von panische Angst getrieben.

ÖSTERREICH: Wovor hatte er solche Angst?
Kinsky: Vor Schmerzen. Vor allem vor den Schmerzen in der Brust. Die Herzattacke musste ihm unheimliches Leid bereitet haben. Davor fürchtete er sich am meisten. Die Tage darauf haben Ruth, meine Tante Elli und ich immer wieder versucht ihn aufzumuntern. Ruth und ich sind mit ihm zumindest einmal am Tag um den Esstisch und durch den Garten gegangen, damit der Kreislauf wieder in Schwung kommt. Er bekam von den Ärzten enorm viele Medikamente, darunter auch Antidepressiva.

ÖSTERREICH: Nun wird ihrem Vater aber unterstellt, dass er anstatt vor der Wiener Staatsanwaltschaft auszusagen, lieber mit seinem Hund gassi geht. War ihr Vater nach seiner Attacke jemals spazieren?
Kinsky: Nein. Er ist nie mit Monti (Anm. d. Red.: der schwarze Labrador von Helmut Elsner) gassi gegangen. Während meines Aufenthaltes vom 23. bis 28. August und vom 8. bis 11. September wechselten Ruth und ich uns beim Gassigehen ab. Ansonsten führte ausschließlich Ruth Monti aus. Mein Vater war in den vergangen Wochen die meiste Zeit zu Hause. Die viel zitierte Villa hat im Übrigen nur 150 Quadratmeter Wohnfläche. Er war die meiste Zeit in seinem Bett, oder hat sich im Wohnzimmer auf die Couch gelegt, um zu lesen. Ab und an setzte er sich ins Freie auf die Terrasse.

ÖSTERREICH: Als Sie ihren Vater am 8. September wieder gesehen haben, ging es ihm da schon besser?
Kinsky: Mein Vater ist ein starker Mann. Er lamentiert nicht und ist immer für die anderen da. Er hat sich sehr auf unseren Besuch gefreut, vor allem dass Camilla dabei war. Mein Vater hat zehn Kilo abgenommen und sein Gesicht war eingefallen. Ich wusste sofort, dass es ihm nicht besser geht. Aber als er meinen besorgten Gesichtsausdruck sah, versuchte er mich aufzumuntern und sagte: ,Mein Herz wird schon wieder!’ So ist Papi, selbst wenn es ihm schlecht geht, denkt er immer zuerst an die Familie. Er ist kein schlechter Mensch. Er ist ein warmherziger und führsorglicher Mann.

ÖSTERREICH: So wird Ihr Vater in der Öffentlichkeit allerdings nicht wahrgenommen. Es heißt, Ihr Vater sei ein herrischer Machtmensch. Stimmt das?
Kinsky: Mein Vater ist ein energischer Mensch, dass sind wir alle in der Familie. Aber er ist immer für uns und für seine Mitarbeiter da gewesen. Nur traut sich das jetzt keiner mehr zu sagen. Alle hacken auf ihn hin. Mein Vater wird in der Öffentlichkeit als Schwerverbrecher verurteilt, obwohl es noch nicht einmal einem Prozess gekommen ist. Es gibt doch eine Unschuldsvermutung, oder nicht?

ÖSTERREICH: Es heißt Ihr Vater habe mit anderen 1,6 Milliarden Euro der Bawag in den Sand gesetzt. Da ist es doch nur verständlich, dass man in Österreich wissen will, wohin das Geld geflossen ist, oder?
Kinsky: Mein Vater hat fast 50 Jahre für die Bawag gearbeitet. Ich wuchs mit der Bawag auf und ich weiß, wie sehr er seine Arbeit dort geliebt hat. Für ihn war die Bank – neben seiner Familie - der Mittelpunkt in seinem Leben. Selbst, wenn in der Nacht Mitarbeiter mit ihren Problemen angerufen haben, hat er für sie immer ein offenes Ohr gehabt. Und heute ist er plötzlich ein gefundenes Fressen.

ÖSTERREICH: Ein gefundenes Fressen für wen?
Kinsky: Ich bin davon überzeugt, dass mein Vater ein politisches Opfer ist. Er zog sich die Neidgenossenschaft zu, weil er sich einen treuren Lebensstil leisten konnte. Dafür hat er aber äußerst hart gearbeitet. Als die Bawag-Affäre publik wurde, ging es meinem Vater nicht um sich selbst – wie viele geätzt haben, sondern er war besorgt, wie es den Familien der Verdächtigen geht. Wie die Ehefrauen und die Kinder mit dieser Sache überhaupt fertig werden.

ÖSTERREICH: Und wie werden Sie damit fertig?
Kinsky: Ich bin vor allem für meinen Vater da. Ich habe seit seiner Verhaftung nicht einmal mit ihm telefonieren dürfen und weiß nicht wie es ihm geht. Ich habe schreckliche Angst, dass er die U-Haft nicht überlebt. Nicht einmal seine Ehefrau durfte ihn bis dato sehen. Sie durfte ihm kein Wechselgewand bringen. Sie durfte ihm nicht einmal Fotos von den Kindern und von mir hinterlegen. Das ist doch unmenschlich. Er wird behandelt wie ein Serienmörder. Kommende Woche werde ich zu ihm fliegen und versuchen zu ihn zugelangen, damit ich mir selbst ein Bild zu machen kann. Ich hoffe, dass er sich bis dahin nichts antut.

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