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Zum TV-Auftritt

"Natascha macht keinen glücklichen Eindruck"

Marketing-Expertin Karin Cvratila und Psychotherapeutin Rotraud Perner über Nataschas Auftritt in der Öffentlichkeit.

Am Montagabend zeigte der ORF ein Jahr nach der Flucht das zweite Interview mit Natascha Kampusch, die nach achteinhalb Jahren Gefangenschaft ihrem Entführer Wolfgang Priklopil entkommen konnte.

Natascha "bisschen bedrückt"
"Sehr ehrlich und authentisch kommt sie rüber", beurteilte Karin Cvratila von der Marketing-Gesellschaft OGM den Auftritt der 19-Jährigen im Fernsehen. "Einen glücklichen Eindruck machte sie nicht." Trotz all der Aktivitäten wirke sie ein "bisschen bedrückt".

Hier: Das gesamte Gespräch im Wortlaut

"Sicherer, ernster, reifer"
Natascha Kampusch sei "sicherer" als ein vor einem Jahr und auch als Gleichaltrige - aber ernster und reifer, analysierte Cvratila . "Man sieht kaum ein Lächeln." Der Grund für den souveränen Auftritt sei mittlerweile sicher auch die Gewohnheit im Umgang mit Medien.

Hilfeschrei von Natascha
Grundsätzlich sehe sie das Auftreten der jungen Frau im Fernsehen allerdings "mit gemischten Gefühlen", betonte Cvratila. Einerseits gebe es die "Neugier der Öffentlichkeit" andererseits auch "Mitleid und Verständnis, dass sie beginnen sollte, ein normales Leben zu führen". Das Interview sei für sie "auch ein bisschen ein Hilfeschrei: Lasst mich doch alle in Ruhe". Natascha Kampusch sei einfach noch "nicht klar, wo ihre Rolle ist und wie sie in der Öffentlichkeit stehen will." Das Interesse an der Geschichte und dem Leben der jungen Frau sei natürlich weiterhin sehr hoch.

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"Nicht-wahr-haben-wollen", Depressionen und Aggressionshemmung seien typische Teile der Verarbeitung psychisch traumatischer Erlebnisse, wie sie die junge Frau erlebt hat. Die Psychotherapeutin: "Die Phase der 'Depression' kann auch lange dauern. Frau Kampusch ist aber jetzt in Betreuung. Sie scheint noch zwischen den verschiedenen Phasen der Aufarbeitung solcher Erlebnisse zu schwanken."

Heilungsprozess durch Medien behindert
Am besten würde es für solche Personen sein, wenn sie nicht ständig von Medien etc. verfolgt würden. Rotraud Perner: "Der Heilungsprozess, den man sonst als Person mit Freunden oder Verwandten in seiner Umgebung 'privat' durchläuft, wird hier durch Medien und durch die Öffentlichkeit behindert.

Natascha aggressionsgehemmt
Ich glaube, dass Frau Kampusch dann sehr gut weiterkommen wird, wenn sie ihre Berufsausbildung absolviert hat bzw. einen Beruf ausübt. Dann kann sie andere Dinge aus ihrem Inneren außen weitergeben. Derzeit scheint sie mir aggressionsgehemmt. Aggression gehört aber zur Aufarbeitung des Geschehens." Derzeit sei die junge Frau sehr kooperativ, sie versuche, niemanden zu enttäuschen.

Die Trauerarbeit dauert noch an
Rotraud Perner: "Sie ist mit der Trauerarbeit noch nicht fertig. Die Leute sollten mehr Geduld haben. So wie man bei jemandem mit einem Gips nach einem Knochenbruch auch nicht ständig schaut, was sich unter dem Verband tut."

Dass die Öffentlichkeit allerdings an solchen extremen Lebenserfahrungen ein besonderes Interesse habe, sei auch erklärlich, meinte die Psychotherapeutin: "Hinter dieser oberflächlichen Sensationslust steckt oft die Angst, selbst in solche Krisensituationen zu geraten."

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