Strache macht Schluss - und die Partei mit ihm

Jetzt plant er Buch, Film & eigene Firma

Strache macht Schluss - und die Partei mit ihm

Strache steigt aus. Die große Abrechnung mit der FPÖ blieb aber aus: „Jedes Ende ist auch ein neuer Anfang“, sagt er.

Seinem Rauswurf kam er nur wenige Stunden zuvor. Am Abend wurde das Kapitel Heinz Christian Strache in der FPÖ vorerst geschlossen. Parteichef Norbert Hofer gab nach sieben Stunden Gremiensitzungen süffisant bekannt, dass er „dem Wunsch“ seines Vorgängers „nach Ruhend­stellung nachkommen“ wolle. Heinz-Christian Strache wurde suspendiert.

Strache hatte am Vormittag seinen Abgang im Vino zelebriert, einer schicken Weinbar beim Wiener Rathaus. Knallvoll, ein Dutzend Kameras, die Journalisten drängen sich. Auch die Strache-Jäger sind da: Florian Klenk, Falter-Chef, und Armin Wolf, ZiB-Anchor.

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Strache negiert sie

Nach außen wirkt der Ex-FPÖ-Chef fast befreit. Er setzt sich, liest seinen Text ab. Es ist kein Gegenschlag oder Racheakt gegen „seine Freiheitlichen“. Strache ist defensiv. Nett. Zumindest öffentlich kein hartes Wort gegen seine FPÖ-Feinde wie Kickl & Co.

Sieben Minuten dauert sein Vortrag. Mit keiner Silbe erwähnt er jene, die zuletzt offen mit seinem Rauswurf aus der FPÖ gedroht haben. Sein politisches Leben ist (vorerst) vorbei. Er sagt: „Jedes Ende ist auch ein neuer Anfang. Alles im Leben hat einen Sinn. Manchmal braucht man halt länger, bis man diesen auch erkennt.“

Neustart

Fragen lässt er keine zu. Er zieht er sich in einen Nebenraum zurück, Freunde warten. Zuerst raucht er hastig eine. Im kleinen Kreis schildert er, so Insider, was nun in seinem Leben in den nächsten Wochen passieren wird:

■ Gründung einer Firma.

■ Fertigstellung eines Filmes, den Schauspieler und Regisseur Gabriel Barylli über ihn gedreht hat. Im November ist dieser fertig.

■ Finalisieren eines Buches über die Ibiza-Affäre.

Feinde. Mehrmals habe Strache im Gespräch danach durchklingen lassen, wer seinen FP-internen Hauptfeinde sind: „Jene, die unbedingt Parteichef werden wollen“, soll Strache geantwortet und damit Herbert Kickl gemeint haben.

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Strache über FPÖ-Spitze: "Bin natürlich enttäuscht"

Die stärksten Aussagen Straches bei seinem Rückzug.

  • Über seinen Abgang: „Mir geht es darum, eine Zerreißprobe und Spaltung der FPÖ um jeden Preis zu verhindern. Deshalb stelle ich meine Parteimitgliedschaft ruhend und werde mich völlig aus der Politik zurückziehen. Ich werde jegliche politische Aktivität einstellen und strebe keine politische Funktion mehr an.“
  • Über Hofer, Kickl & Co.: „Ich habe das Gespräch mit der Parteispitze gesucht, aber das hat nicht stattgefunden. Darüber bin ich natürlich ein bisschen enttäuscht.“
  • Über seine Fehler: „Fehler sind zutiefst menschlich. Die Vorwürfe gegen mich sind aber alle falsch. Ich werde sie ausschließlich mit den Ermittlungsbehörden und nicht öffentlich aufarbeiten.“
  • Über seine Frau Philippa: „Ich möchte sie keine ­Sekunde länger leiden sehen. Jetzt muss ich meine Frau und meine Familie schützen. Was meine Frau und meine Familie in den vergangenen Wochen ertragen mussten, das kann kein Vater, kein Ehemann zulassen. Da wurden die schlimmsten Gerüchte über meine Frau in die Welt gesetzt.“
  • Über seine Gegner: „Die haben alle Register gezogen, um ihren Machtbereich zu erweitern.“
  • Über seine Niederlage: „Begonnen hat alles mit der Ibiza-Affäre. Ich habe danach den höchsten Preis bezahlt, den man nur bezahlen kann.“

 

Karl Wendl

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