Rainer Nowak

Affären

Schmid-Chats: „Presse“-Chef Nowak vor Aus

Die Chat-Affäre um Ex-Finanzministeriums-Generalsekretär Thomas Schmid bringt nun auch ''Presse''-Herausgeber und Chefredakteur Rainer Nowak immer stärker in Bedrängnis. Heute steht eine Redaktionsversammlung an.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hat in einem 166 Seiten (!) langen Auswertungsbericht das Nahverhältnis zwischen Schmid und Nowak untersucht. So verbrachten die beiden etwa einen gemeinsamen „Buben-Urlaub“ (O-Ton Nowak) in Italien. Die Chats, die darin aufgelistet werden, sind für Nowak höchst unangenehm. Der Vorwurf der WKStA: Nowak habe Schmid geholfen, um im Gegenzug dessen Unterstützung für den Posten des ORF-Generaldirektors zu erhalten. Die Chats zeigen aber auch, wie Schmid immer wieder beim Presse-Chefredakteur intervenierte.

Das zeigt beispielsweise der Chat-Verlauf vom 4. April 2018.

Schmid:Ich finde deine Story über die Generalsekretäre auf presse.com extrem gemein in Bezug auf meine Person?! Ich habe keine Fachkompetenz? Und dann noch Gehrer und Spindi erwähnen damit ich ganz besonders blöd aussehe! Echt fies!

Nowaks Antwort: „Rausgenommen die Formulierung.

Schmid bedankt sich mit: „Danke. Finde das echt schräg. Aber warum muss Gehrer erwähnt werden? Schelling usw. Nicht. Ich auch schon früher GS. Egal. Aber irgendwie echt böse deine Leute.

Nowak:Ganz komisch. Kläre das morgen. War heute krank at home.“

Schmid:Bewusstes Schlechtmachen und das in meiner Lieblingszeitung.

Nowak:Wundert mich auch.

Die Chats legen auch den Verdacht nahe, dass es im Gegenzug für wohlwollende Berichterstattung in der Presse Inserate und Aufträge vom Finanzministerium gegeben haben soll. So schrieb Nowak im August 2017 an Schmid: „Michael Köttrisch meldet sich wegen eines Termins, der macht die Geschichte. Und bitte macht noch einmal die Akademie mit uns. Ist für die 17er Bilanz wichtig." Gemeint waren offenbar finanzielle Zuwendungen für die Journalisten-Akademie der Presse. Auch in einem anderen Chat verquickt Schmid Finanzielles mit Redaktionellem. Am 14. März 2016 bittet Schmid Nowak um einen zeitnahen Termin mit dem Hinweis: "Habe nämlich ein paar Punkte! Auch gute für dich - Kohle!"

Für besonderen Unmut in der Presse-Redaktion sorgen vor allem Chats, die zeigen, wie Nowak Schmid beriet, auf unangenehme Anfragen von Presse-Redakteuren zu antworten. Am 29. Jänner schreibt Schmid an Nowak: „Lieber Rainer, diese Thalhammer schreibt eine Story über Nebentätigkeiten der Generalsekretäre!! Kannst du das bitte abblasen??“ Nowaks Antwort: „Ist sie schon draußen die Story? Ich rufe sie dann an. Bis sechs in Sitzung.“ Und dann: „Antworte nur, dass es kein Nebenjob ist, sondern ein aufsichtsratsmandat als eigentümervertreter mit keinem Gehalt sondern einfachem sitzungsgeld.

In der Presse-Redaktion ist die Aufregung über den eigenen Chefredakteur groß: Für heute, 13 Uhr hat der Redakteursausschuss zu einer Redaktionsversammlung geladen. In der Einladung wurde betont, dass hier „rote Linien“ nicht erst mit strafrechtlichen Handlungen überschritten wurden. Einen möglichen Ausgang dieser Versammlung kommentierte Kleine Zeitung-Chefredakteur und Nowaks Konzern-Kollege Hubert Patterer (die Kleine gehört so wie die Presse zum Styria-Konzern) am Sonntag in seinem Leitartikel: „So wie ich ihn kenne, wird er sich der Verantwortung stellen". Branchen-Insider deuten dies als Hinweis auf einen Rückzug Nowaks als Presse-Chefredakteur...