Sky protestiert bei Strache

Bundesliga zurück ins Free-TV:

Sky protestiert bei Strache

Vertreter von "Sky"  sollen laut oe24-Informationen am Dienstag beim Vizekanzler gewesen sein.

Dass die österreichische Fußball-Bundesliga fast nur mehr exklusiv im Pay-TV (Sky) zu sehen ist, passt der Bundesregierung nicht. Vizekanzler (und Sportminister) Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Medienminister Gernot Blümel (ÖVP) wollen nun die Liste der Ereignisse, die jedenfalls im Free-TV zu sehen sein sollen, überarbeiten. Das kündigten sie am Montag bei einer Pressekonferenz an.

Allerdings zeigten sich die Pay-TV-Sender Sky naturgemäß wenig erfreut über den Vorstoß der Bundesregierung. Laut oe24-Informationen hatten Vertreter von "Sky" samt Anwälten prompt am Dienstag einen Termin mit Strache. Denn die Mediengruppe hält noch für vier weitere Jahre die Übertragungsrechte der österreichischen Bundesliga. Nun soll sowohl mit Free-TV-Vertretern als auch Pay-TV-Verantwortlichen gesprochen werden, um hier eine Lösung zu finden.

Der Pay-TV-Sender Sky nimmt die Pläne der Regierung, die Fußball-Bundesliga ins Free-TV zurückzuholen, gelassen zur Kenntnis. Man begrüße es, dass ÖVP und FPÖ keinen Eingriff in bestehende Verträge anstreben, hieß es am Dienstag in einer Aussendung. Österreich-Geschäftsführerin Christine Scheil hielt zugleich fest, dass die Fußball-Klubs von der Zusammenarbeit mit Sky profitierten.

"Höhere Qualität und bessere Wettbewerbsfähigkeit"

"Wir arbeiten daran, dass sich der österreichische Fußball weiterentwickelt, international gestärkt wird und dadurch die Identität Österreichs im Sport gewahrt bleibt", erklärte Scheil. Die höheren Lizenzerlöse "helfen den Klubs, die finanzielle und sportliche Lücke zu vergleichbaren Ländern ein Stück weit zu schließen". Durch den Deal mit Sky lukrierten die Vereine mehr Geld, was "eine höhere Qualität und bessere Wettbewerbsfähigkeit" bedeute. "In allen relevanten 'Fußball-Ländern' in Europa, die den Schritt ins Pay-TV bereits gegangen sind, ist das Interesse an Fußball seitdem gestiegen - die Stadien sind voller geworden, die Umsätze der Vereine gewachsen", sagte Scheil.
 
Außerdem habe man "für alle Fußball-Interessierten" etwas zu bieten, aufgrund der Kooperationen mit anderen Sendern bzw. Anbietern. So gebe es Live-Spiele auf Sky und A1, Highlight-Shows im Free-TV am Samstag und Sonntag auf ORF und oe24.tv und "ausführliche, für jeden frei verfügbare Online-Highlight-Clips" auf LAOLA1. Generell habe man die Fußball-Berichterstattung "deutlich erweitert", auch um "neue, frei empfangbare Formate" ("Dein Verein", "Die Abstauber").
 
Was die Arbeit an einer neuen TV-"Schutzliste" im Rahmen des Fernsehexklusivrechtegesetzes (FERG) betrifft, werde sich Sky "selbstverständlich im Rahmen des zu erwartenden Verfahrens entsprechend einbringen", betonte Scheil.

Die auch als Fernseh-"Schutzliste" bekannte Verordnung auf Basis des Fernsehexklusivrechtegesetzes (FERG) gilt seit Oktober 2001. Sie listet "Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung" auf, die nach dem Willen der Politik nicht ausschließlich im Bezahlfernsehen gezeigt werden dürfen, sondern mindestens 70 Prozent aller ORF-Teilnehmer ohne zusätzliche Gebühren erreichen müssen.

Derzeit umfasst die Liste die Olympischen Sommer- und Winterspiele, Alpine und Nordische Ski-WM, bestimmte Fußball-WM und -EM-Partien (Eröffnungsspiel, Halbfinale und Finale sowie alle Spiele mit der österreichischen Nationalmannschaft) sowie das österreichische Cupfinale. Auch kulturelle Ereignisse sind geschützt, nämlich das Neujahrskonzert und der Opernball.

Liste adaptieren

"Diese Liste wollen wir uns ansehen und sie nach Möglichkeit adaptieren", sagte Strache am Montag. Man sehe anlässlich des Wechsels der Bundesliga-Rechte zu Sky, "dass es hier Diskussionsbedarf gibt". Als Bundesregierung wolle man "nicht einfach tatenlos zuschauen". Er habe vor einiger Zeit auch ein Gespräch mit ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz gehabt, von dem ein entsprechender Vorstoß im Sommer gekommen war. "Auch er hat ja manchmal gute Ideen", witzelte Strache, der gemeinhin nicht gerade als Wrabetz-Fan gilt.

Bis die neue Liste steht, wird freilich Zeit vergehen. Nicht nur müssen alle Beteiligten zu Wort kommen. Für den Verordnungsentwurf ist eine Stellungnahmefrist von acht Wochen vorgesehen. Und: Die EU-Kommission muss ihren Sanktus geben. Sie hat für die Notifizierung drei Monate Zeit: "Das wird zweifellos ein längerer Prozess", sagte Blümel.
 

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