ORF-Chefs im E-Mail-Feuer

Daniel

ORF-Chefs im E-Mail-Feuer

Lugners Ruby und ein kabarettreifer E-Mail-Krieg erschüttern die ORF-Spitze.

Dass Silvio Berlusconi bald über die junge Dame stürzen könnte, ist bekannt. Dass aber die „Affäre Ruby“ auch zur Causa prima im ORF mutieren würde und auch dort karrierebedrohlich werden könnte, überrascht.

Interview-Verbot
In seiner betont „zurückhaltenden“ Art hatte ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz bekanntlich seine Mitarbeiter per E-Mail angewiesen, den Opernball nicht „zum Nuttenball“ verkommen zu lassen und Richard Lugner samt Begleitung „Ruby“ nicht zu interviewen – wir berichteten.

Dagegen hatte sich die ORF-Information aufgelehnt, die sich von Lorenz kein Interviewverbot in einer „hochpolitischen“ Affäre auferlegen lassen will.

Im Hintergrund der kabarettreifen Opernball-Erregung tobt im ORF freilich ein noch weit ernsterer Kampf: ÖSTERREICH veröffentlichte ausführlich die E-Mails von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz an seinen Programmchef. Darin bemängelte der sonst eher harmoniebedürftige ORF-Chef, dass Lorenz „ein Ober-Intrigant“ sei, der den ORF „anbrunzen“ würde.

Lorenz vor Ablöse?
Im ORF wundert man sich nun ob der „Freundlichkeiten“, die man sich im ORF ausrichtet. Manche erwarten, dass Wrabetz – er feuerte 2010 bereits Infochef Elmar Oberhauser – auch Lorenz ablösen könnte. Dafür bleibt Wrabetz – am 9. August wird die ORF-Spitze neu gewählt – aber keine Zeit mehr.

In der ORF-Stiftungsratssitzung am 3. März wird Wrabetz seine Geschäftsergebnisse – erstmals wieder tiefschwarze Zahlen – und die „Erfolge“ der ORF-Information präsentieren. Einige Stiftungsräte wollen aber auch die E-Mails „thematisieren“, da diese „Sprache einem öffentlich-rechtlichen Unternehmen unwürdig“ sei, so ein ÖVP-Stiftungsrat.

Seite 2: ORF-General Wrabetz im ÖSTERREICH-Interview

Wrabetz: "Das war nur ein Vier-Augen-Mail"

ORF-General Wrabetz über Mail-Krieg und Ruby-Affäre

ÖSTERREICH: ORF-Programmchef Lorenz hat seine Mitarbeiter angewiesen, dass Lugners Opernball-Begleitung „Ruby“ nur als Marginalie vorkommen dürfe. Das passt ORF-Redakteurssprecher Bornemann nicht. Spaltet „Ruby“ den ORF?
Wrabetz: Nein, natürlich nicht. Wir werden die Causa Ruby nach journalistischen Kriterien behandeln und dabei den Rubi-kon zum Voyeurismus nicht überschreiten. Interne E-Mails kommentiere ich nicht. Aber das Lorenz-Mail hatte sich nur an einen kleinen Kreis seiner Mitarbeiter in der Unterhaltungsabteilung gerichtet und nicht an die Information.

ÖSTERREICH: Aber teilen Sie die Meinung von Lorenz – „Opernball darf kein Nuttenball werden“?
Wrabetz: Unser Anliegen als ORF ist es, den Opernball in seiner künstlerischen und gesellschaftlichen Vielfalt darzustellen. Da wird der Auftritt von Lugner und seiner Begleitung nicht im Zentrum stehen.

ÖSTERREICH: Nicht nur Lorenz drückt sich deftig aus, Sie werfen Lorenz vor, ein „Oberintrigant“ zu sein. Was ist denn da los an der ORF-Spitze?
Wrabetz:
Das war ein Vier-Augen-Mail, das sicher nicht von mir nach außen gespielt wurde. Bestimmte Meinungsäußerungen von Lorenz hatte ich nicht geteilt und meinen Unmut geäußert.

ÖSTERREICH: Das war aber mehr als eine Unmutsäußerung…
Wrabetz: Im Ton will ich es nicht kommentieren. Aber es hatte mich geärgert, dass Lorenz ein Interview gegeben hatte, in dem er durch missverständliche Äußerungen unser Unternehmen in ein negatives Licht gestellt hatte.

ÖSTERREICH: Lorenz hat eine Entschuldigung eingefordert …
Wrabetz: Dass Lorenz jemand ist, der in der Ausdrucksweise auch sehr pointiert ist, ist bekannt. Ich glaube, da sollte nun keiner zimperlich sein.

ÖSTERREICH: Genießt Lorenz noch Ihr Vertrauen?
Wrabetz: Darum geht es nicht. Man muss sich offen die Meinung sagen können und sollte nicht unterschiedliche Auffassungen in der Öffentlichkeit austragen. Aber die Hauptsache ist, dass wir im Programm erfolgreich sind.

ÖSTERREICH: Am 3. März tagt der ORF-Stiftungsrat. Was erwartet Sie da?
Wrabetz: Wir werden das Jahresergebnis präsentieren, das einen unglaublichen Turnaround belegt: Wir sind von minus 80 Millionen nun bei plus 25 Millionen im Ergebnis 2010. Wir haben die Kosten stark und nachhaltig gesenkt.