Schmiergeld-Ermittlungen

Eurofighter: Airbus nennt Namen der Geldempfänger

Die Namen der 14 Firmen sind laut Flugzeughersteller "seit Jahren bekannt".

Wien/Toulouse - Der Eurofighter-Hersteller Airbus hat Österreichs Behörden am Mittwoch die Namen jener 14 Personen genannt, an die im Zuge des Flugzeugverkaufs 55 Mio. Euro an erst kürzlich eingestandenen Zahlungen ergangen sind. Das teilte das Unternehmen mit. Öffentlich genannt wurden die Namen von Airbus nicht. Überraschungen sind aus Sicht des Unternehmens keine dabei.
 
"Die entsprechenden Namen und die einzelnen Zahlungen sind der Staatsanwaltschaft in Wien bereits seit Jahren bekannt", wurde betont: "Ungeachtet dessen haben wir heute auf Nachfrage der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien die Namen der 14 Empfänger und die Höhe der einzelnen Zahlungen der Behörde genannt." In der WKStA gab es dazu unter Verweis auf das laufende Verfahren keine Auskünfte.
 

Bereits 2017 Liste mit Namen veröffentlicht

 
Allerdings flog bereits 2017 eine Liste mit Namen auf – der Verdacht liegt nahe, dass es sich hierbei um dieselben 13 Namen handelt - der 14. Name dürfte einer österreichischen Werbeagentur zuzuordnen sein.
 
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Namen Eurofighter
× Namen Eurofighter
 

Wie viel an wen floss:

 
  • 8 Mio. Euro gingen laut der Liste an City Chambers Ltd. Die Lobbying-Firma ist in Österreich bereits bekannt, weil sie Besprechungen mit "Dr. W. Luessel und Dr. J. Laider" in einem Tätigkeitsbericht protokolliert hat.
  • 4,2 Mio. Euro erhielt die P + P Consulting mit Sitz im ersten Bezirk in Wien. Geschäftsführer ist der EADS-Rüstungslobbyist Alfred Plattner.
  • 4,2 Mio. Euro flossen an Erhard P. Steininger, einen Waffenlobbyisten der EADS. Steininger war bereits in den Schlagzeilen, weil er 2007 vor seiner Villa in Klosterneuburg mehreren Fotografen seinen blanken Hintern gezeigt hat.
  • 500.000 Euro bekam die EQ.CU.COM Finance in Hongkong. Diese Firma spielte schon bei den Erhebungen gegen den Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly eine Rolle.
  • 500.000 Euro erhielt die Hortobagy Consulting in Budapest. Offiziell eine Firma von Kunstflugexperten – aus Ermittlerkreisen ist aber zu hören, dass in diesem Unternehmen Ex-Mitarbeiter des kommunistischen ungarischen Geheimdienstes tätig seien.
  • 3 Millionen Euro wurden für ein nicht näher definiertes "Sponsoring" aufgebracht: Damit ist die Finanzhilfe für den Wiener Fußballverein Rapid gemeint, meinen die Kriminalisten.
  • 125,4 Millionen Euro, also den ganz große Brocken, erhielt die von den Ermittlungen gegen Eurofighter bereits gut bekannte Firma Vector Aerospace. Wie berichtet, sollen über dieses Unternehmen die größten Summen an Bestechungsgeld nach Österreich geflossen sein.
  • 10,5 Millionen Euro flossen an BAES (British Aerospace Electronic Systems), einen der größten Rüstungskonzerne.
  • 300.000 Euro bekam ALN (Alenia Aerospazio), der italienische EADS-Partner, der ebenfalls Eurofighter-Teile produziert.

Airbus weist Bestechungsvorwürfe zurück

 
Einmal mehr wurden von Airbus (unter Hinweis auf eine mit dem US-amerikanischen Justizministerium abgestimmte Stellungnahme aus der Vorwoche) sämtliche Bestechungsvorwürfe zurückgewiesen. Weder habe Airbus erklärt noch das Ministerium den Vorwurf erhoben, dass die 55 Mio. Euro Bestechungszahlungen "im Sinne des US-amerikanischen Anti-Korruptionsgesetzes" seien.
 
Video zum Thema: Causa Eurofighter: Nationaler Schulterschluss
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