hörsaal

Enormer Zustrom

Hilfe, die Uni-Piefkes kommen

Bangen um Seminarplätze, überfüllte Hörsäle – all das ist Alltag auf Österreichs Unis. Der Andrang der Deutschen trägt dazu massiv bei.

Die heimischen Universitäten platzen aus allen Nähten. Bis zu 285.000 Studenten ringen in diesem Wintersemester mit den teils katastrophalen Bedingungen. Bis zu 20.000 davon kommen aus Deutschland – noch ist die Anmeldefrist nicht zu Ende. Die Zahl der Studenten aus dem Nachbarland hat sich seit dem Jahr 2000 verdreifacht (siehe Grafik). Schon jeder 13. Student in Österreich ist Deutscher.

„20 Leute haben um einen Platz im Seminar gebettelt“
Unter den Studenten macht sich zunehmend Unmut breit. Zwei Beispiele:

- „Ich brauche ein Proseminar, um die Studieneingangsphase in Politikwissenschaft abzuschließen. Sonst kann ich nächstes Semester keine Vorlesungen besuchen“, erzählt etwa Martin Maurer beim ÖSTERREICH-Lokalaugenschein. „Aber ob ich einen Platz bekomme ist unsicher. Ein Uni-Assistent hat uns geraten, uns zu wehren. Einer in der letzten Reihe hat ‚Klassenkampf' geschrien – und alle haben applaudiert.“

- Wenig besser läuft es an der Wirtschaftsuniversität Wien, erzählt Katharina Litschauer (23): „Kürzlich war ich in einem Seminar, das auf 32 Teilnehmer begrenzt war. 20 mehr sind zum ersten Termin gekommen und haben gebettelt, auch rein zu dürfen. Die mussten wieder gehen.“

75 Prozent mehr Deutsche an Publizistik in Wien
Probleme gibt es vor allem in den geisteswissenschaftlichen Fächern. So stieg der Anteil deutscher Studenten am Publizistik-Institut in Wien um 75 %. Auf der grenznahen Uni Salzburg sind bereits sechs von zehn Erstsemestern in Psychologie Deutsche, in Innsbruck ist es jeder zweite. Aber auch an der Wiener Veterinärmedizin hat sich der Anteil der Deutschen seit 2000 versiebenfacht, an der Universität für Bodenkultur sind es immerhin noch viermal so viele.

VP-Hahn will Prüfungen in Numerus-Clausus-Fächern
Vor 2005 galt für Deutsche, dass sie zu Hause einen Studienplatz nachweisen mussten. Somit galt der Numerus Clausus (guter Notenschnitt) indirekt auch in Österreich.

Doch vor vier Jahren kippte die EU die Regelung. ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn will nun neue Hürden errichten. Für Studienrichtungen, in denen Deutsche zu Hause einen guten Notenschnitt nachweisen müssen, soll es eine neue Handhabe geben. Hahn wünscht sich, dass Unis Aufnahmeprüfungen einführen dürfen sowie die Plätze begrenzen können. Das allerdings würde auch für die österreichischen Studierenden gelten.



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