Hintergründe der Aufreger-Story

Kanzler in Israel-Firma mit angeklagtem Millionär

Kern
© APA/GEORG HOCHMUTH

Was israelische Journalisten über die Firmen-Verflechtung von Kern in Tel Aviv enthüllten.

OE24 auf Google bevorzugen

Die Wogen um Christian Kerns Beteiligung an der Firma Foresight in Israel gehen weiter hoch. Wie berichtet, hält der Kanzler knapp 1 % an dem Software-Start-up seiner Frau Eveline Steinberger-Kern in Tel Aviv.

Das allein ist nicht das Brisante. Es geht vielmehr darum, dass an Foresight auch der wegen Bestechung angeklagte israelisch-georgische Millionär Avraham Nanikashvili beteiligt ist. Nicht als Person, sondern über seine Firma Triple M, die 11 % an Foresight hält.

Die Fakten:

  • Nanikashvili steht derzeit in Tel Aviv vor Gericht, weil er den ehemaligen Energieminister mit 400.000 Dollar bestochen haben soll, um für Triple M die Lizenz für einen Kraftwerksbau zu erhalten. Es gilt die Unschuldsvermutung.
  • Wegen der Bestechungsvorwürfe wurde Nanikashvili von der israelischen Regierung 2015 aufgefordert, bei Triple M auszusteigen – andernfalls die Kraftwerks-Lizenz weg wäre.
  • Nanikashvili sei längst nicht mehr an Triple M beteiligt, habe mit Foresight also nichts zu tun, sagt Steinberger-Kern.
  • Aber das stimmt eben nicht. Denn wie der Journalist Nitay Anavi am 25. September auf dem Radiosender Galgalatz (Galei Tzahal) enthüllte, hat Nanikashvili den Verkauf seiner Triple-M-Anteile bisher nicht vollzogen.
  • Der Radiobericht sorgte für großes Aufsehen in Israel. Hunderttausende hörten ihn – Galgalatz ist der größte israelische Sender.
  • In Reaktion auf den Bericht wurde Triple M am selben Tag die Lizenz für den Kraftwerksbau entzogen. Und zwar „bis die Firma nachgewiesen hat, dass Nanikashvili nicht mehr beteiligt ist“.
  • Reporter Anavi veröffentlichte seine Enthüllungen auch auf Twitter – inklusive der Verbindung zu Kern (siehe Screenshot).
  • Die Causa wird in Israel seither heiß diskutiert. Auf Twitter wird auch die Reaktion der Firma Triple M thematisiert: der Ausstieg Nanikashvilis sei im Laufen, gehe „in den nächsten Tagen“ über die Bühne.
  • Fakt ist also: Noch ist Nanikashvili dabei. Bei Triple M, und darüber bei Foresight. Der Kanzler in der gleichen Firma wie ein der Korruption angeklagter Multi-Millionär. Eine mehr als schiefe Optik...

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden