Karl kritisiert offenen Uni-Zugang

Versagt

Karl kritisiert offenen Uni-Zugang

Die Wissenschaftsministerin will die soziale Durchlässigkeit erhöhen.

Für eine bestmögliche soziale Durchlässigkeit im Bildungssystem sprach sich Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (V) am Donnerstagabend bei einer gemeinsamen Podiumsdiskussion mit dem Initiator des Bildungsvolksbegehrens, Hannes Androsch, und dem Philosophen Konrad Paul Liessmann aus. "Wir müssen davon wegkommen, dass Bildungswege vererbt werden", sagte Karl.

Große Sorge
Sie betrachte es mit großer Sorge, dass es an den Universitäten noch immer keine gute soziale Durchmischung gebe. "Da hat der offene Hochschulzugang versagt", meinte Karl. Gerade in den Massenfächern würden die sozial Schwächeren an den Universitäten scheitern, weil sie es sich nicht leisten könnten, ein oder zwei Semester länger zu studieren. "Dort setzen sich die, die den längeren finanziellen Atem haben, durch." An Fachhochschulen, wo es Aufnahmeverfahren gibt, sei die soziale Durchmischung wesentlich besser, sagte Karl. Für sie liegt der Schlüssel in der Verbesserung der Studienbedingungen.

Der lineare Zusammenhang, dass Bildung gleich Aufstiegschance sei, stimme nicht, sagte Liessmann. Die Schweiz habe eine niedrigere Akademikerquote als Österreich und sei wirtschaftlich viel erfolgreicher. Auch die These, dass Bildung alle sozialen Probleme löse, sei zu hinterfragen.

Bildung ohne Bedeutung
Es gebe soziale Milieus, in denen Bildung keine Rolle spiele, meinte Liessmann: "Ganz unten und ganz oben." Bildung sei ein "Mittelstandsphänomen." Der Wissenschafter meinte, dass Bildung in der Gesellschaft längst nicht dieser zentrale Wert sei, als den wir ihn gerne sehen. "Sonst würden sich die jungen Menschen in den Schulen anders verhalten, würden Bildung als Angebot, als Chance empfinden und nicht als Zumutung."  "Eigentlich ist der beliebte Satz, dass wir junge Menschen zur Bildung motivieren müssen, eine Bankrotterklärung."

Liessmann sprach sich bei der vom VP-nahen Seebrunner Kreis organisierten Diskussion für mehr Ehrlichkeit im Bildungsbereich aus. Es brauche keine PISA-Tests, um zu wissen, dass es ein Problem mit der Lesefähigkeit von Schülern gebe. Es gehe vielmehr um die Frage, was man dagegen tun könne. Man müsse beispielsweise die Frage beantworten, was ein Schüler heute eigentlich können soll.

Androsch für Verbesserung

Für einen breiten gesellschaftlichen Konsens zur Verbesserung des Bildungssystems trat Androsch ein. Je mehr Menschen sein Volksbegehren unterschreiben würden, desto mehr Rückhalt bekäme das Thema in der Politik. Ein gutes Bildungssystem sei auch eine Frage der Generationengerechtigkeit, sagte Androsch.

Konkrete Vorschläge zur Verbesserung machte Karl: Es müsse mehr Leistung verlangt werden. Sitzenbleiben dürfte aber nur die ultima ratio sein. Defizite sollten viel früher erkannt und mit gezielter Förderung der betroffenen Schüler ausgeglichen werden. Die Ministerin wünscht sich außerdem eine Modularisierung des Unterrichts und kann sich bei entsprechendem Bedarf auch das Angebot einer Ganztagsschule vorstellen.

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