Elmar Oberhauser, Alexander Wrabetz

Streit eskaliert total

Krieg im ORF: Wrabetz feuert Oberhauser

Die Aussprache Wrabetz-Oberhauser verlief ohne positives Ergebnis.

Wien, Küniglberg. „Das bedeutet Krieg“, resigniert ein hochrangiger ORF-Redakteur: „So etwas haben wir noch nicht erlebt.“

Tatsächlich ist in den vergangenen 24 Stunden der Konflikt an der ORF-Spitze eskaliert: Generaldirektor Alexander Wrabetz hat seinen Informations-Chef – einmalig in der Geschichte des Senders – mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Geht’s nach Wrabetz, wird dieser den Job ganz verlieren – er wird gegen Oberhauser einen Abwahlantrag im Stiftungsrat stellen.

Mit Rücktritt gedroht
Das ist das „Ergebnis“ eines mehrstündigen Gesprächs der beiden Kampfhähne. Nötig war es geworden, nachdem Oberhauser am Donnerstag in einem Brief an seine Kollegen (Wrabetz stand nicht am Verteiler) seinen Chef frontal attackiert und mit dem Rücktritt gedroht hatte (ÖSTERREICH berichtete).

Anlass: Oberhauser wehrte sich gegen die Bestellung Fritz Dittlbachers zum ORF-Chefredakteur, weil dies seiner Ansicht nach ein Diktat der SPÖ-Parteizentrale wäre.

Ultimatum: Entschuldigung oder Oberhauser geht
Am Freitag dann die totale Eskalation: 10.15 Uhr, treffen einander Wrabetz und Oberhauser im sechsten Stock der ORF-Zentrale. Eiszeit. Wrabetz, sonst eher für Harmoniebedürfnis bekannt, agiert diesmal knallhart, stellt seinem Kontrahenten ein Ultimatum: Entweder Oberhauser entschuldigt sich umgehend schriftlich oder er macht seine Rücktritts-Andeutungen wahr.

Schon nach einer Stunde wird der Showdown unterbrochen. Beide ziehen sich zu Beratungen zurück. Oberhauser spricht mit Vertrauten, führt mehrere Telefonate – eines davon mit Ex-Generalintendant Gerd Bacher.

"Beurlaubung logischer Schritt"
Der alte „Tiger“ spielt eine Schlüsselrolle in diesem Konflikt. Er forciert Oberhauser als nächsten Generalintendanten. Am Telefon rät er seinem früheren Schüler dringend von einem Rücktritt ab.

Als das Gespräch fortgesetzt wird, macht Oberhauser Wrabetz klar, dass er nicht freiwillig weichen wird. Wrabetz zieht die Konsequenzen: er schickt Oberhauser in den Zwangsurlaub. Über die APA lässt er verlauten: „Die Beurlaubung ist ein logischer Schritt, der Herrn Oberhauser ermöglichen soll, sich umfassend rechtlich beraten zu lassen, da er die Überlegung eines Rücktritts, wie er sie öffentlich in den Raum gestellt hat, heute zurückgezogen hat.“

Wrabetz braucht einfache Mehrheit
Für die nächsten Tage bedeutet das im ORF Dramatik pur: Lenkt Oberhauser nicht ein (und geht), wird Wrabetz einen Abwahlantrag gegen ihn stellen. Über diesen wird in der nächsten Sitzung des ORF-Stiftungsrates am 11. 11. abgestimmt. Wrabetz bräuchte eine einfache Mehrheit, die er derzeit – knapp – hätte.

Der „Krieg“ im ORF wäre mit dem Abschuss Oberhausers freilich nicht beendet. Im Sommer 2011 steht die Wahl des nächsten Generaldirektors an. Eine ÖVP-nahe Gruppe um ORF-Ex-General Bacher will dann Oberhauser mit dem Image eines „Märtyrers für die Unabhängigkeit“ an die ORF-Spitze hieven.

Seite 2: Bacher fordert nun Rücktritt von Wrabetz


Ex-Generalintendant Gerd Bacher: "Es wäre schön, wenn Wrabetz zurücktritt"

ÖSTERREICH: Herr Bacher, Generalintendant Wrabetz hat Elmar Oberhauser beurlaubt. Wie sehen Sie diesen Konflikt?
Gerd Bacher: Das ist einmalig. Ich kann mich nicht erinnern, dass es so etwas schon einmal gegeben hat. Es wäre für den ORF viel besser, wenn Wrabetz zurücktritt.

ÖSTERREICH: Oberhauser hat zuvor in einem Brief seinen Unmut über die Chefredakteurs-Bestellung Luft gemacht. War das gerechtfertig?
Bacher: Das war mehr als berechtigt. Die unerträgliche Personalpolitik der Parteien gehört endlich öffentlich gemacht. Das gab es doch noch nie, dass eine derart wichtige Personalbesetzung (die Bestellung von Fritz Dittelbacher zum Chefredakteur, Anm. d. Red.) völlig unter Ausschluss des zuständigen Direktors passiert. Aber das passt zu der Art der Personalpolitik, die man von Wrabetz gewohnt ist. Das war schon bei der Bestellung des kaufmännischen Direktors so. Ich würde mir das nicht bieten lassen und das Ganze vor den Stiftungsrat bringen.

ÖSTERREICH: Wie stehen die Chancen dafür, dass Oberhauser nun freiwillig zurücktritt?
Bacher: Es wäre schön, wenn Herr Wrabetz zurücktritt. Ich bin der Meinung, dass er der falsche Mann für den ORF ist. Ich halte Herrn Oberhauser jedenfalls für wesentlich geeigneter als Generalintendanten.

ÖSTERREICH: Heißt das, dass Sie Oberhauser als Generalintendanten für den ORF vorschlagen?
Bacher: Unter den gegebenen politischen Voraussetzungen ist das derzeit wohl nicht möglich.

ÖSTERREICH: Von ÖVP-Seite wurde zuletzt auch immer wieder ein neues ORF-Volksbegehren in den Raum gestellt. Wäre das Ihrer Meinung nach sinnvoll?
Bacher: Ich würde ein solches Volksbegehren unterstützen, aber auch dem stehen derzeit die Parteientgegen. Es ist ja zum Schreien, dass die Opposition hier nur zusieht.

ÖSTERREICH: Könnten Sie sich vorstellen, ein solches Volksbegehren selbst zu initiieren?
Bacher: Das hätte keinen Sinn, wenn ein Einzelner ein Volksbegehren startet, weil er ja nicht über den notwendigen Apparat verfügt. Das müsste schon von einer Organisation ausgehen.



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