Kurz und Schramböck besuchen Abu Dhabi

Wirtschaft im Vordergrund

Kurz und Schramböck besuchen Abu Dhabi

Bundeskanzler will mit Kronprinzen aber auch über "aktuelle politische Fragen" sprechen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz reist am Samstag mit Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (beide ÖVP) in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), wo er am Sonntag in Abu Dhabi den Kronprinzen, Scheich Khalifa Mohammed bin Zayed al-Nahyan, treffen wird. Im Mittelpunkt der Gespräche werden vor allem Wirtschaftsfragen, aber auch die Bereiche "Sport, Kultur und Tourismus" und aktuelle politische Fragen stehen.

Mit von der Partie ist daher auch eine hochrangige Wirtschaftsdelegation, mit den regionalen "Big Playern" OMV und Vamed an der Spitze. "Gerade für ein exportorientiertes Land wie Österreich ist der Außenhandel sehr wichtig", ließ Kurz im Vorfeld wissen. Der Export sichere jeden zweiten österreichischen Arbeitsplatz. "Die Vereinigten Arabischen Emirate sind bereits unser wichtigster Handelspartner in der Golfregion und bieten für die österreichische Wirtschaft noch viel Potenzial."

Auch Kampf gegen IS ein Thema

Die bilaterale Kooperation soll aber auf politischer und diplomatischer Ebene vertieft werden. In seinem Gespräch mit dem Kronprinzen gehe es daher auch um aktuelle Themen wie den Kampf gegen die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat", so Kurz. "Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein wichtiger Player in der Golfregion", formulierte der Bundeskanzler.

So sind die VAE und Saudi-Arabien die beiden wichtigsten Mitglieder einer Militärkoalition, die Jemens Präsidenten Abed Rabbo Mansour Hadi im seit Jahren andauernden Krieg gegen schiitische Houthi-Rebellen unterstützt. Zuletzt versuchten beide Staaten aber in Jemens Interimshauptstadt Aden zwischen Regierungsvertretern und Separatisten zu vermitteln. Die Frontstellung im Konflikt in Aden ist speziell: Hier kämpfen die Truppen des Präsidenten gegen Separatisten, die eine Rückkehr zu einem unabhängigen Staat Südjemen anstreben, wie er vor der jemenitischen Vereinigung 1990 bestanden hatte.

Dieser Konflikt bringt die Militärkoalition in eine schwierige Situation. Insbesondere die Vereinigten Arabischen Emirate haben enge Beziehungen zum Separatistenführer Hani bin Braik. Saudi-Arabien und die Emirate haben Hadis Regierung dazu aufgefordert, die Anliegen der Rebellen ernst zu nehmen. Die südjemenitische Hafenstadt Aden ist der provisorische Sitz der Regierung des international anerkannten Präsidenten Hadi. Dieser hält sich aber im Exil in Saudi-Arabien auf.

Größter Handelspartner in der Golfregion

Die VAE sind der größte Handelspartner für Österreich in der Golfregion. Die Exporte erreichten 2017 eine Höhe von 610 Millionen Euro. "Die Hub-Funktion Dubais hat sich in den letzten Jahren bewährt, Hauptexportprodukte aus Österreich sind Maschinen, Baugewerbe, Nahrungsmittel, Holz und Papier", verlautete vor der Reise aus dem Kanzlerbüro. "Thema wird auch der Bereich Digitalisierung sein, dazu findet auch ein Arbeitsgespräch auf Ministerebene statt."

Bei der wirtschaftlichen Verflechtung zwischen den flächen- und einwohnerzahlmäßig ungefähr vergleichbaren Staaten Österreich und den VAE war zuletzt "eine leichte Verschiebung" zu bemerken, wie die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) konstatiert. "So stiegen die österreichischen Investitionen in den VAE um 23 Prozent auf 4,8 Mrd. Euro, umgekehrt sind die emiratischen in Österreich um elf Prozent auf 4,1 Mrd. Euro zurückgegangen."

Das war vor allem auf das Engagement des staatlichen Konzerns ADNOC (Abu Dhabi National Oil Coompany) bei der OMV und des Abu-Dhabi-Staatsfonds Mubadala bei Borealis/Borouge zurückzuführen. Borouge ist das Borealis-Joint Venture mit ADNOC. Die OMV prüft derzeit laut Medienberichten den Erwerb einer Minderheitsbeteiligung an einer großen Öl-Raffinerie in Ruwais in Abu Dhabi. Erst vor wenigen Wochen hatte die OMV die Beteiligung an zwei Offshore-Ölfeldern des staatlichen Ölkonzerns ADNOC in Abu Dhabi um 1,5 Mrd. US-Dollar (rund 1,2 Mrd. Euro) bekanntgegeben.

Abu Dhabi ist zweiter Kernaktionär der OMV

Das Golf-Emirat Abu Dhabi ist neben der Republik Österreich der zweite Kernaktionär der OMV. Der börsennotierte Mineralölkonzern hatte bereits vor einem Jahr angekündigt, auch im Downstream-Bereich zu expandieren. Die Raffinerie in Ruwais hat eine Kapazität von 817.000 Barrel pro Tag. Die OMV könnte sich nach Angaben von namentlich nicht genannten Quellen mit bis zu 49 Prozent beteiligen und dafür mehrere Milliarden Dollar bezahlen. Bisher gebe es keine Vereinbarung über den Preis oder andere Vertragsbedingungen, hieß es.

Vamed ist seit 2007 im arabischen Raum vertreten und realisierte seitdem nach eigenen Angaben Projekte in Al-Ain, Abu Dhabi und Ras Al Kaimah. Seit 2014 ist Vamed mit dem Projekt Dar Al-Shifaa-Krankenhaus in Abu Dhabi auch im privaten Sektor tätig. Dieses Projekt wird noch 2018 eröffnet und dann durch Vamed gemanagt. Zusätzlich ist Vamed im Jahr 2015 auch als Investor, Generalunternehmer für Planung, Bau und Ausstattung und als verantwortlicher Partner für das Betriebsführungsmanagement in dem Integrated Healthcare Center Al-Reem in Abu Dhabi eingestiegen.

Drei Großprojekte in den VAE realisiert

Zurzeit werden in den Vereinigten Arabischen Emiraten drei Großprojekte realisiert: Das Al Reem Integrated Healthcare Center ist ein neues 219 Betten umfassendes "Mutter-Kind-Spital". Beim Dar al-Shifaa Spital handelt es sich um ein neues, 100 Betten umfassendes Allgemeines Krankenhaus. Beim 719 Betten umfassenden Al-Ain-Spital wird das gesamte medizinische Equipment und die Innenausstattung durch Vamed erbracht.

Im Tourismus-Sektor wurde zuletzt eine dynamische Entwicklung von Reisen aus den VAE nach Österreich konstatiert, im Sommer 2017 gab es in Österreich rund 1,16 Mio. Nächtigungen aus den VAE (plus sechs Prozent). Die Emirate sind damit als Herkunftsland für Touristen bereits auf Platz sechs.

Weiters wird Kurz gemeinsam mit der ÖVP-Behindertensprecherin Kira Grünberg das Special Olympics Fußballteam der VAE zum Training nach Österreich einladen. Begleitet wird die Delegation zudem von Eike Schmidt, dem derzeitigen Leiter der Uffizien in Florenz, der ab nächstem Jahr Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums (KHM) in Wien sein wird. Es ist auch ein gemeinsamer Besuch des im November des Vorjahrs eröffneten "Louvre Abu Dhabi" geplant.



OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten