20.000-Euro-Berater-Vertrag

Max Lercher über SPÖ-Streit: 'Unwürdiges Schauspiel'

Rund um die Posse um den Leykam-Berater-Vertrag nahm SPÖ-Rebell Max Lercher nun vor der Klubsitzung Stellung und zeigte sich schockiert.

Das habe ich in ­meiner ganzen Karriere in der SPÖ noch nie erlebt“, sagt ein rotes Urgestein in ÖSTERREICH. „Alle Beteiligten in diesem Kampf schaden der SPÖ“, sagt ein weiterer SPÖ-Spitzenmann.

Video zum Thema: ÖSTERREICH-Story löst SPÖ-Krieg aus

Mit den „Beteiligten“ sind einerseits SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, ihr Geschäftsführer Christian Deutsch und ihr Berater Nedeljko Bilalic gemeint. Andererseits aber auch SPÖ-„Rebell“ Max Lercher und dessen Unterstützer. Vor der SPÖ-Klubsitzung hat nahm Lercher Stellung zur Posse innerhalb der eigenen Partei und zeigte sich bestürzt. "Es tut mir weh, welch unwürdiges Schauspiel wir hier abliefern. Auch im Sinne der hunderten und tausenden Ehrenamtlichen, die sich in der Sozialdemokratie engagieren. Das ist und war nicht meine Intention und deswegen haben wir viel zu besprechen", so der Ex-Bundesgeschäftsführer.

Auch SPÖ-Chefin Rendi-Wagner forderte am Dienstag erneut ein Ende der "öffentlichen Nabelschau".

Krieg der roten Lager

Lercher – assistiert durch Schilderungen mehrerer SPÖ-Vorstandsmitglieder – wirft der Parteispitze vor, dass diese einen Vertrag, den er als Chef der Leykam Medien AG mit der Bundes-SPÖ abgeschlossen hatte, bewusst missverständlich präsentiert hätte. SPÖ-Manager Deutsch wiederum will nun gegen jene „klagen“, die ihm „Lügen“ unterstellen. Gemeint ist ­offenbar vor allem Ex-SPÖ Berater Rudi Fußi, der sich guter Kontakte mit Lercher rühmt und Rendi-Wagner und Co. via Video „Fake News“ unterstellt hatte.

Aber auch Lercher, der sich als Opfer einer „SPÖ-Intrige“ sieht, will nun ÖSTERREICH klagen.

Neue Details zum brisanten SPÖ-Vertrag bekannt

Der ins Gerede gekommene Vertrag zwischen der SPÖ und der Leykam AG ist noch jüngeren Datums. Abgeschlossen wurde er laut einem Bericht der "Kleinen Zeitung" im Februar dieses Jahres zwischen Leykam-Vorstand und Ex-SPÖ-Bundesgeschäftsführer Max Lercher und dessen Nachfolger Thomas Drozda mit einer Laufzeit von drei Jahren. Der Vertrag ist auf drei Jahre befristet und insgesamt fließen also brutto 720.000 Euro an die in Graz ansässige, SPÖ-eigene Firma. Der Vertrag kann aber nach 18 Monaten gekündigt werden. Ausdrücklich wird erklärt, die Vergütung sei "markt- und fremdüblich". Das müsse von den Vertragspartnern "wechselweise je nach Aufforderung" nachgewiesen werden.

Das jährliche Finanzvolumen des Vertrags sind 200.000 Euro zuzüglich 20 Prozent Mehrwertsteuer. Für dieses Geld soll Leykam der SPÖ in den Bereichen "Data Management" und "Kommunalstrategie" weiterhelfen. Bei ersterem geht es etwa um Konzepte zum Daten-Schürfen oder zur zielgruppengerechten Werbung im Online-Bereich. In Sachen Kommunalstrategie soll die Leykam die Landesorganisationen koordinieren sowie ein Konzept zur optimalen Betreuung der Partei bis hin den zu den Ortsgruppen entwickeln.

Eine Tochter der Leykam war zudem (außerhalb des Grundvertrags) für die so genannte Rot-Show zuständig, die von der SPÖ in ihrem Wahlkampf in mehreren Bundesländern durchgeführt wurde, wie ÖSTERREICH zuletzt berichtete.

Der Leykam-Vertrag war zuletzt zum Anlass öffentlicher Debatten geworden, nachdem in einem Zeitungsbericht durch eine anonyme Quelle der Eindruck erweckt worden war, als würde Lercher, der als mögliche Alternative zur angeschlagenen Parteichefin Pamela Rendi-Wagner gilt, die 20.000 Euro-Monatsgage persönlich beziehen. Ob der Kontrakt überhaupt weiter läuft, ließ die Parteivorsitzende offen: "Der Bundesgeschäftsführer (Christian Deutsch) wird alle externen Verträge prüfen und auch die Möglichkeiten, diese vorzeitig zu beenden."



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