Nach Interview: Streit um Corona-Hilfen

Wirbel um Aussagen

Nach Interview: Streit um Corona-Hilfen

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Der 53-jährige Top-Gastronom erklärte, dass er selbst vom Staat bisher keinen einzigen Euro bekommen hätte - Wie oe24 aus Regierungskreisen erfuhr, sollen jedoch bereits Anträge seinerseits eingereicht worden sein.

Wien. Berndt Querfeld, Chef des Cafe Landtmanns, machte bereits während der Corona-bedingten Schließungen in der Gastronomie von sich reden. Trotz der immensen finanziellen Belastung setzte man in seinen Filialen auf Kurzarbeit statt Kündigungen.

Im ausführlichen "Standard"-Interview erzählt der 53-Jährige unter anderem von harten Rückschlägen und Tränen beim Shutdown. Ein Aspekt stach dabei jedoch besonders heraus: In dem Interview erklärte der 53-jährige Top-Gastronom, dass er selbst vom Staat bisher keinen einzigen Euro bekommen hätte. Wie oe24 aus Regierungskreisen erfuhr, sollen jedoch bereits Anträge seinerseits eingereicht worden sein – Bei bis zu 300 Mitarbeitern und mehreren Standorten kommt eine Summe von mehreren Millionen Euro (rund drei Millionen Euro) zusammen, die ausbezahlt werden. 

Tourismusministerium verwundert über Aussagen

Verwundert zeigt man sich heute im Tourismusministerium über die Aussagen des Wiener Gastronomen Berndt Querfeld im Interview. Soweit dem Ressort bekannt sei, habe die Familie Querfeld für ihre 10 Cafés und Restaurants mehrere Instrumente für Unterstützungsleistungen in Anspruch genommen und Mittel in entsprechender Höhe bewilligt bekommen. Man könne die von Querfeld im „Standard“-Interview getätigten Aussagen daher nicht nachvollziehen, heißt es auf eine oe24-Anfrage.
 
Man ersuche die Familie Querfeld, die bisher in Anspruch genommenen Summen selbst offen zu legen oder die zuständigen Behörden von ihrer Amtsverschwiegenheit zu entbinden, damit eine entsprechende Klarstellung erfolgen könne, so das Tourismusministerium.

Corona-Krise: Cafe Landtmann setzte auf Kurzarbeit statt Kündigungen

Die Wiener Kaffeehaus-Institution Cafe Landtmann kündigte ihre Mitarbeiter nicht. Die Familie Querfeld, die auch andere Kaffeehäuser in Wien betreibt, nutzt stattdessen die neue Corona-Kurzarbeit. "Durch die Kurzarbeit wird uns geholfen, das unternehmerische Risiko zu minimieren. Gleichzeitig wird es uns möglich, die Arbeitsplätze unserer rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sichern", teilte Berndt Querfeld der APA mit.
 
Laut Querfeld ist das neue Kurzarbeitsmodell "die momentan beste Lösung", auch mit Blick auf den Neustart nach Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen. "Zirka zwei Wochen vor Wieder-Eröffnung werden unsere Vorbereitungsarbeiten beginnen, um unsere Lokale wieder auf Betriebstemperatur zu bekommen. Dafür benötigen wir dann jede und jeden aus unserer Belegschaft." Die Familie Querfeld führt neben dem Landtmann unter anderem auch das Cafe Museum und das Cafe Mozart.
 
Die Betreiberfamilie hatte zuvor Anfang der Woche laut "Standard" die Mitarbeiter beim AMS Wien zur Kündigung angemeldet. Auch Österreichs größter Baukonzern, die Strabag, wechselte von Kündigungen zu Kurzarbeit. Regierung, AMS und Sozialpartner appellieren eindringlich an die Arbeitgeber in ganz Österreich, sich das neue Kurzarbeitsmodell anzusehen und Kündigungen zu vermeiden.
 
Auch Querfeld und dessen Verhandlungspartner, der vida-Gewerkschafter Berend Tusch, schlossen sich diesem Aufruf an: "Wer jetzt auf seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schaut, der kann sich auch in Zukunft ihrer Loyalität sicher sein", erklärten sie in der Aussendung unisono.
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