Die Langzeitbeobachtung vom SPÖ-Chef ist seit heute in den Kinos zu sehen, in Wien wurden bis Mittag nicht einmal ein Dutzend Karten reserviert...
Viktor Adler und Bruno Kreisky, die roten Überväter, blicken emotionslos aus schweren Goldrahmen auf das Treiben ihrer Nachfahren. Unter ihren Augen versucht Andreas Babler gemeinsam mit seinem Wahlkampf-Team die SPÖ zurück zu ihren Wurzeln und gleichzeitig in die Moderne zu führen. Nur eine eine Szene aus Harald Friedls Dokumentarfilm „Wahlkampf“, der heute in den Kinos angelaufen ist. Der Film dokumentiert den Weg Bablers während der letzten Nationalratswahl. Friedl fängt die subtilen Momente ein: Das strategische Ringen um „Grassroots-Aktivitäten“ in einem Apparat, der eigentlich auf Disziplin und Hierarchie programmiert ist.
350.000-Euro-Förderung
Doch die Resonanz auf dieses filmische Dokument der Anstrengung ist zum Start ernüchternd: 8 verkaufte Tickets im Votiv-Kino, De France: 2 Tickets, Village Cinemas: 0 Tickets. Es ist die Paradoxie einer Bewegung, die für sich beansprucht, die Massen zu mobilisieren, im Kinosaal jedoch vorerst unter sich bleibt. Dass das Projekt mit rund 350.000 Euro an Steuergeldern gefördert wurde – genehmigt unter dem grünen Kulturminister Werner Kogler –, verleiht der überschaubaren Publikumsnachfrage eine zusätzliche, politisch pikante Note. Bleibt aus roter Sicht nur die Hoffnung nicht hinter Melanie Trump zu bleiben. Die Doku über die US-First Lady sahen in Österreich 193 Menschen, das Einspiel-Ergebnis blieb mit 2.000 Euro wohl unter den Erwartungen.
Kaum Clicks für "SPÖ eins"
Die Leere in den Kinosälen korrespondiert auf seltsame Weise mit der digitalen Performance der Partei. Während Babler als Vizekanzler und SPÖ-Chef die großen Linien der Politik mitgestaltet, kämpft sein hauseigener Sender „SPÖ eins“ um jede Minute Aufmerksamkeit. Die meisten Clips dümpeln im dreistelligen Bereich vor sich hin. Selbst das Format „Kein BlaBla mit Babler“, in dem der Parteichef direkt und ungefiltert zu den Bürgern sprechen will, wirkt momentan eher wie ein Zwiegespräch mit dem Algorithmus: Die erste Folge der zweiten Staffel erreichte zwei Stunden nach Veröffentlichung gerade einmal 52 Aufrufe.