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Tirol-Wahl: Mattle schließt Koalition mit FPÖ aus

Abwerzger sei "Scharfmacher und Statthalter von Kickl" .

Tirols ÖVP-Obmann und Landtagswahlspitzenkandidat Anton Mattle schließt eine mögliche Koalition mit der FPÖ und deren Obmann Markus Abwerzger nun definitiv aus. Mattle bestätigte am Mittwoch auf APA-Anfrage einen Bericht der Tirol-Ausgabe der "Kronen Zeitung". Dort wurde Mattle zitiert, dass eine Koalition mit den Blauen "undenkbar" sei. Abwerzger sah Mattle indes mit dieser Festlegung in der eigenen Partei "nicht mehrheitsfähig", wie er der APA sagte.

Als Begründung, weshalb er sich nun - entgegen der sonstigen Usance der Tiroler ÖVP - vor einer Wahl in Sachen Koalitionen deklariere, meinte Mattle zur APA: "Ich weiß, dass es in der Politik üblich ist, sich immer alle Optionen offen zu halten. Aber diese parteitaktischen politischen Spiele sind nicht das meine. Die Menschen sollen wissen, woran sie sind. Das ist mein politischer Zugang und meine innere Überzeugung."

Bis dato hatte Mattle, der sich derzeit mit sehr schlechten Umfragewerten konfrontiert sieht, eine Koalition mit der Tiroler FPÖ nicht ausgeschlossen, aber deutlich zu verstehen gegeben, dass er sie für "sehr unwahrscheinlich" halte, zuletzt im APA-Interview. Der frühere Bürgermeister von Galtür galt, wie Landeshauptmann Günther Platter, stets als kein besonderer Anhänger einer Zusammenarbeit mit den Freiheitlichen.

Neben dem "politischen Stil" der FPÖ, der nicht der seine sei und seinem "Verständnis einer Politik der Mitte" nicht entspreche, führte Mattle auch die Person Markus Abwerzger sowie die Haltung der Bundespartei zum Klimawandel ins Treffen. Abwerzger habe sich "leider von einem Abgeordneten, der früher durchaus gemäßigte Positionen vertreten hat, zum Scharfmacher und Tiroler Statthalter von Herbert Kickl entwickelt", so Mattle. Und Kickl habe erst vor wenigen Tagen im ORF-Sommergespräch "den Klimawandel geleugnet und ihn als Angst und Panikmache bezeichnet". "So etwas ist für mich indiskutabel, weil wir alle tagtäglich spüren, wie sich das Klima verändert und wie extreme Wetterereignisse zunehmen. Die Tiroler Energiewende als eines der zentralen Zukunftsprojekte ist für mich deshalb nicht verhandelbar. Mit einer Partei, die den Klimawandel als Hirngespinst abtut, geht das nicht", richtete der derzeitige Wirtschaftslandesrat den Freiheitlichen aus.

"Das kostet mich ein Schmunzeln. Mattle ist mit dieser Festlegung in der Tiroler ÖVP nicht mehrheitsfähig", reagierte unterdessen Abwerzger im APA-Gespräch. Er habe heute bereits Nachrichten von "sehr wesentlichen und namhaften Politikern in der ÖVP" erhalten, die ihm gegenüber betont hätten, damit nichts anfangen zu können und nicht einverstanden zu sein. Er gehe aber ohnehin davon aus, dass Mattle angesichts der Umfragewerte nach der Wahl "Geschichte" sein werde und andere Leute ans Ruder kommen. Die Regierungsverhandlungen würden nicht mehr von Mattle geführt werden, es werde vielmehr einen "Doppelrücktritt" von Mattle und Platter geben: "Mattle ortet offenbar Majestätsbeleidigung. Dabei ist er ohnehin nur ein Möchtegernkronprinz mit Ablaufdatum".

Der ÖVP-Landesparteiobmann sei ein "Grüner im Geiste", legte Abwerzger nach. "Wer Mattle wählt, wacht mit Schwarz-Grün auf", schloss der FPÖ-Obmann. Offenbar versuche der ÖVP-Spitzenkandidat einen "extremen Linksruck" vorzubereiten - mit einer erneuten Schwarz-Grün-Koalition oder indem man die NEOS als kleines "Beiwagerl" hinzugebe. Die Tiroler ÖVP stehe damit ganz im Gegensatz zu anderen "vernünftigen" ÖVP-Landesorganisationen wie etwa jener in Oberösterreich, die mit der FPÖ koaliert.

Die Kritik Mattles an seiner Person kann Abwerzger überhaupt nicht nachvollziehen: "Ich weiß nicht, was ihn da reitet. Ich habe mich nicht verändert, sondern bin immer derselbe geblieben".

Geht man nach den derzeitigen Umfragen, wäre eine Zweierkoalition für die ÖVP arithmetisch am ehesten noch mit der FPÖ möglich gewesen. Hinzukommen die Sozialdemokraten - auch mit ihnen liege eine Zweierkoalition, glaubt man den Demoskopen, in Reichweite. Mattle und seine ÖVP befinden sich seit längerem stark in der Defensive, derzeit weisen ihnen Umfragen nur rund 30 Prozent oder sogar darunter aus. 2018 hatte Platter - mit bundespolitischem Rückenwind - noch 44,26 Prozent eingefahren.