Vorwürfe

ORF: Wer jetzt aller ins Visier gerät

Die Causa Weißmann ist immer noch nicht entschieden. Dafür beschuldigen sich im ORF die unterschiedlichen Lager wechselseitig. 

Nach der Compliance-Prüfung kommt jetzt der ORF-Transparenzbeirat. Böse Zungen könnten fast behaupten, dass der ORF nach dem Fall Roland Weißmann versuche, die Sache in die Länge zu ziehen. 

Beirat wurde vom Stiftungsrat beschlossen 

Einige ORF-Mitarbeiter sehen auch tatsächlich das neue Video (das der ORF dann auch öffentlich aussendete), in dem ORF-Chefin Ingrid Thurnher den ORF-Mitarbeitern erklärt, dass der ORF nun alle kursierenden Vorwürfe „weisungsfrei aufklären“ solle – eher mit Unverständnis. Andere seien „angetan“. Vorsitzende des neuen Beirats soll jedenfalls die Chefin von Transparency international Austria sein. In Wirklichkeit hatte freilich bereits der Stiftungsrat vor zwei Wochen eine solche „Task Force“ gefordert. Wie auch immer. 

Dieser Beirat solle künftig Ratschläge geben. Noch immer nicht geklärt – zur Verwunderung vieler im ORF – ist hingegen die Causa Weißmann.
„Worauf warten die noch?“, fragt etwa ein ORF-Spitzenvertreter. Sehr viel arbeitsrechtliche Zeit hat Thurnher jedenfalls nicht mehr, um zu befinden, was mit Roland Weißmann zu geschehen habe.

Die Compliance-Stelle des ORF hat – wie berichtet – die ausführliche Stellungnahme der jungen ORF-Mitarbeiterin, die Weißmann des ungebührlichen Verhaltens und Machtmissbrauchs beschuldigte, sowie 50 ausgedruckte Chat-Seiten. Auch der vor drei Wochen als ORF-Chef zurückgetretene Roland Weißmann – er ist derzeit als Chefproducer vom ORF dienstfreigestellt – sagte vor der ORF-Compliance aus. Seine Sicht: Es sei eine „einvernehmliche emotionale Affäre“ gewesen. 

Noch dreimal so viele Weißmann-Chats als bekannt

Tatsächlich soll es noch dreimal so viele Nachrichten und nicht jugendfreie Fotos geben, die Weißmann der Mitarbeiterin geschickt hatte. Alle, die die 50 Seiten sehen konnten, ziehen keine schmeichelhafte Bilanz für Weißmann. Der seinerseits Anzeige gegen die Frau und deren Anwalt erstattet hatte. 

Thurnher könne erst entscheiden, wenn die Compliance-Stelle ihren Bericht finalisiert habe. Die ORF-Chefin – Weißmann hatte ursprünglich Forderungen von 3,2 Millionen Euro an den ORF gestellt – wolle Fehler vermeiden. Konkret wird im ORF auch das Vorgehen der ORF-Stiftungsratsspitze Heinz Lederer und Gregor Schütze kritisiert.

Zeiler kritisiert Stiftungsräte

Ähnlich wie es auch Ex-ORF-Boss Gerhard Zeiler nun öffentlich gesagt hatte, hätte Weißmann beim Auftauchen der Beschuldigungen umgehend suspendiert gehört und die Causa durch externe Experten überprüft werden müssen.
Nun sind freilich auch Lederer und Schütze wegen ihrer Lobbying-Geschäfte im Visier des Weißmann-Lagers. Aber auch andere Stiftungsräte geraten in Bedrängnis. 

Wrabetz im Visier von ÖVP-Kreisen 

Und last, but not least geht es nun wieder verstärkt um ORF-Manager Pius Strobl und dessen ORF-Zusatzpensionsvertrag – der ORF habe dafür Rücklagen von 2,3 Millionen Euro gestellt – und um Ex-ORF-Boss Alexander Wrabetz, der ihm diesen 2010 zugesichert habe.
Letzterer dürfte vor allem verstärkt ins Visier von ÖVP-Kreisen geraten, die fürchten, dass Wrabetz im ORF – sei es als Generaldirektor oder als Stiftungsratsvorsitzender – ein Comeback feiern könnte.

All das könnte dann auch den neuen ORF-Beirat beschäftigen, der erste Ergebnisse vor dem Sommer präsentieren soll.So viel Zeit haben die ORF-Compliance und Thurnher nicht mehr. „Hier laufen Fristen ab“, sagen mehrere Arbeitsrechtler. Und die zahlende Öffentlichkeit dürfte das ähnlich sehen.

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