Der Bundespräsident will "Bubbles" durchbrechen. Aber ist die Politik nicht selbst eine große Blase?
Er folge jetzt seinem einstigen Kontrahenten Norbert Hofer und empfehle dem einstigen FPÖ-Hofburg-Kandidaten jetzt dafür Greta Thurnberg zu folgen. Egal, ob auf Twitter, Instagram - auf TikTok sollten Politiker, denen ihre Daten wichtig sind eigentlich rarer sein - oder Facebook, Bundespräsident Alexander Van der Bellen möchte "Blasen platzen" lassen.
Damit ist nichts anderes gemeint als das, was man in den USA seitjeher "walk a mile in his or her shoes" bezeichnet. Gehe ein paar Meter in seinen oder ihren Schuhen, um ihre Perspektive zu verstehen.
Manche Bubbles muss man meiden
Das Bubble-Phänomen ist nicht erst durch social Media - früher sagte man teils "Klassen" dazu - entstanden, es ist nur sichtbarer und zum Teil verschärfter geworden.
Hofer lehnt das Ansinnen des Staatsoberhauptes übrigens ab. In der Sache hat Van der Bellen Recht - ja, man sollte andere Perspektiven kennenlernen, man sollte versuchen einander zu verstehen. Aber das geht nicht immer. Und es sollte auch nicht immer das Ziel sein jeden zu verstehen. Wer zum Beispiel "Ihr Juden" als vermeintliches Schimpfwort Richtung ORF-Journalisten brüllt, sollte man nicht folgen - weder in der virtuellen, noch in der realen Welt. Da gibt es nicht großartig etwas zu verstehen: Antisemiten bleiben Antisemiten. Genauso wenig müssen (oder sollten Sie) Islamisten folgen. Und, nein, Sie müssen auch keinem folgen, der Sie beschimpft oder gar bedroht.
Was wir aber tatsächlich bräuchten - und das ist wohl Van der Bellens Punkt - ist eine echte Konfliktkultur. Wir sollten als Staat - und da ist besonders die Politik gefordert - endlich lernen wirkliche Debatten zu führen.
"Klassenkämpfer" versus "Huren der Reichen"
Debattieren kann man freilich Ansichten und Meinungen - Fakten sind dafür nicht geeignet. Den Klimawandel gibt es, der Juli war der heißeste seit Aufzeichnung von Temperaturen - das ist keine Blase, das ist Fakt. Wie man dagegen am besten vorgeht, das ist sehr wohl ein Thema für Debatten. Und das sollten man weder mit "Ihr zerstört die Menschheit", noch mit "Ihr seid alle Hysteriker" führen. Das wären wiederum Blasenphänome.
Selbiges gilt für die Teuerung und gerechte Vermögensverteilung. Sie können für oder gegen Millionärssteuern sein, man sollte aber darüber diskutieren können, ohne gleich als "Klassenkämpfer" verächtlich gemacht zu werden. Gleichzeitig soll man aber auch Einwände dagegen formulieren dürfen, ohne sofort als "Hure der Reichen" beschimpft zu werden.
"Entweder Du bist für mich oder Du bist mein Feind", ist die größte Bubble überhaupt. Und die findet sich auffallend oft in der Politik. Und wem sollen Sie nun folgen? Wem immer Sie wollen. Aber immer nur die eigene Meinung zu hören, könnte vielleicht auf Dauer auch fad werden, oder?