ÖVP-Staatssekretär Alexander Pröll im oe24.TV-Interview.
Am Mittwochabend war Digitalisierungs-Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) zu Gast bei oe24.TV. Im Interview erklärte er, wo KI künftig Beamte ersetzen soll, wo sie bereits jetzt in der Verwaltung im Einsatz ist, wann das Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche kommt und was er zu Anti-Israel-Protestesten rund um den ESC sagt.
oe24.TV: Herr Staatssekretär, Sie haben vergangene Woche einen Hackathon im Kanzleramt abgehalten, um KI-Prototypen für die Verwaltung zu entwickeln. Ist da was Konkretes rausgekommen?
Alexander Pröll: Die prinzipielle Idee dieses Hackathons ist es, junge Talente an die Verwaltung heranzuführen und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln. Weil wir sagen in der Verwaltung, wir wollen auch Talente von außen anziehen, um gemeinsam den Staat Österreich weiterzuentwickeln. Es haben sich über 200 Studierende beworben. Knapp 20 haben an den konkreten Lösungen gearbeitet. Wir haben fünf Ideen vorgegeben, die jetzt ausgearbeitet wurden. Wir sind gerade in der nächsten Phase, um zu prüfen, ob sich die Ideen auch in die Verwaltung überführen lassen. Aber ich kann nur sagen, innerhalb von 24 Stunden ist da echt viel entstanden.
oe24.TV: Wo wird denn KI in der Verwaltung überall schon eingesetzt derzeit?
Pröll: Es gibt ganz, ganz, ganz viele Produkte. Im Wirtschaftsministerium gibt es vieles und wir gründen jetzt gerade die Plattform, die heißt Public AI, also quasi öffentliche KI, wo wir die ganzen Anwendungsfälle, die ganzen Use Cases auch veröffentlichen. Der prominenteste Fall ist wahrscheinlich GovGPT. Also wenn man so möchte, Chat-GPT für die öffentlich Bediensteten, die natürlich dieses Produkt in einem sicheren Umfeld verwenden dürfen und können. Wir sehen, in den nächsten 13 Jahren gehen 44 Prozent der öffentlich Bediensteten in Pension und wir werden dann nur jede zweite Stelle im Verwaltungsdienst nachbesetzen. Das heißt, der Staat wird automatisch schmäler und dieses Delta, also dieser schmäler werden können wir durch Einsatz von Digitalisierung und KI bestmöglich abfedern.
oe24.TV: Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz spielt sich größtenteils nicht in Europa ab, sondern in Amerika, in Asien. Welche Rolle kann Österreich da überhaupt spielen?
Pröll: Ganz ehrlich gesagt, Österreich und Europa wird nicht das nächste Instagram, TikTok oder Co gründen. Ich glaube, es geht sehr stark für uns darum: Wie schaffen wir es, die
heimischen Betriebe, die großartigen Unternehmen produktiver und effizienter zu machen durch den Einsatz von KI. Das nennen wir die sogenannte vertikale Integration von KI.
oe24.TV: Jetzt bewerben Sie ja sehr stark die ID Austria, die ja Verwaltungswege vereinfachen soll und digitalisieren soll. Wie viele Nutzer gibt es da jetzt mittlerweile?
Pröll: Wir haben knapp 5 Millionen ausgestellte ID Austrias. Ich finde, das ist schon eine sehr beeindruckende Zahl, knapp 50 % der Österreicherinnen und Österreicher. Ab 14 Jahre ist das möglich und wir schauen wirklich auch sehr, dass wir diese ID Austria weiter unter die Menschen bringen. Wir werden jetzt im Sommer eine ID Austria Service Tour 2.0 machen. Ich werde zwei Monate lang intensiv in den Bundesländern unterwegs sein, damit wir die ID Austria, das Amt zu den Menschen bringen und nicht umgekehrt. Das ist ein extremer Aufwand, aber den tun wir gerne, weil wir uns als Diener für die Menschen verstehen. Und wir suchen noch motivierte Praktikantinnen und Praktikanten, die bei dieser Service Tour mit dabei sind.
oe24.TV: Wo könnte man die ID Austria dann noch einsetzen? Was schwebt Ihnen da vor?
Pröll: Wir haben jetzt circa 90 Prozent der Amtswege bereits digitalisiert. Aber was ich extrem gerne machen würde ist, dass wir wie bei Chat GPT zum Beispiel, der Bürger, die Bürgerin, der Unternehmer einfach eintippen kann "Ich möchte meine Photovoltaik-Förderung beantragen" oder "Ich möchte mich ummelden" und das System automatisch im Hintergrund prüft und diese Ummeldung vornimmt oder diese Photovoltaik-Förderung beantragt. Das heißt, eine total einfache Version, dass ich nur noch ein Eingabefeld habe als Bürgerin und Bürger und ich an die passende Stelle weitergeleitet werde.
oe24.TV: Kommen wir noch zum Social-Media-Verbot, das die Regierung ja präsentiert hat. Wie geht es da jetzt weiter?
Pröll: Im Juni soll der erste Entwurf stehen. Wir hatten in der Zwischenzeit zwei Roundtables, werden einen weiteren Roundtable machen, auch mit den Plattformen, weil man die natürlich auch hören muss, wie sie gewisse Dinge sehen. Im Juni soll das Gesetz in Begutachtung gehen. Über den Sommer quasi der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen mit Rückmeldungen, vielleicht gibt es da auch noch kluge Verbesserungsvorschläge. Die Schlussfassung im Herbst und dann mit Anfang 2027 tatsächlich auch die Umsetzung.
oe24.TV: Die ID Austria als Altersverifikation?
Pröll: Das kann eine Möglichkeit sein. Was mir wichtig ist, es soll kein Zwang bestehen. Das heißt, das kann eine von mehreren Optionen sein. Aber wir sind auch international im engen Austausch.
oe24.TV: Wurde schon fixiert, welche Plattformen betroffen sind?
Pröll: Das ist auch Teil der Erarbeitung bis Juni. Uns geht es sehr stark um die Logik der Algorithmen. Also um diese Systeme, die süchtig machen. Es geht konkret um das Aussprechen um Instagram,
um TikTok, um Snapchat und um YouTube. Das sind jetzt mal die Plattformen, die wir da im Besonderen im Auge haben.
oe24.TV: Aber WhatsApp wird nicht beinhaltet sein? Viele Eltern kommunizieren ja auch mit ihren Kindern über WhatsApp.
Pröll: Ich sehe WhatsApp eher als Tool der Kommunikation miteinander. Vor allem, wie Sie gerade gesagt haben, auch zwischen Eltern und Kindern. Und darum würde ich das eher nicht als die
Plattform sehen, die auch nicht diese Logik der schnell wiederkehrenden Videos haben, wo man stundenlang sich in der Plattform aufhält.
oe24.TV: Abschließend möchte ich noch zu einem ganz anderen Thema kommen. Diese Woche findet der Eurovision Song Contest in Wien statt. Sie sind ja in der Bundesregierung nicht nur für die Digitalisierung zuständig, sondern auch für den Kampf gegen Antisemitismus. Wie sehr ärgert Sie der Protest gegen Israel?
Pröll: Ganz ehrlich, sehr. Österreich mit dieser historischen Verantwortung, die wir haben, da ist das für mich persönlich ein absolutes No-Go. Es ist ganz klar, dass Israel daran teilnehmen kann und soll und muss. Und das ist das wichtigste Zeichen aus meiner Sicht. Und was ich nicht ganz verstehe ist, der Song Contest soll United by Music, Verbindung sein. Ein Musikfestival, etwas Positives, dass das so politisch vereinnahmt wird, finde ich persönlich nicht gut.