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Bildungspolitik

Schub für die Schule

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Bildungsministerin Elisabeth Gehrer verabschiedet sich in den Ruhestand. In der Bildungspolitik werden die Karten neu gemischt.

"Wir haben noch nicht den Auftrag, darüber nachzudenken", so die ÖVP-Politikerin Gertrude Brinek gegenüber ÖSTERREICH. Die abgestrafte Kanzlerpartei lässt sich bei den bildungspolitischen Schwerpunkten für die Koalitionsverhandlungen noch nicht in die Karten schauen. "Ganz sicher ist, dass wir alles Bisherige nicht einfach über den Haufen schmeißen. " Manches müsse allerdings weiterentwickelt werden. Doch: Mit bloßer organisatorischer Änderung – wie in Form einer Gesamtschule – sei es jedenfalls nicht getan. "Wie konnte es passieren, dass 20 Prozent der Pflichtschüler nicht ausreichend lesen können", fragt sich die schwarze Abgeordnete. Probleme müssten identifiziert werden und die Expertise, die auf dem Tisch liege, sollte berücksichtigt werden.

Große Bildungsreform. Ein Forderungskatalog eines Experten ist das in ÖSTERREICH präsentierte Zehn-Punkte-Programm von PISA-Chef Günter Haider. Die SPÖ hat es ausdrücklich begrüßt. Haiders Forderungen vor der Nationalratswahl umfassten ein Kurssystem in der AHS-Oberstufe, was ein Aufheben des Sitzenbleibens bedeuten würde, sowie eine "kleine Matura" mit 14, weiters Ganztagsbetreuung und kleinere Lerngruppen. Über eine Gesamtschule könne man reden. Für den Bildungsexperten, der auf Seiten der SPÖ als heißer Anwärter für die Gehrer-Nachfolge gehandelt wird, ist sie derzeit aber kein vordringliches Anliegen.

Viele Vorschläge. Auch die Industriellenvereinigung bastelt derzeit an einem Bildungsprogramm, das laut Gerhard Riemer, Bereichsleiter Bildung, zur Regierungsbildung fertig sein soll. Riemer will belastete Begriffe wie Gesamtschule und Ganztagsschulen nicht mehr verwendet wissen. Ein " breites Angebot an ganztägiger Betreuung" müsste Bestandteil einer modernen Berufswelt sein, heißt es stattdessen. Die Bildungspolitik dürfe nicht allein den Pädagogen überlassen werden, die Wirtschaft soll eingebunden werden.

Im Konsens. Schulstrukturelle Veränderungen sollten im Konsens erfolgen, hofft Werner Specht, Leiter des Zentrums für Schulentwicklung in Graz. " Ich würde die Ära Gehrer nicht in Bausch und Bogen verdammen, es gab eine Menge guter Konzepte." Gerade diese Fülle an Konzepten müsste nun zusammengeführt werden.

"Ich habe bisher kein Land kennengelernt, wo die bildungspolitische Debatte dermassen parteipolitisch geführt wird", bedauert auch der Salzburger Universitätsprofessor Anton Bucher. Die Gesamtschule wäre ein vernünftige Maßnahme, dringend wäre aber auch für ihn ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen.

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