So Schrott ist der Eurofighter

Jet hat schwere Mängel

So Schrott ist der Eurofighter

Alle Eurofighter-Jets des Bundesheeres sind von einem Herstellungsfehler betroffen.

Die Misere um Österreichs 15 Eurofighter geht weiter: Die Herstellerfirma (ehemals EADS, jetzt Airbus Defence & Space) warnte vor schweren Produktionsmängeln bei den Fliegern.

  • Bei Qualitätskontrollen habe man „einen Herstellungsfehler an einer großen Anzahl von Bohrungen am Rumpfhinterteil festgestellt“, so ein interner Bericht an das deutsche Parlament. Konkret handle es sich um „unzureichende Entgratungen“.

Lebensdauer 
reduziert!

  • Nach dem Bekanntwerden der Mängel forschte das österreichische Verteidigungsministerium nach. Ergebnis: Auch unsere Flieger sind betroffen. Zwar sind die genauen Auswirkungen der Fehler auf die Flugsicherheit noch unklar. Aber der Hersteller senkte die Lebensdauer von 6.000 Flugstunden um gleich zwei Drittel auf lediglich 2.000 – als „Sicherheitsfaktor“.
  • Laut Bundesheer wird dieser Wert erst in 15 Jahren erreicht. Kein Wunder bei dem Minibetrieb: Es gibt nur noch 12 Piloten für die 15 Flieger. Ein Flugbetrieb ist zudem nur bei Tageslicht möglich. Budgetlöcher tun ihr Übriges dazu, dass die Eurofighter in Österreich die meiste Zeit im Hangar stehen – und dennoch zweistel­lige Millionenbeträge an Betriebskosten verschlingen.
  • Doch gerade diese fest­gestellten Mängel könnten Österreich nun von den 15 Schrott-Jets befreien, geht es nach dem Sicherheitssprecher der Grünen, Peter Pilz (siehe Interview rechts). Bei den Eurofightern spricht er von der „teuersten Fehlinvestition der Zweiten Republik“. Er fordert: „Jetzt muss das Geld zurück!“ Österreich könne vom Kaufvertrag zurücktreten: Entweder man fordere den Kaufbetrag (gut 1,5 Milliarden Euro) zivilrechtlich zurück, oder man bekommt im Rahmen eines „Deckungskaufs“ andere Jets um den Kaufpreis.
  •  Warum erfährt Österreich zuletzt vom Baufehler? Das Verteidigungsministerium erhielt bereits im August einen Brief vom Eurofighter-Hersteller mit Informationen über die Mängel. Doch der Brief wurde nicht an Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) weitergegeben.

Erst bei einem Treffen mit den Wehrsprechern der Parlamentsparteien am Mittwoch erfuhr Klug von diesen Mängeln. Eine Rechtfertigung folgte: Der Hersteller habe im August einen Austausch der betroffenen Teile versprochen.

E. Kühnelt

Diashow: Die ganze Eurofighter-Pannenliste

Heeresreform: Neuer Katastrophenschutz

Am Freitag wird SPÖ-Verteidigungsminister Gerald Klug seine Heeresreform offiziell präsentieren. Jede Menge Widerstand ist ihm sicher. Denn der Minister muss sparen und will das Bundesheer trotzdem „zukunftsfit“ machen:

  • 20 Streichungen: 20 bisherige Fixposten – sechs Kasernen, mehrere Militärkapellen und kleinere Stützpunkte – werden eingespart.
  • Spezialisierung für Pioniere: Der Katastrophenschutz soll eine tragende Säule der Bundesheer-Aufgaben bleiben. Allerdings wird es auch hier Umstrukturierungen geben. Die Pioniere werden für verschiedene Bereiche spezialisiert.
  • Auslandseinsätze: Auch die Auslandseinsätze – rund 1.200 Soldaten in UNO-Aufgabengebieten – bleiben gewahrt. Hier hat Klug sich gegen Forderungen, diese zu streichen, gewehrt. Der Hintergrund: Die Blauhelme werden unter schwierigsten Bedingungen – etwa im Kosovo oder Libanon – auf den Ernstfall trainiert. Das komme auch dem Heer daheim zugute.

Grünen-Sicherheitssprecher Peter Pilz: "Eurofighter nicht mehr zu betreiben"

ÖSTERREICH: Wie schlimm steht es um die Eurofighter?
Peter Pilz: Sie sind eigentlich nicht mehr betriebsfähig – keine Ersatzteile, die Piloten laufen davon, es gibt kein Benzin. Jetzt kommt die Meldung aus Deutschland noch dazu. Klar ist: Wenn mein Geschäftspartner nur ein ­Drittel der versprochenen Leistung liefert, können die nicht glauben, dass wir den vollen Kaufpreis bezahlen. Jetzt muss das Geld zurück!

ÖSTERREICH: Wie viel Geld kann sich Österreich zurückholen? Wie schnell geht das?
Pilz: Ich bin dafür, den gesamten Kaufpreis zurückzuholen. Es ist nicht einzusehen, warum wir auch nur auf einen Cent verzichten sollten. Das geht nicht innerhalb einiger Wochen, aber man muss jetzt anfangen. Deshalb meine Forderungen an den Minister: Eurofighter stilllegen und das Geld zurückholen.

ÖSTERREICH: Was erhoffen Sie sich von der Heeresreform?
Pilz: Ein Bundesheer mit allen alten Strukturen, mit zwei Drittel Verwaltung, einem Drittel Soldaten – das kann und soll nicht mehr finanziert werden. Entweder gibt’s ein neues Bundesheer, oder es werden bald die ersten Offiziere aufstehen und sagen: Die Alternative heißt zusperren.

(küe)



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