Strache zu Ibiza-Video: 'Viel Scheiß geredet, aber nichts angestellt'

oe24 hat das ganze Video

Strache zu Ibiza-Video: 'Viel Scheiß geredet, aber nichts angestellt'

Ein Datenstick liefert noch mehr Brisantes, neue Sätze über Parteispenden und spannende Szenen in der Ibiza-Finca.

Für ÖSTERREICH war schon alleine die Übernahme der diesmal ersten kompletten Abschrift des Ibiza-Videos ziemlich aufregend: Noch vor den Abgeordneten des nach der Sommerpause wieder tagenden Untersuchungsausschusses hatte die ÖSTER-REICH-Chefredaktion den kleinen, schwarzen Datenstick auf dem Schreibtisch im Newsroom, Tage vor vielen Mitbewerbern.

Warum dieses Video so viele Monate geheim gehalten worden ist, warum diese Komplett-Version so lange niemandem gezeigt worden ist, war rasch klar: Zahlreiche Stellen, die von der "Süddeutschen Zeitung" und vom "Spiegel" im Mai 2019 nicht veröffentlicht worden sind, zeigen ein Gesamtbild, das wesentlich mehr Information über das Gesagte von Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, aber auch über die Gesamtsituation in der Finca in San Rafel de sa Creu auf Ibiza liefert.

Der Finca-Abend endet erst um 3.50 Uhr

Sieben Stunden und zwei Minuten an Video-Text tippten jetzt tagelang die Ermittler der Soko Ibiza mithilfe von Russisch-Experten ab: Alles, was Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, Ex-FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus und dessen Gattin Tajana und die falsche Oligarchin Alyona Makarov sowie ihr "Führungsoffizier" am 24. Juli 2017 von 20.48 Uhr bis 3.50 Uhr sagten, ist dokumentiert.

Die 189 Seiten zeigen erneut, dass bisher viel von diesem Abend nicht veröffentlicht wurde.

Zwar werden viele bisher bekannte Stellen, die Heinz-Christian Strache belasten (jene über seinen Haselsteiner-Boykott, über parteinahe Vereine, über sich als "neuen Orbán"), erneut bestätigt, doch es gab noch wesentlich mehr, was bisher geheim gehalten worden ist. Hier sind die wichtigsten Punkte:

  • So nannte Strache nicht nur die Milliardärin Heidi Horten und den Waffenproduzenten Gaston Glock als mögliche Parteispender, sondern auch den Industriellen Siegfried Wolf, der auch Aufsichtsratspräsident der Österreichischen Industrieholding AG (ÖIAG) ist. Zusätzlich erwähnt der Ex-FPÖ-Chef auch Porsche. Zitat: "Schau, jetzt zum Beispiel geht die ganze Partie rund um Siegi Wolf und Porsche und Benko alle die haben über 20 Millionen bereits für Kurz in den Topf geworfen." Auch diese Aussage wird im U-Ausschuss jetzt zum Thema werden.
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     Strache nennt Wolf und Porsche als Parteispender
  • Und der Ex-Vizekanzler spricht auch offen über seine Wahrnehmung zum anscheinenden Umgang der Parteien mit dem Rechnungshof: "Die gehen in den Wahlkampf rein und hauen 20 Millionen rein (Anm.: die Spender). Und brauchen dann Hausnummer bei der Partei nur eine Überschreitung melden, das dem Rechnungshof und zahlen 600.000 Euro Strafe."
  • Ebenfalls vertraulich blieb bis zur Veröffentlichung durch ÖSTERREICH ein seltsames Treffen von Johann Gudenus mit der falschen Millionärin in der Küche der Finca, es dürfte schon weit nach Mitternacht stattgefunden haben. Offenbar aufgrund eines Verdachts stellte der Ex-FPÖ-Klubchef die gebürtige Russin zur Rede, er will plötzlich ihren Reisepass sehen, beide sprechen Russisch: "Ich habe sofort überprüft, deinen Pass." Sie ist überrascht: "Wie bitte?" Gudenus darauf: "Den Pass. Wer bist du?"

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Die falsche Alyona Makarov, nach der mittlerweile weltweit gefahndet wird, antwortet: "Hast du dich erkundigt? Mein Pass? Und?" Gudenus: "Weißt du, warum ich frage?" Und 30 Sekunden später: "Ich weiß über dich nichts. Ich habe ein wenig erfahren Wo ist dein Pass?"

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 Gudenus fragt falsche Oligarchin nach Wohnort: "Ich bin immer irgendwo"

Als der Haupttatverdächtige ebenfalls in die Küche kommt, ist dieses Gespräch abrupt beendet. Was irritiert: Johann Gudenus sagt kein Wort von diesem Gespräch seinem damaligen Freund und Parteichef Heinz-Christian Strache.

Lob für den Senior- Chef der »Krone«

Wie die Industriellen sollten bisher offenbar noch andere prominente Österreicher selektiv geschützt und aus dem Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit gehalten werden: Der Name eines bekannten Juristen, über den Strache im Video minutenlang wetterte, blieb auch jetzt in der Video-Abschrift geschwärzt.

Jedoch wurde jetzt alles abgedruckt, was Heinz-Christian Strache über die Herausgeber-Familie der "Kronen Zeitung" sagte: Es gibt minutenlanges Lob für den 2010 verstorbenen Senior-Chef Hans Dichand. Der Ex-Vizekanzler wörtlich: "Der Typ war gut. Ein Sir. Exzellent. Die Jungen, pah."

Strache über junge Dichands: »Die waren zu blöd«

Weniger positiv äußert sich der Ex-FPÖ-Chef hingegen über die nächste Dichand-Generation: "Und dann hast du die Inseratengeschichten. Schau, der alte Dichand hat das perfekt gemacht. Der Alte. Die Jungen nicht mehr. Die waren zu blöd. Der Alte hat die Zeitung zu einer Volkszeitung aufgebaut."

Strache spricht über den »israelischen Piraten«

Ebenfalls spannend ist, dass der Haupttatverdächtige, der den Lockvogel zu dirigieren scheint, ganz klare Pläne präsentiert, wie er mit Hilfe eines Geschäftsführers das bisherige Redaktionsteam der "Krone" ersetzen will: "Dass man quasi einen Manager einsetzt. Und diese investigative Gruppe wird quasi wie eine Sondereinheit geführt, die nur unter dem Management steht."

Und noch eine besonders seltsame Konversation überrascht in den ohnehin sehr schrägen Gesprächen: Heinz-Christian Strache spricht plötzlich über den hier in Österreich zu zweifelhaftem Ruhm gekommenen Politikberater Tal Silberstein. Er nennt ihn den "israelischen Piraten" und meint dann: "Ich habe ja das Glück, dass ich und da schicken die mir Profis, die den neutralisieren. Das heißt, rund um den Netanjahu gibt es Leute, die mir zuspielen."

Strache wollte sogar in der Finca übernachten

Wird nach der letzten der 189 Seiten der bisher geheimen Video-Abschrift Bilanz gezogen, könnte sie so ausfallen: Die Sätze, die Strache belasten, existieren weiterhin. Auch Sager in der Abschrift zu einem "Krone"-Anteilskauf durch die "Oligarchin" wie "Joschi, mach das klar", könnten dem Staatsanwalt ins Auge springen. Über eine strafrechtliche Relevanz wird die Justiz entscheiden.

Jedoch zeigt sich jetzt mit der Komplett-Abschrift des Videos auch: Der Ex-FPÖ-Chef hat immer wieder betont, "nichts Illegales machen zu wollen". Und zu ÖSTERREICH meinte Strache in einer ersten Reaktion: "Ja, ich hab dort in der Finca viel Scheiß geredet. Aber ich habe nichts angestellt. Ich hab hundertmal gesagt, dass es mit mir nichts Verbotenes geben kann."

Bei seinen Fans, die er jetzt für die kommende Wien-Wahl mobilisieren will, werden diese Sätze gut ankommen. Seine Kritiker werden sich hingegen durch die Passagen über Vereine und "Krone"-Kauf bestätigt fühlen.

Dass er laut Aussagen in der Video-Abschrift derart alkoholisiert war, dass er sogar in der Finca schlafen wollte, blieb bis zu dieser Woche ebenfalls unveröffentlicht.

Richard Schmitt

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