Diashow Stronach-Partei zerstört sich selbst

Krisensitzung

Stronach-Partei zerstört sich selbst

Team Stronach gewährt Nachbaur einen Rückzug ohne Gesichtsverlust.

Frank Stronach wollte in Kanada nicht zu früh geweckt werden: Und so trat der Parlamentsklub des Team Stronach am Dienstag erst gegen 14 Uhr (acht Uhr Ortszeit bei Frank in Aurora) zusammen. Denn der Parteigründer wollte selbst per Telefon die Regie der Krisensitzung führen.

Nach dreieinhalb Stunden endete das Treffen: Stronach gewährt Nachbaur einen Abgang ohne Gesichtsverlust. Heißt konkret: Sie bleibt vorerst Klubchefin. Allerdings wird sie das Amt bei der Geburt ihres Kindes – das dürfte im März sein – sehr wohl zurücklegen. Ihr Nationalratsmandat und damit die Gage von 8.300 € soll Nachbaur behalten. Vorerst. Stronach selbst soll die sofortige Demontage seiner Ex-Vertrauten per Telefon verhindert haben: "Man darf die Kathrin nicht beschädigen."

Neuer starker Mann bei Stronach ist eine Frau

Neue starke Frau im Team Stronach wäre dann Waltraud Dietrich. Sie ist schon jetzt geschäftsführende Klubobfrau und kassiert als solche die erhöhte Gage von 14.300 Euro. Sie wird dann quasi „Alleinherrscherin“ im Klub. Die Steirerin könnte eine Schlüsselrolle im Wahljahr 2015 spielen, ist doch die Steiermark das einzige Bundesland, in dem Stronach antreten will.

Wie viel Geld erhält Nachbaur für Rückzug?
Offen ist, ob Nachbaur für ihren Rückzug nicht doch Geld erhält. Intern war von einem "Package" die Rede. Nachbaur selbst sprach nach der Sitzung von „charakterlosen Intriganten“, die die "dreistesten Lügengeschichten" erzählt hätten. Das habe sie sehr belastet und gekränkt. "Die zuletzt kolportierten Zahlen (900.000 Euro, Anm.) entbehren jeder Grundlage", so Nachbaur.

Ist das Team Stronach jetzt am Ende? "Die Partei lag bisher bei einem Prozent und niemand glaubt, dass das Team Stronach durch diese Ereignisse jetzt mehr Stimmen erhalten wird", sagt der Politologe Peter Filzmaier. (fis, gü, prj)

Auf der nächsten Seite gibt es den Live-Ticker zum Nachlesen.


 19:04

Die geschäftsführende Klubchefin Dietrich geht auf jeden Fall davon aus, dass der Klub nun wieder geschlossen auftreten wird: "Das Team ist auf jeden Fall geeint."

 18:51

Wird Dietrich auch Vize-Parteichef?

Zurückhaltend zeigte sich die zukünftige Klubchefin auf die Frage, ob sie auch den vakanten Posten des Vize-Parteichefs - de facto also des Statthalters von Parteigründer und Obmann Frank Stronach in Österreich - übernehmen möchte.

 18:45

Kathrin Nachbaur sieht man die Unruhe der letzten Tage an: "In den letzten Tagen habe ich sehr viel erlebt", so die Klubobfrau. Die Meldungen um ihre Person hätten "sie sehr, sehr belastet und gekränkt".

 18:33

So demonstrierte das Team Stronach nach der Krisensitzung Einigkeit:

Team Stronach © APA

 18:23

Lugar: "Problem gelöst"

Mandatar Robert Lugar sieht in der Einigung eine "gute Lösung". Von der massiven Kritik Nachbaurs, die in der Pressekonferenz von "Intriganten" gesprochen hatte, welche falsche Gerüchte über sie in Umlauf gesetzt hätten, fühlt er sich nach eigenem Bekunden nicht angesprochen. "Ich bin im besten Einvernehmen mit ihr", sagte Lugar. Die Gerüchte seien von anderer Seite gekommen.

 18:18

Dietrich: "Zusammenhalt groß"

Nachbaurs künftige Nachfolgerin Waltraud Dietrich zeigte sich stolz über das Team. Dieses habe einmal mehr gezeigt "wie groß der Zusammenhalt ist".

 18:16

Zwischen Stronach und ihr habe es eine Aussprache gegeben. "Wir haben Meinungsverschiedenheiten, aber das ist menschlich", so Nachbaur.

 18:13

Keine Vertrauensabstimmung

Eine Vertrauensabstimmung gab es bei der Krisensitzung nicht. Zu jüngst kolportierten Zahlen über ihre Ablöse betonte Nachbaur, diese entbehrten jeder Grundlage. Fakt sei, dass Frank Stronach und sie ihren Vertrag mit der Stronach-Group mit Ende des Jahres auflösen. Ansonsten gebe es keine Zahlungen.

 18:08

Sichtlich erleichtert - so strahlt Kathrin Nachbaur nach der Krisensitzung:

Kathrin Nachbaur © APA

 17:42

Nach ihrem Rücktritt will Nachbaur einfache Abgeordnete und Wirtschaftssprecherin des Team Stronach bleiben.

 17:38

Applaus für Nachbaur

Nachbaur erhielt bei der abschließenden Pressekonferenz mehrfach demonstrativ Applaus von den Abgeordneten. Sie sei weiter "stolzes Mitglied im Team Stronach Steiermark" und stehe zu den Werten Frank Stronachs.

 17:31

"Starke Frau" Waltraud Dietrich

Waltraud Dietrich (55) sitzt seit Herbst 2013 für das Team Stronach im Nationalrat. Zuvor war sie lange Jahre FPÖ-Landtagsabgeordnete in der Steiermark (1996-2005).

Waltraud Dietrich © APA

 17:15

Nachbaur bleibt

Kathrin Nachbaur bleibt vorerst Klubchefin des Team Stronach. Nach der Geburt ihres Kindes übernimmt Waltraud Dietrich als Klubchefin.

 17:10

Bleibt Nachbaur? Eine Entscheidung steht derzeit noch aus.

 16:38

Ergebnis um 17 Uhr?

Ein Ende der Sitzung wurde für etwa 17 Uhr angekündigt. Die vor dem Stronach-Hauptquartier wartenden Journalisten werden von Partei-Mitarbeitern mit Tee versorgt.

 16:34

Nach Einigkeit sieht es beim Team Stronach nicht aus. Die Krisensitzung dauert nun seit fast drei Stunden an.

 15:46

Einer der Opponenten Nachbaurs ist der burgenländische Landeschef Rouven Ertlschweiger. Er habe nicht verstanden, warum Nachbaur ausgetreten sei. Für ihn sei eine Parteimitgliedschaft das Mindeste für eine Klubobfrau. Er selbst will nicht Klubchef werden.

ertlschweiger.jpg © APA

 15:08

Die Krisensitzung dauert an - noch ist nichts fix.

 14:53

"Sehr emotional"

Einer der 11 Abgeordneten meldet sich aus der Sitzung bei ÖSTERREICH: Es gehe "sehr emotional" zur Sache.

hstro.jpg © APA

 14:28

Einen launigen Kommentar gab es von Mandatar Georg Vetter: Man werde in der Sitzung "schrecklich streiten" und anschließend berichten, dass man in einer konstruktiven Sitzung einen schwungvollen Neuanfang gemacht habe.

 14:05

Nachbaur Mitglied in steirischer Landespartei

Kathrin Nachbaur ist nach wie vor Mitglied der steirischen Landespartei, wie die steirische Landeschefin Waltraud Dietrich bestätigte.

 13:58

Auch andere Abgeordnete wollten sich vor der Sitzung auf nichts festlegen. Bundesrat Gerald Zelina betonte, er stehe hinter allen Abgeordneten und Parteigründer Frank Stronach. Mandatar Leo Steinbichler hielt fest, dass es gut sei, wenn Nachbaur mitarbeite, ob nur als Abgeordnete werde man sehen. "Ich denke, dass alles positiv enden wird", meinte Abgeordnete Ulla Weigerstorfer.

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 13:49

Reges Medieninteresse vor der Zentrale des Team Stronach in Wien: Kathrin Nachbaur bahnte sich vor der Krisensitzung ihren Weg durch die Traube der wartenden Journalisten. Nachbaur wollte vor der Sitzung nichts sagen und verwies darauf, dass sie nachher vor die Medien treten werde.

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 13:39

Die Sitzung findet ausgerechnet in jenem Raum statt, in dem schon das eine oder andere Krisentreffen des BZÖ über die Bühne ging. Das Team Stronach bezog ja das ehemalige Hauptquartier des BZÖ.

 13:21

Mandatar Robert Lugar gab sich bei seiner Ankunft vor Beginn der Sitzung zugeknöpft: "Wir kämpfen bis zum Schluss für eine Einigung." Ob er der "starke Mann" sei, den sich Stronach laut Nachbaur angeblich gewünscht hatte? "Ich bin kein starker Mann. Der einzig starke Mann, der mir einfällt, ist Arnold Schwarzenegger", scherzte Lugar.

 13:01

Etwa ein Dutzend Medienvertreter warten bereits vor der Zentrale des Team Stronach in der Wiener Reichsratsstraße, direkt hinter dem Parlament.

 12:54

Die Verschiebung der Sitzung von 12.30 Uhr auf 13.30 Uhr hat den Grund, dass Frank Stronach aus Kanada mitmischen will. In Stronachs Unternehmenszentrale bei Toronto ist es jetzt kurz vor 7 Uhr früh.

 12:44

Parteigründer Stronach hat ein Druckmittel in der Hand. Seit dem Wahlkampf 2013 schuldet die Partei ihrem Gründer 10 Millionen Euro. Vereinbart ist, dass die Partei jedes Jahr 1 Million an Stronach zurückzahlt. Die Rate für 2014 hat Stronach der Partei erlassen - ob er auch auf künftige Raten verzichtet, ist unklar.

 12:32

Das Kärntner Team Stronach rund um Landesrat Gerhard Köfer will sich in der kommenden Woche komplett von der Bundespartei abnabeln. Am 4. Dezember soll ein neuer Name und ein neues Logo präsentiert werden.

 12:20

Es geht heute nicht nur um die politische Zukunft der Partei, sondern auch um Geld. Vor dem Rauswurf bei der Stronach Group hatte Nachbaur 22.300 Euro verdient. Zuletzt blieben ihr im Monat noch 12.300 Euro: 8.300 als Abgeordnete und 4.000 als Geschäftsführerin der Parteiakademie.

 11:45

Vor der Sitzung stehen die Zeichen auf Machtkampf: Der Stronach-Klub im Parlament hat 12 Mitglieder (11 im Nationalrat und ein Bundesrat). Sollte Nachbaur unter diesen keine Mehrheit haben, will Parteirivale Robert Lugar ihre Abwahl. Nötig wäre dafür allerdings die Unterstützung von acht Mitgliedern. Nachbaur hat indes nur drei Getreue sicher: den Arzt Marcus Franz, den Anwalt Georg Vetter sowie Christoph Hagen.

 11:15

Parteigründer Frank Stronach wird bei der Sitzung selbst mitmischen und von Kanada aus die Fäden ziehen.

 10:40

Stronach ist jetzt auch Blogger

Mitten in diese Personalturbulenzen im Team Stronach platzte übrigens am Montag ein Blog-Beitrag von Magna-Gründer und Parteivater Frank Stronach: Unter dem Titel "Wie ihr euch von Mitarbeitern trennt" erzählt der Austro-Kanadier, dass es für ihn immer "die schwierigste Aufgabe" gewesen sei, jemanden zu entlassen.

"Wenn jemand keine gute Einstellung hat und nicht sein Bestes gibt, also keine guten Produkte erzeugt oder keine gute Arbeit leistet, dann war es leichter, diese Person zu entlassen", erklärte Stronach in dem Blog.

 10:15

Klubsitzung beginnt erst um 13:30 Uhr

Ursprünglich war die Krisensitzung des Team Stronach für 12:30 Uhr angesetzt. Dieser Termin wurde soeben verschoben - und zwar auf 13:30 Uhr.

 10:07

Ex-Minister ist der neue starke Mann

Ex-Justizminister Michael Krüger ist der große Gegenspieler von Kathrin Nachbaur. Er wurde schon als neuer Parteichef des Team Stronach gehandelt. Am Montag dementierte er alle diese Meldungen. Fakt ist aber: Krüger, der als Rechtsberater Stronachs in Österreich auftritt, ist der große Gegenspieler Nachbaurs.

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(c) APA, Michael Krüger

 09:43

So entstand das Polit-Chaos

Weil Frank sie bei der Stronach Group an die Luft setzte und ihr die 10.000-Euro-Gage strich, warf ihm Nachbaur den Parteivize samt Mitgliedschaft hin: „Hiermit möchte ich den Rückzug aus der Bundespartei Team Stronach für Österreich per sofort bekannt geben“, schrieb Nachbaur. Zusatz: „Frank, ich wünsche Dir und auch der Partei das Allerbeste!“