Frauenbericht 2010

Superg’scheit, aber unterbezahlt!

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Halbe-Halbe bleibt Wunsch - die Einkommens-Schere zwischen Frauen und Männern klafft immer weiter auf

Trotz besserer Ausbildung verdienen Frauen schlechter als Männer, Tendenz fallend. Und: Der Haushalt bleibt Frauensache – das besagt der Frauenbericht 2010.

550 Seiten dick, 1,5 kg schwer – und ein Prestigeprojekt der SPÖ: Erstmals nach 15 Jahren wurde gestern im Bundeskanzleramt wieder ein Frauenbericht präsentiert. Und er zeigt auf, dass sich die tradierten Rollenbilder nur langsam wandeln: Frauen übernehmen immer noch großteils die Kinderbetreuung, verdienen weniger als Männer und in Top-Positionen kann man sie an einer Hand abzählen.

„Wir sind auf dem richtigen Weg, bewegen uns aber im Schneckentempo“, so SP-Frauenministerin Garbriele Heinisch Hosek. Schuld daran seien auch die Männer. Denn: „Männer reden zwar wie Paradefeministen, verhalten sich aber immer noch wie Alltags-Machos“.

Tatsächlich ist die berufliche Gleichstellung nur Wunschmusik: Zwar ist der Anteil der arbeitenden Frauen seit 1991 um zarte 5,9 auf 68,6 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat sich der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen von 20,3 auf 41,5 Prozent mehr als verdoppelt.

Trend: Frauen verdienen immer weniger als Männer
Und dort wird dann in der Regel auch weniger bezahlt. Die Folge: Verdienten Frauen 1995 im Schnitt noch um 22 Prozent weniger als Männer, betrug die Lücke 2007 schon 25,5 Prozent. Damit reiht sich Österreich auf den vorletzten Platz im EU-Ranking ein – immerhin noch vor Estland. Rechnet man Faktoren wie Ausbildungsgrad und Dauer der Betriebszugehörigkeit weg, beträgt der Gehaltsunterschied immer noch 18 Prozent – ein „rechnerisch unerklärlicher Rest“, wie es im Bericht heißt.

Der Grund für den starken Anstieg weiblicher Teilzeitkräfte: Unvereinbarkeit zwischen Beruf und Familie. So gaben 2008 knapp die Hälfte der 776.000 Frauen in Teilzeit an, aufgrund von Betreuungspflichten für Kinder oder zu familiären Pflegefällen nicht Vollzeit arbeiten zu können.

Die Folge: Die Haushaltsführung bleibt in Frauenhand: Zwei Drittel der unbezahlten Arbeit (Kochen, waschen, bügeln, Einkauf,…) wird von Frauen erledigt. Parallel dazu stieg der Anteil der Hausmänner seit 1992 von 31 auf 34 Prozent.

„Alltags-Machos“ drücken sich vor Haushalt und Kind
Wenig überraschend orientiert sich dann auch der Anteil der Väter in Karenz seit Jahren entlang einer sehr niedrig gesetzten 5-Prozent-Latte. Hoffnungsschimmer bleibt das neue einkommensabhängige Kindergeld, das Männer in die Betreuung locken soll.

Gegen tradierte Rollenmuster nützt dann offenbar auch der Ausbildungsgrad wenig: Denn Frauen waren noch nie so gut qualifiziert: 14,9 Prozent haben mittlerweile einen Hochschulabschluss( Männer 14,4 Prozent), 53,7 Prozent der Studierenden sind weiblich. „die Welt der Frauen ist heute bunter, aber nicht unbedingt rosiger“, so Heinisch-Hoseks Fazit.

ÖVP sträubt sich gegen Rezepte zur Gleichstellung
In der Pipeline der SPÖ-Frauen-Frontfrau: eine Verpflichtung zur internen Gehalts-Offenlegung für Betriebe, die Einführung einer Frauen-Quote in Aufsichtsräten und ein Nationaler Aktionsplan für die Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt. Allein der Koalitionspartner bremst.

ÖVP-Minister war bei der Präsentation des Berichtes gestern nicht zugegen. Nur Ex-Frauenministerin Maria Rauch-Kallat schaffte es ins Bundeskanzleramt – mehr als eine Stunde zu spät. Die Regierung repräsentierte SP-Staatssekretär Josef Ostermayer – Kanzler Werner Faymann war auf dem Begräbnis von Südtirols Ex-Landesvater Silvius Magnago.

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