Nach der Wahl: Wer plant was?

Wahl-Insider

Nach der Wahl: Wer plant was?

Diese Nationalratswahl wird spannend: Nicht nur die Frage, wer gewinnt, regt auf. Sondern vor allem: Wer wird nach der Wahl mit wem regieren. In Wahrheit gibt es SECHS Szenarien – hier sind sie:

Szenario 1: Kurz 29 %, Kern 28 %, FPÖ 23 %

Kurz macht SCHWARZ-ROT mit Doskozil: Das derzeit wahrscheinlichste Szenario: Kurz gewinnt die Wahl knapp vor der SPÖ. Kern bleibt Parteichef, geht aber nicht in die Regierung, sondern wird Klubobmann.

Kurz macht den Kanzler, führt mit allen Parteien Gespräche, entscheidet sich dann aber für eine „Große Koalition NEU“, also erstmals für SCHWARZ-Rot.

Dass Kurz bei diesem Ergebnis Schwarz-Rot präferiert, hat einen Grund: Er bekäme dann seinen Lieblings-Partner Hans Peter Doskozil als Vizekanzler.

Hans Peter Doskozil würde im Gegenzug sein gewünschtes „Sicherheits-Ressort“ erhalten, die SPÖ die meisten ihrer Ressorts behalten. Das Finanzressort würde dann geteilt – in ein Budget-Ressort, das die SPÖ erhält, und in ein Reform-Ressort für Rechnungshof-Chef Moser.

Szenario 2: Kurz 30 %, FPÖ 27 %, SPÖ 23 %

Kurz macht SCHWARZ-Blau mit Hofer: Falls es bei der Wahl zu einem schwarz-blauen Erdrutsch kommt und die SPÖ auf Platz 3 zurückfällt, dann bebt die Republik. Kern wäre dann – um mit Strache zu sprechen – „Geschichte“, die SPÖ tief in der Krise.

Kurz bleibt dann kaum anderes übrig als das bei der ÖVP höchst unbeliebte Schwarz-Blau zu starten. Dafür gibt es zwei Alternativen:

Variante 1: Kurz wird Kanzler, Strache wird Vizekanzler, erhält ein neues „Sicherheits-Ressort“ dazu, Norbert Hofer soll Außenminister werden, die FPÖ will auch noch das Bildungsressort ­(Favoritin: Petra Steger), das Sozialministerium (Favorit: Helmut Haigermoser), das Gesundheitsressort.

Variante 2: Norbert Hofer wird Außenminister und ­Vizekanzler, Strache geht nicht in die Regierung, sondern erhält in einem „Deal“ die Zusage der ÖVP, ihn bei Neuwahlen in Wien zum Bürgermeister zu machen. Tatsächlich wäre der Wiener Bürgermeister Straches Traumjob – und er könnte Wien regieren statt im Bund für seinen Erzfeind Kurz den „Vize“ spielen (und dabei verlieren) zu müssen.

Szenario 3: Kurz 35 %, SPÖ 23 %, FPÖ 22 %

Kurz wagt MINDERHEITS-Regierung: Im Falle eines Erdrutsch-Sieges für Kurz überlegt der ÖVP-Jungstar eine „ganz neue Lösung“ für einen Neustart der Regierung. Kurz will dann ein Experten-Kabinett als Regierung präsentieren, in dem jede Partei ihre besten Köpfe als Minister stellt.

Die SPÖ Doskozil als ­Sicherheitsminister und Rendi-Wagner als Gesundheitsministerin, die FPÖ Norbert Hofer als Außenminister und Helmut Haigermoser als Sozialminister, die Neos Matthias Strolz als Bildungsminister und Irmgard Griss als Justizministerin, die Grünen Ulrike Lunacek als Europaministerin und Ingrid ­Felipe als Umweltministerin.

Im Gegenzug würden die Parteien mit Kurz einen Reform-Pakt schließen und im Rahmen dieses Paktes ihre Zustimmung zu den nächsten Budgets und ihren Verzicht auf Misstrauensvoten und Abwahl festlegen.

Dieses Szenario ist noch „Basti fantasti“-Zukunftsmusik – klingt aber für viele faszinierend, nach echtem Neustart.

Szenario 4: Kern 30 %, Kurz 27 %, FPÖ 23 %

Kern macht ROT-Schwarz mit Schelling: Für den Fall, dass die SPÖ die ÖVP im Finish dieser Wahl noch überholt und Erster wird, dürfte Kurz wohl seinen Abschied nehmen – und die ÖVP zu alten Traditionen zurückkehren. In diesem Fall gilt Hans Jörg Schelling als logischer Nachfolger für Partei und Regierung.

Für Christian Kern wäre eine rot-schwarze Koalition mit dem extrem paktfähigen Schelling als Finanzminister die ideale nächste Regierungs-Koalition. Es ginge weiter wie bisher – nur ohne die Störfaktoren Kurz & Sobotka.

Szenario 5: Kern 30 %, FPÖ 26 %, ÖVP 24 %

Kern könnte ROT-Blau starten: Falls die SPÖ die Wahl klar gewinnt und die FPÖ sogar Platz 2 schafft, würden die Stimmen für Rot-Blau vor allem aufseiten der burgenländischen SPÖ immer lauter werden. Dann wird Christian Kern wohl in seiner zutiefst zerstrittenen Partei für Rot-Blau votieren und diese Koalition in einer Urabstimmung auch durchbringen.

Dann regiert Kern als Kanzler, Strache als Vize und Innenminister, Hofer als ­Außenminister und viele aus dem Burgenland kommen nach Wien: Etwa Landesrat Alexander Petschnig als Wirtschaftsminister oder LH-Vize Johann Tschürz als Landwirtschafts- und Umweltminister.

Szenario 6: Kurz 28 %, Kern 28 %, FPÖ 24 %

Der große Poker: ROT-Blau oder SCHWARZ-Blau: Wirklich spannend wird’s, wenn ÖVP und SPÖ Kopf an Kopf liegen und Sebastian Kurz die Wahl nur ganz knapp gewinnt. Dann nämlich werden ÖVP und SPÖ um die Blauen als Koalitionspartner pokern.

Der jeweils Erste – also etwa Kurz – hat den Aufschlag, muss aber die FPÖ erst als Partner gewinnen.

Wenn die SPÖ nur ganz knapp Zweiter wird, wäre es leicht möglich, dass Hans Niessl die Partei und das Kanzleramt übernimmt und die Strache-FPÖ dann mit fliegenden Fahnen zu einem Bundeskanzler Niessl überläuft.

Denkbar wäre bei so einem knappen Ergebnis aber auch das neue Schwarz-Rot mit Kurz-Doskozil. Sprich: Wenn’s knapp wird, dann geht der Krimi nach der Wahl erst richtig los...

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