Werner KOgler

Grünen-Chef im oe24.TV-Interview

Werner Kogler: 'Sicher wollen wir regieren, aber...'

'... aber nur, wenn es mehr Umweltschutz und Gerechtigkeit gibt.'

oe24.TV: Sind Sie noch im Freudentaumel?

Werner Kogler: Zunächst war zum Taumeln keine Zeit, aber wir hatten gestern eine Wahlparty – und da habe ich etwas nachgedacht.

oe24.TV: Wann sind Sie am Wahlsonntag schlafen gegangen?

Kogler: So gegen drei Uhr, aber das war eh früh.

oe24.TV: War dieser Wahlkampf die härteste Zeit Ihres Lebens?

Kogler: Der EU-Wahlkampf war ja noch locker. Aber ja, wir sind mit einem Miniteam in Konkurrenz mit ganzen Parteiapparaten getreten.

oe24.tv: Warum war der Sieg am Ende so groß?

Kogler: Es war eine anständige Mischung. Da war das Motiv, zurück zu den Grünen, ­zurück ins Parlament. Das war es aber nicht alleine. Die Nachfrage nach grünen Ideen war eben groß, die Themen­lage hat sich gedreht. Eine grüne Welle ja – die muss man aber auch reiten können. Das konnten die anderen nicht so gut. Da geht es eben auch um die Glaubwürdigkeit.

oe24.tv: War das Gespräch mit dem Bundespräsidenten nicht eine Siegesparty?

Kogler: Nein, da war jeder in seiner Rolle. Es hat 50 Minuten gedauert, wir wollten einmal alle Optionen ausloten.

oe24.TV: Hat er Ihnen zu Türkis-Grün geraten?

Kogler: Nein, wir haben die politische Geografie ausgemessen. Was möglich ist und sinnvoll sein kann. Da waren keine Tipps dabei.

oe24.TV: Wie wichtig ist der Rat des Präsidenten für Sie?

Kogler: Er kann das gut trennen. Er hat gesagt, er wünscht sich mehr Klimaschutz durch die Regierung. Das gilt aber auch für den Fall, dass die Grünen nicht dabei sind, das könnte ja auch die SPÖ, die sich jetzt auch an dem Thema versucht. Wo man das nicht sieht, das ist die FPÖ. Er will, dass stabil demokratisch und modern regiert wird.

oe24.TV: Haben Sie schon mit Kurz gesprochen?

Kogler: Es waren mehrere Kurztelefonate mit ihm. Es wird ja das offizielle Treffen erst geben. Man wird sich mehrmals treffen müssen, damit man über die großen Linien reden kann. Das wird gewisse Zeit in Anspruch nehmen, wenn man das ehrlich angeht.

oe24.TV: Kurz hat damals Sushi bei Strache gegessen, was ist es bei Ihnen?

Kogler: Kickl hat gesagt: „Bratlfett statt Minarett“ – da wundern mich die Sushi. Ich mag eher Maki, zu viel roher Fisch ist nicht oststeirisch.

oe24.TV: Wie stehen die Chancen für Türkis-Grün? 50 %?

Kogler: Ich traue mich nicht, eine Zahl anzugeben. Ja, wir dürfen nicht auf der Flucht sein, weil wir keine neue türkis-blaue Koalition haben wollen. Neu ist aber: Der Erfolg ist beiderseits so groß, dass sich Türkis-Grün ausgeht. Möglich ist es, aber ob es sinnvoll ist, müssen wir erst schauen.

oe24.TV: Sie sind also durchaus regierungsfit?

Kogler: Also wenn ich mir andere Minister anschaue, dann können wir das längst. Ich bin aber leidenschaftlicher Parlamentarier, der Klubobmann wäre reizvoll. Aber eines ist klar: Wir werden keinen Kurs fahren, der sich von Türkis-Blau nicht unterscheidet.

oe24.TV: Sie selbst könnten bei Türkis-Grün Klubobmann statt Minister sein?

Kogler: Das ist möglich – wenn wir von der geringen Wahrscheinlichkeit ausgehen, dass es dazu kommt. Wir wollen ohnehin, dass das Parlament wichtiger wird, dass man die Abgeordneten nicht als verlängerte Mechaniker der Regierung sieht.

oe24.TV: Sigrid Maurer hat ­einen 180-Grad-Schwenk von Kurz verlangt …

Kogler: Man könnte auch mich zitieren. Ich habe selbst bei Klima-, Umwelt- und Naturschutz eine ordentliche Kurve gefordert. Die ÖVP hat ja früher selbst die Ökosoziale Marktwirtschaft propagiert. Ja bitte her damit.

oe24.TV: Wo muss sich die ÖVP ändern?

Kogler: Wir müssen einmal sehen, was sie wollen. Mich würde etwa interessieren, wie das in der Sozialpolitik gehen soll. Das sind ja keine Unmenschen, sie haben ja auch selbst Kinder. Die Kinderarmut muss jedenfalls zurückgedrängt werden – ich will in den Gesprächen rauskriegen, wie die ÖVP das machen will.

oe24.TV: Welche Rolle spielen NGOs in den Verhandlungen?

Kogler: ÖVP und SPÖ bedienen sich Riesenapparaturen, Kammern. Wir wären ja dumm, wenn wir nicht den Rat der NGOs beachten würden.

oe24.TV: Was wäre mit einem unabhängigen Innenminister, etwa einem NGO-Vertreter?

Kogler: Darüber kann man nachdenken, im Innenministerium ist ja Vorsicht am Platz, was Parteilichkeit betrifft. Machtkämpfe tun der Republik nicht gut, da wäre ein ein bisschen Neutralerer als ein Stahlhelm der niederösterreichischen ÖVP nützlich.

oe24.TV: Wann wird die neue Regierung stehen?

Kogler: Die Regierung Bierlein ist sehr beliebt. Ich glaube, wenn sie im Advent und nach Silvester noch im Amt ist, wird das die Österreicher nicht schrecken.

oe24.TV: Viele glauben, mit den Grünen kommt Tempo 100 auf allen Autobahnen, Marihuana wird freigegeben.

Kogler: Das ist nie passiert. In Tirol ist fast überall Tempo 100 – und da hat die ÖVP die meisten Stimmen. Ansonsten ist das Wesen von Gesetzen, dass es eine Mehrheit gibt. Wir haben knapp 14 %.

oe24.TV: Aber Sie wollen schon regieren?

Kogler: Ja, mit Sicherheit, wenn Schritte für mehr Umweltschutz und Gerechtigkeit und Korruptionsfreiheit passieren würden und die Menschlichkeit und der Zusammenhalt nach vorne gebracht werden können. Dann ist das ja das Ziel. Wir vermuten, dass das bei Türkis-Grün besser gehen würde als bei Türkis-Blau, und es muss sich eben genau davon unterscheiden.Niki Fellner



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