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Ex-FP-Klubobmann im Exklusiv-Interview

Westenthaler nach Haft: 'Es war die Hölle'

Seit gestern ist Peter Westenthaler wieder ein freier Mann. Er gab auch die Fußfessel ab.

Vorbei. Und doch nicht. Kurz vor acht Uhr früh gab Peter Westenthaler am Donnerstag seine Fußfessel in der Justizanstalt Simmering ab. Die trug er seit dem 27. Dezember. Zuvor saß er seit 21. August ein. 164 Tage. Zwischen Tschetschenen, Afghanen, Räubern, Drogendealern, Vergewaltigern. In Haft führte er Tagebuch. Jetzt plant er eine Klage gegen das „Schandurteil“ gegen ihn vor dem Europäischen Gerichtshof. Im oe24.TV-Interview sagt er über seine Haft: „Es war die reine Hölle.“

 

Video zum Thema: Fellner! Live: Peter Westenthaler im Interview
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Mithäftlinge: "Dealer, Räuber, ein Kinderschänder"

oe24.TV: Sie haben Ihre Haft abgesessen. Was bleibt?

Peter Westenthaler: Wenn am ersten Tag um 16 Uhr die Tür hinter dir ins Schloss fällt, ist das der Super-GAU. Die reine Hölle. Das war meine allerschlimmste Zeit. Sieben Quadratmeter. Der geschlossene Vollzug, das ist wirklich Gefängnis. Vor dir die schwere Eisentüre, hinter dir das doppelt vergitterte Fenster. Ein Bett, Klomuschel. Das musst du erst einmal verkraften. Am Abend gibt dir der Stockchef ein Brot, einen Liptauer, Wasser. Niemand soll mir sagen, wir hätten Wohlfühlgefängnisse. Es wird dir dort deine Persönlichkeit genommen. Du bist nur mehr eine Nummer, nicht mehr.

oe24.TV: Wer waren die Mitgefangenen?

Westenthaler: 80 Prozent Zuwanderer. Tschetschenen, Afghanen, fast nur junge Leute zwischen 20 und 30 Jah­ren. Drogendealer, Räuber, Gewalttäter, Vergewaltiger, auch ein Kinderschänder. Dort ist alles. Nur Mörder war keiner dabei, Gott sei Dank. Aber sonst lernst du alles kennen.

oe24.TV: Sie sind prominent, wie wurden Sie als Ex-Politiker behandelt?

Westenthaler: Gut, die Beamten machen einen grandiosen Job, sind fast Hobbypsychologen. Nur mit einem hatte ich ein gröberes Problem, der hat die Muskeln spielen lassen. Das war ein sozialdemokratischer Gewerkschafter, wie sich herausstellte. Wirklich schlimm ist allerdings die Infrastruktur in Simmering: Im Freigängertrakt gibt es kein dichtes Fenster. In Küche, Bad, Toiletten schwarzer Schimmel. Leitungswasser aus Uraltrohren. Das ist inakzeptabel für ein Land wie Österreich. In Wahrheit gehört das gesperrt, saniert und wieder geöffnet. Mir haben sie auch Gefängniskleidung gegeben, weil es einen Befall von Insekten gab. Alles da: Bettwanzen, Flöhe.

© TZOE/Artner
Talk: ÖSTERREICH-Chef Niki Fellner mit Peter Westenthaler

oe24.TV: In Haft haben Sie ein Tagebuch verfasst. Was wird daraus?

Westenthaler: An Erlebnissen war wirklich alles dabei: katastrophal, niederschmetternd, aber auch lustige Erlebnisse. Einer hat mir erzählt, wie man am besten ausbrechen kann. Es wird aber kein reines Buch über die Haft. Ich möchte eine Gesamtpublikation über meinen Fall: Entschieden ist aber noch nichts.

oe24.TV: Ein Rachebuch?

Westenthaler: Nein. Ich habe keine Rachegelüste. Ich möchte nur das Unrecht aufzeigen, das mir widerfahren ist. Das beinhaltet auch den Kampf gegen meine Unrechtsrichterin, die mich verurteilt hat. Ihr Urteil war ein Fehlurteil, ein Schandurteil. So ein Urteil hat es noch nie in der Geschichte gegeben. Der Kampf geht weiter.

oe24.TV: Wie?

Westenthaler: Es hat sich bei mir eine ganze Armee von Anwälten gemeldet, auch Prominente. Mir wurde durch Unrecht meine Freiheit genommen. Die drei wesentlichsten Komponenten für einen Betrug fehlten bei mir doch: Es gab absolut ­keine persönliche Bereicherung, keinen Schaden, auch wurde niemand geschädigt oder getäuscht. Trotzdem die Verurteilung. Wir werden auf jeden Fall vor dem Europäischen Gerichtshof die eindeutige Befangenheit meiner Richterin thematisieren. Fakt ist: In juristischen Kreisen hat das Urteil gegen mich pures Kopfschütteln ausgelöst.

oe24.TV: Wie hat Ihre Familie diese Zeit erlebt?

Westenthaler: Es hat sie sehr mitgenommen. Alle kamen mich besuchen, das waren sehr emotionale Momente. Meine Tochter, meine Mutter und meine Frau sind aber immer hinter mir gestanden. Bis heute. Der Frau Rat ist es nicht gelungen, dass man mir auch meine ­Familie wegnimmt.

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