Das sagt ÖSTERREICH

Wolfgang Fellner

Das sagt ÖSTERREICH

Sympathisch. Noch selten war Ostern für die Kirche mit so viel Hoffnung verbunden wie heuer. Ein neuer, sehr sympathischer Papst gibt der Kirche ein positives Image.

Der Vatikan – zuletzt ein Ort der Skandale, der Intrigen, auch der ­Finanz-Exzesse – predigt plötzlich wieder Bescheidenheit, Menschlichkeit, vor allem Gerechtigkeit.

Und der neue Papst predigt diese neuen Werte nicht nur, er lebt sie – medienwirksam – auch vor. Einen besseren Imageträger hätten sich die Kardinäle nicht suchen können: Franziskus ist ein begnadeter Showmaster. Er fährt im offenen Cabrio durch die Menge, er wäscht und küsst Aids-Kranken und Häftlingen die Füße – zeigt keine Angst vor Randgruppen.

Mit diesen Auftritten ist dieser Papst hoch politisch. Er gibt in der derzeitigen Gerechtigkeits-Debatte, die von den USA bis zur österreichischen Vermögenssteuer reicht, ein klares Statement ab. Schluss mit den immer größer werdenden Einkommensunterschieden – die Kirche ist wieder für die Armen da.

Endlich hat die katholische Kirche wieder einen Papst der Herzen

Die Kirche erlebt also einen Neustart. Endlich ein Papst, der bei den Menschen gut ankommt. Endlich wieder ein Papst der Herzen.

Der neue Papst redet viel, er sagt bisher auch nur Richtiges – er schweigt freilich (noch) zu den großen Themen, die diese Kirche aktuell bewegen. Kein Wort bisher zu den Reformen – zum Zölibat, zur Stellung der Frauen in der Kirche, zur Empfängnisverhütung, zum Streitthema Homosexualität, zu den Missbrauchs-Skandalen.

Osterwunder. Franziskus hat den Vatikan in wenigen Tagen wieder menschlicher gemacht. Jetzt muss er zeigen, dass er die Kirche auch – wenigstens sanft, wie es seine Art ist – in Richtung Reform bewegen kann. Dass dieser Papst sympathisch wirkt, ist schon ein großer Vorteil, aber nur wenn dieser Papst die Konservativen und die Reformer vereint, die Kirche wieder toleranter und moderner machen kann, wird er erfolgreich sein.

Vielleicht geschieht ja am Ostersonntag schon ein kleines Oster-Wunder – und der Papst spricht neben der Gerechtigkeit auch die Reformen der Kirche an. Dann würde unsere Kirche wirklich ein Ostern der Auferstehung erleben …

 

Meinung an: wolfgangfellner@oe24.at

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