Letzter Akt im Prinzessinnen-Drama: Die SPÖ ist am Ende

Das sagt ÖSTERREICH

Letzter Akt im Prinzessinnen-Drama: Die SPÖ ist am Ende

Ein Kommentar von ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner.

Erinnern Sie sich noch an den September 2017? ÖSTERREICH veröffentlichte damals ein SPÖ-internes Papier, in dem die eigenen Mitarbeiter (!) den Noch-Kanzler Christian Kern als „nervenschwach“, „sprunghaft“ und als „Prinzessin“ beschrieben. Kern verhängte über ÖSTERREICH – empört – eine Interview- und Inseraten-Sperre. Doch manchmal holt die Geschichte ihre Hauptdarsteller ein.

Gestern erfolgte der letzte Akt im Polit-Kabarett „Die Prinzessin vom Ballhausplatz“. Christian Kern schmiss der SPÖ nach dem Partei-Vorsitz auch noch die EU-Kandidatur hin. Jetzt versinkt der Intrigantenstadl, der einst eine stolze Kanzler-Partei war, im Kern-Chaos.

Die wahren Gründe für Kerns endgültigen Abschied von der Bühne lassen sich erahnen:

  • Er fühlte sich von seiner Partei verraten, befürchtete eine „Hinrichtung“ als EU-Kandidat am kommenden Parteitag.
  • Er glaubte, er werde von seinen „Entdeckungen“ Rendi-Wagner und Drozda im Stich gelassen, war von Rendis ZiB 2-Sager, sie sei „kein Christian Kern“, entsetzt und wurde zuletzt von seiner Frau "bearbeitet", sich ¬dieses „Kern-Bashing“ nicht mehr gefallen zu lassen.
  • Vor allem aber war er mit seiner Idee einer rot-grün-liberalen Allianz bei der EU-Wahl in der eigenen Partei fulminant gescheitert. Kern hatte zuletzt verzweifelt versucht, mit seinen Freunden Macron und Renzi ein links-liberales Bündnis gegen die Rechten Salvini, Orbán, Strache bei der EU-Wahl zu schmieden. Seine geniale Idee: Er wollte mit dieser links-liberalen Allianz bei der EU-Wahl Erster werden – das hätte ihm vermutlich den Juncker-Job als EU-Kommissionschef eingebracht.
  • In Österreich wollte Kern mit einem Bündnis SPÖ-Neos über die 40-%-Marke kommen und die EU-Wahl souverän gewinnen. Doch er scheiterte mit dieser Idee an seiner eigenen Partei und hätte diesen Plan morgen beim SPÖ-Präsidium begraben müssen. Eine Niederlage, die Kern nicht mehr kassieren wollte.

Mit Schieder hat SP aller- beste Chancen auf Platz 3

Der Rücktritt Kerns auch noch als SPÖ-Spitzenkandidat kommt für die SPÖ zum absolut schlechtesten Zeitpunkt. Die aktuelle Research Affairs-Umfrage von letzter Woche hatte ergeben, dass die SPÖ mit Kern an der Spitze bei der EU-Wahl erstmals die Nummer 1 erobert hatte. Ich hatte bereits vor Wochen prophezeit und bleibe dabei: Mit Kern würde die SPÖ die kommende EU-Wahl klar gewinnen. Kurz und die Regierung wären in die Defensive geraten – Rendi-Wagner wäre zum Polit-Star geworden.

Jetzt landet der Traum-Wahlkampf der SPÖ mit Kern und Rendi-Wagner auf den Plakaten für die EU-Wahl im Mistkübel, die Chance auf die Nummer eins ist verspielt – im Gegenteil: Die SPÖ muss fürchten, dass ihr neuer „Star“ Rendi-Wagner in wenigen Wochen entzaubert wird, dass in der Partei die vorhandenen Flügelkämpfe offen ausbrechen – und dass die EU-Wahl für die SPÖ zum Debakel wird.

Weit und breit ist bei der SPÖ kein Kandidat zu sehen, der auch nur annähernd die Popularität von Ex-Kanzler Kern hätte:

  • Der jetzt als Favorit gehandelte Andreas Schieder gilt in ¬allen Umfragen als „unverkaufbar“, hat ein schweres „Verlierer-Image“ und im Wahlkampf den Charme einer Knackwurst.
  • Die Europa-Kandidaten Leichtfried und Regner gelten als politische Leichtgewichte ohne Popularität, die von Vilimsky und wohl auch Karas regelrecht verfrühstückt würden.

Die Partei selbst hat jetzt nur eine Hoffnung: Dass die Länder-Könige Ludwig, Doskozil und vor allem Kaiser, die ja alle Wahlen gewinnen müssen, den Intrigantenstadl ausmisten – und dass der an sich durchaus geniale Polit-Stratege Drozda die Partei aus der Krise führen kann.

Der Kern-Rücktritt hat etwas Sympathisches: Ein Spitzenpolitiker geht freiwillig, weil er die Intrigen in seiner Partei nicht mehr ertragen will, weil er glaubt, dass ein Leben ohne Politik "glücklicher" macht - und weil er meint, dass er von der "Droge Politik" nicht abhängig ist sondern sich lieber samt Familie als Unternehmer versucht.

Am Ende ist Christian Kern an seiner eigenen Partei gescheitert. Die SPÖ hat ihn als "Guru" geholt, als sie Faymann brutal intrigant abmontiert hat - doch der "Guru" hinterlässt ein Trümmerfeld und räumt tief enttäuscht die Bühne. Sein Vermächtnis: Wenn die SPÖ nicht bald Geschlossenheit zeigt, wird sie keine Wahl gewinnen.

Eine starke Frau, „Joy“ gerufen, soll es jetzt richten. Mal schauen, wie lange Rendi-Wagner an dieser Partei „Joy“ haben wird …  

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