Wolfgang Fellner Kommentar "Das sagt Österreich"

Wolfgang Fellner

Das sagt Österreich

Welcher Teufel reitet eigentlich die "Agenturen"?

Verschwörungs-Theoretiker haben einen neuen Krampus gefunden: Amerikas Ratingagenturen. Tatsächlich ist die Frage fällig, mit welcher Autorisierung, welchem Ziel, in wessen Auftrag diese „durchgeknallten“ Agenturen ihren Amoklauf gegen den Euro durchführen.

Wie können Finanzexperten, die halbwegs bei Sinnen sind, Deutschland und Österreich das Triple A wegnehmen, gleichzeitig aber den Extrem-Defizitländern Großbritannien und USA ihre Bestnote Triple A belassen? Warum kommen die Attacken immer am Ende jener Tage, an denen es mit Börsen und Euro aufwärtsgeht? Will hier eine Finanz- und Bankenmacht, die hinter Dollar und Pfund steht, den Euro absichtlich kaputt wetten?

Letztendlich ist Europas Politik selbst schuld: Seit Monaten ist die Rolle der US-Agenturen gegen den Euro dubios. Seit Monaten wurden sie nicht gestoppt.

Opposition ist verantwortungslos: Einen Monat lang hat sie nur gepokert
Auch die Rolle von Österreichs Politik rund um den heutigen Beschluss der Schuldenbremse ist letztklassig. Fast einen Monat lang war Zeit, einen nationalen Schulterschluss zu schaffen, den dieses Land wenigstens in der Krise nötig hätte.

Einen Monat lang haben die ­Oppositionsparteien nur geblödelt und gepokert. Strache, Bucher, Glawischnig waren (und sind) verantwortungslos. Regiert werden will man von solchen Chaoten jedenfalls nicht.
Präsident schläft mal wieder: Er hatte wochenlang Zeit zum Handeln

Aber auch unser Bundespräsident hat die Dramatik der Situation mal wieder verschlafen. Er hätte wochenlang die Zeit – und die Pflicht – gehabt, etwa bei einem runden Tisch die für dieses Land so wichtige Einigung zu erzielen. Stattdessen empfiehlt er Parlamentariern, einfach „z’haus“ zu bleiben.

Das ist leider Österreich: Es gibt nur schlamperte Lösungen. So lange, bis es wirklich teuer wird. Und dieser Tag ist nicht mehr fern.

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