Das sagt Österreich

Der Kanzler und die angespannten Nerven

Wolfgang Fellner
© ÖSTERREICH/ Artner
Ein Kommentar von ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner.
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Kanzler Christian Kern zeigt in diesem Wahlkampf plötzlich Nerven. Wie Donald Trump in den USA geht der Kanzler plötzlich gegen kritische Medien vor. Sein erstes Ziel ist ÖSTERREICH. Uns wirft der Kanzler „einen Angriff auf die politische Kultur im Land“ vor. Und sein Herr Sohn, der – als Leuchtturm der „politischen Kultur“ à la Kern – schon Sebastian Kurz mit Idi Amin verglichen hat, bezichtigt uns sogar des „Raubritterjournalismus“.

Einzige »Sünde«: Wir brachten ein SP-Dossier

Die

einzige „Sünde“, die

ÖSTERREICH begangen hat, besteht darin, dass wir vergangene Woche (und

in der

Sonntagszeitung) ein Dossier von Christian Kerns eigenem (!) Wahlkampf-Team veröffentlicht haben, in dem eine wenig schmeichelhafte Analyse der

„Kampagnenfähigkeit“ des eigenen Spitzenkandidaten enthalten ist.

Dazu muss man wissen, dass ÖSTERREICH eine Woche vorher ein Strategie-Papier der

ÖVP enthüllt hat, in dem – so wie im SPÖ-Papier – alle detaillierten Planungen des Wahlkampfs und

Einschätzungen des Kandidaten enthalten waren.

Der

Kanzler

und

seine Partei haben damals übrigens genüsslich aus dem in ÖSTERREICH abgedruckten ÖVP-Papier zitiert.

Der ÖSTERREICH-Artikel war niemals »privat«

Es ist keine Frage, dass es nicht nur Recht, sondern auch Pflicht kritischer Zeitungen ist, Wahlkampf-Strategiepapiere, die

sie auf legalem Weg erhalten (wir haben das Dossier von einem Ex-Mitarbeiter bekommen und

es penibel auf seine Echtheit überprüft), zu veröffentlichen.

Das Wahlkampf-Papier der

SPÖ ist von enormer politischer Brisanz (weshalb der

Kanzler

in Wahrheit ja auch so panisch reagiert):

  • Es zeigt, dass Kern den Wahlkampf entgegen seinen ständigen Beteuerungen bereits im Februar 2017 (drei Monate vor der Neuwahlansage) in allen Details vorbereitet hat.
  • Dass der dubiose Tal Silberstein viel tiefer in den Wahlkampf eingebunden war, als Kern immer gesagt hat (er war in Wahrheit die Schlüsselperson).
  • Und dass Kerns eigene (!) Wahlkampf-Truppe enorme Zweifel an seiner ­Nervenstärke und seiner Belastbarkeit hatte.

Und

das, bitte schön, ist natürlich in keinster Weise „privat“ oder „familiär“ – sondern das ist in höchstem Maße politisch relevant. Wenn die

eigenen Mitarbeiter kein Vertrauen in die

Belastbarkeit des Kandidaten haben, dann hat ja wohl jeder Wähler ein Recht, das zu erfahren.

Ein Kanzler darf nicht die Nerven wegschmeißen

Die

Reaktion von Christian Kern bestätigt die

parteiinterne Analyse, die

er eigentlich widerlegen wollte. Mimosenhafter hat noch selten ein Kanzler

in diesem Land auf Kritik reagiert. Dass Kern den Abdruck von ein paar harmlosen Prinzessinnen-Kari­katuren aus dem Internet als „Kampagne gegen meine Person“ wertet, ist eines Kanzlers nicht würdig.

Wir garantieren: Es wird keine „Kampagne“ gegen Kanzler

Kern in ÖSTERREICH geben. Unsere Berichterstattung (siehe Glyphosat-Bericht) bleibt fair, ausgewogen und

unabhängig.

Aber: Ein Kanzler

soll das Land mit kühlem Kopf und

ruhiger Hand regieren – und

nicht beim ersten kri­tischen Artikel gleich die

Nerven wegschmeißen.

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