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Das sagt ÖSTERREICH

Warum gibt Rendi nicht endlich auf?

Ein Kommentar von ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner.

Ich bin kein Rendi-Wagner-Hasser – wie viele andere Journalisten im Land. Im Gegenteil: Ich habe sie zu Beginn sehr positiv gesehen. Ich war der Meinung, mit ihrer sympathischen, telegenen Art und mit ihrer Rolle als engagierte Frau könnte sie ­einen Wahlkampf gegen die „Machos“ Kurz und Strache sehr wohl gewinnen – und wäre als erste (gewählte) Frau im Kanzleramt ein Symbol für Aufbruch, Gleichberechtigung, soziale Wärme.

Das war vor sechs Monaten. Seither hat Rendi-Wagner alles „vernudelt“, was man als Politikerin nur verstümpern kann. Ihre Auftritte sind viel zu selten und dann meist peinlich. Ein Konzept für Reformen ist weit und breit nicht zu sehen. Vor allem ist ihre Partei-Arbeit so desaströs, dass man Angst haben muss, sie würde als Kanzlerin das Land genauso ruinieren wie ihre Partei.

Rendi-Wagner braucht ein zweites "Ibiza-Wunder"

Klar war von Beginn an: „Pamelas“ einzige Chance waren nur schnelle Neuwahlen, damit sie Charme, Telegenität, soziale Wärme und Frauen-Themen in einem Wahlkampf ausspielen kann – als Oppositions-Chefin würde sie fulminant scheitern.

Jetzt freilich hat Rendi – unfassbar unvorbereitet – den aufgelegten Elfmeter der Neuwahl ins 90 Meter entfernte eigene Tor geschossen. Und startet mit Riesen-Rückstand in den Wahlkampf.

Bei 15 Prozent (!) Rückstand auf Kurz und die ÖVP kann Rendi nur noch ein Wunder eines zweiten Ibiza-ähnlichen Watergates zum Umfrage-Gleichstand und der Kanzler-Ansage verhelfen.

Klar ist aber auch: Ohne Umfrage-Gleichstand und Kanzler-Ansage werden die SPÖ-Stammwähler am 29. September in Massen zu Hause bleiben oder zu den Grünen wechseln. Damit droht der Partei in Wahrheit ein Absturz unter 20 Prozent. Rendi würde zur Totengräberin der SPÖ.

Für mich ist unverständlich, warum Rendi nicht jetzt – rechtzeitig vier Monate vor der Wahl – die Spitzenkandidatur an jemand übergeben hat, der als „Frischer“ Chancen auf eine Aufholjagd hätte: an den Medien-Dynamo Zeiler (der einen fulminanten SPÖ-Neustart hinlegen würde) oder an den ÖGB-Rambo Katzian (der die Gewerkschaft, die Angestellten und damit die Basis mobilisieren würde). Ein Abschied jetzt hätte Rendi viel erspart: Intrigen, Leiden, Häme, die drohende Total-Niederlage und dann einen Abtritt mit Schande.

Rendi-Wagner hat sich entschieden, zu kämpfen – sprich: in einer aussichts­losen Situation alles zu geben und auf ein zweites Polit-Wunder à la „Ibiza-Gate“ zu hoffen, das den Wahlkampf noch einmal dreht. Diese Kampf-Ansage von Rendi-Wagner macht sie sympathisch.

Mit Christian Deutsch hat sich Rendi jetzt den bestmöglichen roten Wahlkampf-Manager zurückgeholt. Er ist ein deklarierter Faymann-, Bures- und vor allem Ludwig-Mann. Mit der brutalen Entfernung von Deutsch aus der SPÖ-Parteizentrale hat der Niedergang der Roten begonnen. Vielleicht kommt jetzt mit seinem Comeback die größte Wiederaufer­stehung seit Lazarus.

Die sympathische Pamela braucht zumindest 30 %, um die Chance auf eine Koalition Rot-Grün-Neos und damit die Kanzlerin zu haben.

Im Moment würde man für diese Wette wohl eine Quote von 10.000 zu 1 bekommen.

Aber vielleicht schneidert ihr Deutsch – endlich – den perfekten Wahlkampf zurecht. Und vielleicht gilt ja die Devise: Wunder geschehen immer wieder. Am ­Öftesten in der Politik ... 



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